
Herzlich willkommen! Dies ist ein Blog mit hoher Frequenz. Ich schreibe werktäglich mindestens einen Beitrag. Es lohnt sich wiederzukommen. Hier können Sie nachlesen, warum ich blogge. Ich freue mich über jede Antwort.
Die Muttiregel
In Wiesbaden auf dem Kongress habe ich mir einen Vortrag von einem Rechtsanwalt über das Verhalten von Usern in Foren angehört. Und auch die Rechtsanwälte wissen, dass die User oftmals recht grob übereinander herfallen bzw. herziehen. Große Frage: Was ist eine Beleidigung?
Noch bis in die 80er-Jahren galt das ungewollte Duzen eines Fremden als Beleidigung. Naja - zumindest außerhalb Bayerns. Hier in Bayern ist es vielmehr so, dass man sein Gegenüber aus Wertschätzung duzt. Wenn man hier Jemanden siezt, dann kann das auch ein bewusstes Ausgrenzen bedeuten. In den letzten Jahren hat es aber auch eine Gerichtsentscheidung gegeben, bei der wurde auch das berühmte A-Wort des Götz von Berlichingen (Goethe) nicht mehr als Beleidigung vom Gericht angesehen und galt nur Ausdruck einer hitzig geführten Diskussion. So können sich die Zeiten ändern.
Vor 15-Jahren Jahren durfte ich noch von einer erbosten Mutter erfahren, dass ihr Sohn Nachsitzen musste, da er das Unwort 'Geil' (pfui, pfui, pfui) verwendet hatte. Mittlerweile ist die Lehrerin in Pension und auch meine Mutter regte sich beim A-Wort in ihren letzten Jahren nicht mehr auf. Sie pfiff dann aber auch schon Melodien der anfangs so abgelehnten Beatles.
Wie soll man sich denn nun seinem Gegenüber im Netz verhalten, wenn alles im Fluss ist
Und da haben die Rechtsanwälte die Mutti-Regel aufgestellt. Und die lautet so: Das, was bei ihrer Mutti ohne Protest an aktivem Wortschatz durchgehen würde, das ist auch fürs Internet geeignet und tendiert dazu, keinen Ärger zu bereiten. (Sehen wir einmal von den 'inneren Reichsparteitagen' ab
)
- 16 Kommentare



Das heißt, wer entsprechend asoziale Eltern hat, darf im Forum pöbeln wie er will, während der wohlerzogene Musterknabe sich dann nicht einmal wehren darf? Das fände ich unfair. Oder gibts deine klar definierte DIN-Mutti?
)
(Hätt ich jetzt rot machen müssen, oder?
Das heißt, wer entsprechend asoziale Eltern hat, darf im Forum pöbeln wie er will, während der wohlerzogene Musterknabe sich dann nicht einmal wehren darf? Das fände ich unfair.
Zustimmung.
... es läuft also darauf hinaus, was wir tagtäglich da draußen erleben: Benehmen ist Glücksache. Oh je!
Cheers
Na, aber, aber. Es geht doch um von Rechtsanwälten empfohlene Regeln. Da kann doch von Glück keine Rede sein.
Stimmt, wenn es um Rechtsanwälte geht, sollte man nicht von Glück sprechen.
Cheers
Stimmt, wenn es um Rechtsanwälte geht, sollte man nicht von Glück sprechen.
Cheers
Na, na, mein Schwager ist Rechtsanwalt. Zum Glück habe ich den.
Da spare ich im Fall der Fälle viel Kohle.
Okay, okay ... Rechtsanwälte sind toll.
Cheers
Also halten wir fest: Alles, was bei Rechtsanwalts-Muttis durchgehen würde, ist auch für das Netz in Ordnung.
Jetzt mal im Ernst: Mehr Substanz hatte die Empfehlung nicht?
Jetzt mal im Ernst: Mehr Substanz hatte die Empfehlung nicht?
Wenn man etwas sucht, dann ist das schon etwas mehr Substanz drinnen.
Z.B., dass die Gerichte beim Strafmaß die soziale Herkunft eines Menschen mitberücksichtigen. Wenn er es nicht besser kann, dann will man Jemanden dafür nicht bestrafen. Wenn also Jemand nur die Fäkaliensprache erlernt hat, dann kann man es ihm nur bedingt vorwerfen, dass er sie in Diskussionen verwendet.
Und hier zeigt sich auch die integrative Macht des Internets. Wer immer Zugriff darauf hat (also alle diesseits des Digital Gaps), ist anonymisiert dabei. Und damit prallen Gesellschaftsschichten aufeinander, die sonst nie miteinander geredet hätten. Das ist doch eine tolle Sache.
Wir merken es ja hier schon beim Alter. Studenten und Rentner diskutieren mit. Oder beim Einkommen. Mancher sucht eine Flasche für ein paar Hundert Euro und der Andere beschränkt sich auf 40 EUR. Dann haben wir hier die Wirtschafts-Techno-Clique (zu der ich auch gehöre) im Gegenpol zu den Geisteswissenschaftlern und Sozialberufen.
Alles drin, alles dran. Das ist das, was mir hier im Forum so richtig Spaß macht. Dass man diese Personenkreise in ihrer Ausdrucksweise nicht über einen Kamm scheren darf, leuchtet mir unmittelbar ein.
Gruß Horst Lüning
Diese (bzw. ähnliche) Unterschiede in der Gesellschaft hat es aber immer schon gegeben, nur wurde früher JEDEM ein Mindestmaß an Erziehung und Bildung "angetan" und es gab Grundregeln für Form und Stil im Schriftverkehr sowie für ansatzweise respektables Verhalten gegenüber Anderen.
