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Schaler Geschmack
Vor 13 Monaten habe ich das schlechte SAP-System eines großen Spirituosenkonzerns angeprangert: www.forum.thewhiskystore.de/viewtopic.php
Um den Fall wieder aufzunehmen: Es ist bis heute nichts geschehen
Weiterhin unbrauchbare Rechnungen und Mehrarbeit bei uns durch zusätzliche Rechnungsprüfung per EXCEL.
Dazu gesellte sich vergangenen Monat ein weiterer unmöglicher Fall. Ich saß daneben, als meine Frau von einer Buchhalterin dieses Konzerns - von irgendwo auf der Welt - angerufen wurde.
Sie fragte nach der Bezahlung einer Rechnung, die noch gar nicht fällig war. Ja noch schlimmer: die Ware war überhaupt noch nicht geliefert. Wir dürften zu den schnellsten Zahlern dieses Konzerns überhaupt gehören. Wir machen manchmal pauschale Vorabzahlungen, da wir wissen, wie unflexibel dieser Konzern bei der Auslieferung ist. Und mehr als eine bestimmte Summe scheint man bei denen nicht auf der Straße haben zu dürfen. Dann werden weitere Auslieferungen gestoppt.
Vor über 10 Jahren habe ich die Einführung eines solchen Debitoren-Call-Systems bei einem internationalen Konzern mitverfolgen dürfen. Da die Zahlungsmoral weltweit allgemein schlechter als bei uns in Deutschland ist, ließ man Fibu-Mitarbeiter bei den Kunden vor der Fälligkeit anrufen und sich nach der Rechnung erkundigen. Und was soll ich sagen? Man konnte den Cashflow in wenigen Wochen um über 1 Mrd. US$ verbessern.
Die Rechnung wurde beim Kunden nämlich in Folge aus dem Stapel genommen, angesehen und landete wieder weiter oben auf dem Stoß. Damit wurde sie statistisch auch besser, d.h. früher, bezahlt. Lieferanten und Kunden waren milliardenschwere Unternehmen mit eingefahrenen Geschäftsprozessen. Und trotzdem brachte dieser Anruf einige Millionen Dollar an Zinsgewinnen in die Kasse des Lieferanten. Man muss sich wundern.
Wie hat meine Frau reagiert? Sie hat die Bestellung sofort gecancelt und dem Mitarbeiter verboten, jemals wieder bei ihr anzurufen. Und ich merkte es ihr an. Es war ihr todernst dabei.
Dieser Anruf hat sie weitaus mehr als die 5 Min. Arbeitszeit gekostet. Sie kann sich in Zukunft auf die Lieferungen dieses Konzerns nicht mehr verlassen. Das ist das Schlimmste.
Wenn man eine Ware im Sortiment hat und dann wird die Lieferung durch so einen Querschläger in Frage gestellt, dann ist beim Lieferanten, der sich gerne als Partner bezeichnet, etwas oberfaul. Hätte man dort vor Ort nicht wissen müssen, wie gut und pünktlich wir bezahlen? Müsste man nicht Unterschiede zwischen einzelnen Kunden und den Ländern mit ihrer individuellen Zahlungsmoral machen?
Oder will man bei den guten Kunden noch mehr verdienen?
Wie ich es auch drehe, ein schaler Geschmack bleibt.
Picken, Pushen und Packen
Der Experten des internationalen Versandhandels teilen den Kommissionier-Prozess in drei Abschnitte ein. Im vergangenen Jahr (www.forum.thewhiskystore.de/viewtopic.php) habe ich zur Weihnachtszeit die Picker unterstützt. Anhand einer Liste nehmen die Picker (Nehmer) die Waren aus den Regalen. Meist legen sie sie in Kommissionierwagen und nicht direkt in die Versandschachtel. So auch bei uns.
Dieses Jahr habe ich den Job des Pushers (Schieber) übernommen. Er ist zuständig, um die Kommissionierwagen zur Verpackung zu bringen. Da beides bei uns nur ein paar Meter voneinander entfernt liegt, ist der Pusher bei uns vor allem für die unabhängige Kontrolle der Waren in den Kommissionierkörben verantwortlich (Checker). Nach der Kontrolle muss er Kunststoffkisten - seinem Namen entsprechend - an die Packplätze schieben und stapeln. Jede Kiste habe ich in die Hand genommen, den Inhalt gecheckt und wieder aufgestapelt.
Natürlich sieht man am Computer beim Entgegennehmen eines Auftrags auch die kleinen Bildchen der Flaschen, doch in erster Linie kümmert man sich am Computer mehr um Rechnungspositionen, Verfügbarkeiten und Preise.
Beim Checken der Aufträge hat man dann die Flaschen tatsächlich vor sich. Da gibt es einmal zu Weihnachten die Kleinaufträge. Hier sieht man deutlich, was der/die Besteller/in vor hat. Ein kleines Geschenk hier, eine teure aufwändige Flasche da.
Ein Auftrag ist mir gestern besonders im Gedächtnis geblieben. Bitte entschuldigen Sie den jetzt folgenden Ausdruck. Es war eine Kiste voller Schrott. Nicht, dass wir so etwas verkaufen würden
Es wurde lediglich eine einfache Whiskyflasche bestellt und dazu eine schiere Menge an Accessoires dazu geordert, dass es mich wunderte. Vermutlich tue ich dem Besteller jetzt unrecht und ich entschuldige mich auch gleich dafür: Die Kaufentscheidung des Kunden ist unantastbar – es sei denn er fragt nach einer Empfehlung.
Teleskopbecher, Taschenflaschen, Murmeln, leere Minifläschchen, ein Buch und so ging es in einer Tour weiter. Eine 0,33 Liter Wasserflasche, Schokolade und natürlich zwei Poster. Vermutlich hatte der Kunde eine wohl gefüllte Bar, die er mit etwas Dekoration ergänzen wollte.
'Angenehm unangenehm' sind dann die Megabestellungen. 10, 12 ja 15 verschiedene Flaschen werden - vermutlich als Sammelbestellung - geordert und wir 'plagen' uns mit den schweren Kunststoff-Transportkisten ab. Not macht erfinderisch! Wir haben jetzt besondere Wagen, um diese Megabestellungen vor Weihnachten Kräfte schonend bearbeiten zu können.
Leer
Montag und Dienstag waren der Hammer. Zwar ein angenehmer Hammer - aber trotzdem ein Hammer. Hatten wir in den vergangenen Jahren das Bestellmaximum des Jahres immer am ersten Dezember-Wochenende, so hat es sich in diesem Jahr eine Woche nach hinten verschoben. Und wir dachten schon, das vergangene Wochenende sei heftig gewesen.
Am Sonntag kamen die Bestellungen im Minuten-Rhythmus herein. Über 10 gleichzeitige Datenbankzugriffe (in der gleichen Zehntelsekunde) konnten wir einmal am Sonntag protokollieren. Der Server hat sich wacker gehalten. Die Antwortzeit stieg in diesem Fall auf 0,37s. Doch im Durchschnitt lagen wir immer noch unter tollen 0,1s.
Wir hatten so viele Bestellungen, dass uns die Kartonagen aus gingen und wir Original-Whiskykisten für einen Teil der Auslieferungen am Montag verwenden mussten.
Auch sind die beiden Tiefpreis-Sonderangebote vergriffen. Wir bekommen von den beiden Lieferanten vor Weihnachten keine Ware mehr. Den Bunnahabhain 18 Jahre haben wir deshalb durch den Knockando 18 Jahre ersetzt. Auch der Tamdhu ist vergriffen. Manch Kunde bestellte diesen preiswerten Single Malt gleich in ganzen Kisten. Mit diesem Erfolg einer Flasche ohne Altersangabe hatten wir nicht gerechnet. Auch hier sieht es mau um den Nachschub in diesem Jahr aus.
Man hat immer so eine Vorahnung, wie das Weihnachtsgeschäft werden wird. Meine Frau und ich tasten uns über Oktober und November so langsam an die vermuteten Mengen heran. Kann man mit mathematischen Methoden den Bedarf über das Jahr ganz gut im Voraus berechnen, so klappt das zu Weihnachten nicht mehr. Hier ist Bauchgefühl erforderlich.
Vor Weihnachten sind sowohl die Speditionen als auch DHL ziemlich überlastet. Was wir über das Jahr in ein oder zwei Tagen zum Kunden bringen, dauert kurz vor Weihnachten immer etwas länger. Falls Sie Ihre Bestellung noch aufgeben wollen, so rechnen Sie ein paar Tage mehr Laufzeit für sich ein. Das gilt nicht nur für unseren Whisky – auch für andere Versender.
Doch kommen wir zum Titel dieses Beitrags. Gestern spät abends ging ich durch die Regalreihen und das Palettenlager. Dabei wurde mir richtig deutlich: Das Lager ist leer geworden. Zwar haben wir noch 95% aller Flaschen vorrätig, aber von den Marken, von denen man ansonsten ganze Paletten stehen sieht, findet man jetzt nur noch ein paar Lagen Kisten. Nachschub ist zwar unterwegs und sollte noch 'In-Time' eintreffen. Unser Computer und die Bestellpipeline sehen immer noch gut aus. Es sollte soweit alles klappen. Aber manches Mal steckt der Teufel im Detail und ein LKW kommt nicht dort und dann an, wo und wann er soll.
Und wenn dann der lang erwartete Schnee endlich kommt, kann man sich auf keine Lieferung mehr richtig verlassen.
Versand besonderer Ware
Wir werden oft gefragt, warum wir nicht die Anlieferungsschachteln der Hersteller für den Weiterversand der Ware verwenden. So hin und wieder verwenden wir so einen Lagavulin Karton als Innenschachtel in einer größeren Lieferung und manch ein Whisky-Genießer spart sich diesen Karton auf.
Es gibt zwei Gründe für gesonderte Kartons: Der Erste ist relativ einfach. Wir versenden unseren Whisky in Kartons mit Doppelwelle. Das haben die Original-Kartons nicht. Das schützt den Whisky besser. Die erste dünne Welle schützt sehr gut vor Beschädigung von Außen und die dicke Welle sorgt für Stabilität.