Ich wundere mich immer wieder, dass bildungsferne Menschen überhaupt einen PC haben und im Internet sind und vor allem, in welchen Bereichen man sie findet.
Dann gibt es natürlich noch diejenigen, die theoretisch über Wissen und Bildung verfügen, es aber cool finden, sich provokant oder sonstwie völlig daneben zu äussern, eben die Foren-Trolle.
Wenn man etwas sucht, dann ist das schon etwas mehr Substanz drinnen.
Ohne dem Rechtsanwaltskongress zu nahe treten zu wollen: Eigentlich nicht.
Aber ist ja auch wurscht.
Ja, früher ging es nur um die Verrohung / Zügellosigkeit der Jugend. Ich denke eine Aspekt ist neu: die Verblödung! Die haben noch nicht mal die Chance, sich dann als (junge) Erwachsene durch Einsicht zu ändern (was der normale Lauf der Dinge ist).
) wären Gruppen unter 15 Personen statt um die 30 anzustreben.
Aber das wird sich nur ändern, wenn sich in der Erziehung/Bildung was ändert und der Einzelnen wieder mehr Aufmerksamkeit erfährt. Von den Eltern, sowie auch in der Schule, wobei in letzter die Klassenstärken drastisch reduziert werden müssten. Gerade bei der viel gewünschten freien Arbeit der Schüler und Wegfall des Frontalunterrichtes (wo mal locker 40 mal mit dem Stock in Schach gehalten hat
Meine Meinung dazu am frühen Morgen.
denn in einer eher autoritären Gesellschaft haben einige Personengruppen ihren Mund erst gar nicht aufgemacht, und wenn, dann kam da höchstens so etwas dabei heraus wie "Schönen Sonntag noch Hochwürden".
Genauso sehe ich das auch und ich bin ebenfalls froh darüber, dass sich das geändert hat.
Um aber hier dennoch gegen den Strich zu bürsten: Ich bin entsetzt, wie viel linken Unsinn es im Netz zu finden gibt. Viel mehr, als man glauben mag. In Summe ist das Netz aber nur der Spiegel unserer Gesellschaft. Heute kann sich da Jeder verwirklichen. Selbst Whiskyverkäufer
@Glencat
Danke für die Richtigstellung. Aber Strafminderung ist doch auch schon was.
Gruß Horst Lüning
Muttiregel
Das Opfer wird während eines Debakels immer von den Admins zum Täter gestempelt, weil, 1. der Admin die Zusammenhänge nicht weis, oder sie nachlesen kann und das zu schnell macht und wesentliches überliest, oder ein Freund des eigentliche Täters ist. So ist es überall und ich habe bis jetzt noch keinen Chat gefunden wo das so nicht ist, bzw. einen habe ich, bin dort Mitglied und da beleidigt man sich nicht, weil es eine kleine Gruppe ist die sich alle kennen, zum Teil auch langjährig persönlich.
nochmal was zur Muttiregel
Die "Muttiregel" fasst aus meiner Sicht nur in Worte, was leider auch in unsere Rechtsprechung Einzug gehalten hat: Eine Aushölung fundamentaler Werte unserer Gesellschaft.
Art 3, Abs. 1 des Grundgesetzes ist kurz, aber seine Aussage ist für einen Rechtsstaat kaum zu überschätzen - "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich." Dies bezieht sich ausdrücklich auf alle Menschen, also nicht nur die Täter, sondern z. B auch auf die Opfer und die Zeugen. Wenn besipielsweise Herr Dieter Bohlen nicht wegen Beleidigung eines Polzisten, den er duzte veurteilt wird, weil das sein normales Sprachverhalen ist, eben alle zu duzen, dann wäre dass nur dann in Ordnung, wenn man dies allen Menschen zugestünde. Das ist aber eben nicht so. Damit wird auch das Opfer (hier der Polizist) ggf. ungleich behandelt. Je nachdem, wer ihn duzt, ist es mal eine Beleidigung und mal nicht. Das hat mit dem Grundgesetz nicht mehr viel zu tun - nach meiner Meinung. Dass man das juristisch begründen kann, ist mir schon klar.
Analog sehe ich auch die "Muttiregel". Es ist für eine Gesellschaft fatal, wenn ich dem, der sich nach allgemeinem Konsens falsch verhält, zugute halte, dass er es ja nicht besser wissen kann, statt ihm zu sagen: "Das ist flasch." und ihm auch die Konsequenzen aufzeige. Da er (oder sie) ja vermutlich der deutschen Sprache mächtig ist, wird er das verstenen können. Von da an hat er sich daran zu halten oder fliegt aus dem Forum. Mutti hin oder her.
Zwar nicht aus dem Grundgesetz aber als allgemeine Volksweisheit bekannt ist der Spruch "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht". Das mag (rein juristisch) nicht immer stimmen, hier aber solte es meiner Meinung nach analog gelten.
Die Muttiregel als Richtlinie
Ich finde die Mutti-Regel gut, weil sie eine sympathische Alternative zu einem bürokratischen Regelwerk darstellt, die jeder unmittelbar versteht. Dass die Mutter (vielleicht nicht die eigene, aber als Archetyp verstanden) als Ursprung der eigenen Existenz zu respektieren ist, leuchtet jedem ein, jedem. Der kategorische Imperativ funktioniert übrigens ähnlich. Volkstümlich formuliert: was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Es ist müsig, nun eine Diskussion über Sadomasochisten anzustoßen.
malu