Um den zweiten Grund zu erklären muss ich etwas ausholen. Das große Vorbild meiner Frau ist bzw. war Beate Rotermund, besser bekannt unter dem Namen Beate Uhse. Sie vertrieb Ware, die in der Volksmeinung anrüchig war. Ähnlich zum Whisky meiner Frau. Meine Frau bekommt immer noch verächtliche Blicke zugeworfen, wenn Sie in einer Gruppe ihren Beruf nennt. Bier gilt als Nahrungsmittel - Schnaps kommt dagegen vom Teufel ...
Dass das mit dem neutralen Versand – zumindest bei Beate Uhse - nicht mehr so neutral ist, belegt eine kleine Anekdote, die mein Direktmarketing-Professor - ein Dutzfreund von Frau Rotermund - mal zum Besten gegeben hat.
Ein Marketing-Team von Beate Uhse hat den Auslieferprozess ihrer Pakete einmal beobachtet. Man muss dazu sagen, dass sich in jedem DHL-Fahrzeug in Deutschland immer mindestens ein Beate Uhse Paket befindet. So viele sind es. Man legte sich beim (bekannten) Empfänger also auf die Lauer und harrte der Dinge, die da kommen würden. Es war ein typisches Reihenhaus mit Vorgarten und Zaun. Davor an der Säule die Klingel.
Ein fröhlicher Postbote steigt mit dem Paket aus und klingelt. Kurz darauf öffnet die Hausfrau die Tür und ruft dem Postboten/Paketboten zu: "Was haben Sie denn?" Der Postbote - ein Könner seines Fachs - schließlich weiß er genau, was er da in der Hand hat - wirft einen kurzen Blick auf das Paket, sicherlich zu kurz zum Lesen, und antwortet: "Ein Paket aus Flensburg!"
Pause ... Dann: "Ah von unserer Tante aus Flensburg!"
Auch ich habe mir vor ein paar Jahren natürlich den Versandprozess von Beate Uhse genau angesehen, in dem ich dort bestellt habe. Neutrale Verpackung und ein Überweisungsformular mit einer Firmenabkürzung. Nichts weist auf den vermeintlich 'anrüchigen' Inhalt hin.
So wissensdurstig, wie ich bin, habe ich die Überweisung genommen und bin damit zu meiner Bank gegangen. Die junge Dame sagte: "ah-ja, stimmt alles" und auf meine Nachfrage ob sie den Empfänger kenne antwortet sie leise mit ja. Ich legte ihr den Fall klar, dass wir als Versandhändler wissen wollten, wie das alles bei Beate Uhse funktioniert und wir deshalb bestellt hätten. Sie wurde darauf ganz redselig und bestätigte, dass sie tägliche mehrere dieser Überweisungen in der Vergangenheit gehabt hätte, aber die Anzahl durch das Online-Banking deutlich zurück gegangen sei. Man(n) legt halt doch Wert auf Anonymität.
Wer etwas für das Andenken von Beate Uhse tun möchte, dem sei ihre Stiftung:
www.beateuhse.ag/konzern/bu_stiftung.html
nahe gelegt. Wenn Sie also noch etwas vor Weihnachten spenden wollen, so sind Sie hier richtig.
Flaschenauslieferung
Im Park Hilton in München war im November eine Hausmesse eines der größten Weinhäuser (Versender) Deutschlands. Sie können sich das wie eine Whiskymesse ohne Vorträge vorstellen. Wir waren eingeladen und konnten uns die ganze Sache einmal ansehen.
Meine Hochachtung! Das war professionell. Man bezahlte am Eingang 30 EUR und erhielt dafür ein tolles Glas. Mit diesem Glas ging man von Stand zu Stand und ließ sich kostenfrei einschenken. Rund 100 Weingüter waren als Aussteller anwesend. Eine Bezahlung an den Ständen für die Weine erfolgte nicht. Schließlich hat der Aussteller etwas davon, wenn man seinen Wein probiert. Und das Eintrittsgeld schien die Standmiete zu finanzieren.
Nebenbei bemerkt gab es an jedem Stand Spuckkübel. Man war nicht – wie bei Whiskymessen allgemein üblich – gezwungen, schlechten Wein herunterschlucken.
Auch ich habe reagiert und mir einen chinesischen Rotwein anschließend per Versand kommen lassen.
Beim Gespräch mit einem Manager dieses Weinversenders habe ich eine tolle Sache erfahren, die ich unbedingt hier los werden muss. Ich halte sie für genial.
Dieser Versender versendet wirklich viel. Wir sind dagegen ein kleiner Fisch. Jeder Paketfahrer seines Auslieferers hat zu Weihnachten jeden Tag Pakete von ihm auf dem Wagen. Und was macht dieser Weinversender? Er schenkt jedem der 3.000 Fahrer des Lieferservices eine Flasche Champagner zu Weihnachten
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft und so kann man sicher sein, dass die Fahrer sich um die Schachteln dieses Versenders besonders kümmern.
Genial
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