The Whisky Blog

Herzlich willkommen! Dies ist ein Video-Blog in dem ich Whiskys verkoste und über Wissenswertes rund um Whisky spreche. Es lohnt sich wiederzukommen. Ich freue mich über jeden Kommentar.

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Die Karstadt-Pleite

Warum geht ein Unternehmen pleite icon_question.gif


Ohne mich zu schnell auf das politische Parkett zu begeben (das kommt noch), will ich zunächst einmal ganz betriebswirtschaftlich argumentieren.


Ein Unternehmen geht pleite, wenn über längere Zeiträume die Ausgaben die Einnahmen überschreiten. Ganz einfach. Mehr Geld raus als rein und schon ist der Laden hin.


Hätte man Karstadt mit frischem Geld retten können icon_question.gif


Ich sage jetzt einfach mal Nein. Denn schon zu Zeiten des Herrn Middlehoff sah es um Karstadt/Quelle (KQ) ziemlich mau aus. Er hat sich noch einmal Geld über den Verkauf der Immobilien besorgt. Da KQ dies aber alles in Form von Mieten wieder zurück zahlen musste, konnte dieses Unterfangen nur funktionieren, wenn man binnen weniger Jahre das Steuer massiv hätte herumreißen können. Doch das ist wohl nicht geschehen. Noch heute sind die Einkäufe von Quelle und Karstadt nicht zusammengeführt.


Betrachten wir einmal die Gewinn- und Verlustrechnung eines Handelsunternehmens. Darin kenne ich mich gut aus. Wir müssen zwischen zwei Sorten von Kosten unterscheiden. Den Kosten für die eigentliche Handelsware, mit der Geld verdient wird und den eigentlich überflüssigen Kosten für das ganze Drumherum. Dieses Geld muss mit den Verkaufserlösen zusätzlich mitverdient werden, bevor nun überhaupt Gewinn entsteht.


Die Hauptkosten liegen bei einem Unternehmen wie Karstadt beim Personal, den Mieten, der Energie und der Werbung. Bei Quelle könnte ich noch besser mitreden, da sie ein Versandhandel sind. Hier ist der Personal-, Miet- und Energieaufwand nicht so groß. Bei ihnen drückt der Schuh eher an anderer Stelle. Und das sind die Investitionen in Logistik-Technik und an erster Stelle die Ausgaben für die Werbung bzw. das Marketing. Doch beschränken wir uns auf Karstadt.


Bei den Mieten, dem Personal und der Energie haben wir es wieder mit zwei grundsätzlich unterschiedlichen Posten zu tun. Da gibt es die Ausgaben für die verkaufenden Warenhäuser und die eigentlich unproduktive Verwaltung mit ihren Sesselsitzern. Interessant wäre bei Karstadt zu erfahren, wie viel Prozent des Personals produktiv und wie viel verwaltend war. Und hier sieht man auch die Synergien bzw. Redundanzen, die der Metrochef in Sachen Verschmelzung Karstadt und Kaufhof heben will. Neben den unlukrativen Warenhäusern kann er glatt auf die gesamte Verwaltung von Karstadt verzichten und somit um 5 oder gar 10% auf einen Schlag in der Bottom Line besser werden. Klar ist, dass das Management von Karstadt im Moment gegen diese Übernahme ist. Schließlich wären auf ein Schlag die ganzen Leute in der Essener Verwaltung überflüssig. Da diese Aussage von ganz oben kommt geht es also nicht in erster Linie um den Erhalt aller Warenhäuser, sondern um den Erhalt der Verwaltung. Aha icon_exclaim.gif


Alles lässt sich in der freien Wirtschaft im Prinzip verhandeln. Am leichtesten geht es mit den Lieferanten des produktiven Materials. Hier kauft man nur, wenn die Marge stimmt. Man kann den Lieferanten hübsch unter Druck setzen. Deshalb kostet ein T-Shirt im Einkauf auch nur einen Euro. Beim Personal sind die Verhandlungsmöglichkeiten jedoch begrenzt. Das Prinzip der Besitzstandswahrung in unseren Gesetzen verhindert sehr sicher ein Absenken der Löhne und Gehälter. Wenn die Karstadtmitarbeiter bereits Zugeständnisse gemacht haben, dann war dies freiwilliger Natur. Auch langfristige Mietverträge lassen sich nicht einseitig abändern. Ganz schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, ist ein Angreifen der Altersversorgung der Mitarbeiter (Pensionszusagen). Und da Verwaltung, Gehälter und Pensionen nun überhaupt nicht einfach angreifbar waren, konnte Karstadt in den vergangenen Jahren nichts anderes tun, als die Immobilien in Mieten umzuwandeln. Das war der einzige Spielraum. Doch mit dem so 'gewonnenen' Geld bzw. Zeit hat man bzw. konnte man nichts machen. Intern zerrann sowohl die Zeit als auch das Geld und Nichts änderte sich wirklich.


Hätte der bzw. die Großaktionäre bzw. der Staat Geld zuschießen müssen icon_question.gif


Warum? Es wäre ja wieder nichts passiert. Der Wurm saß so tief in Karstadt und Quelle drinnen, dass sich wieder nichts bewegt hätte. Und da Frau Schickedanz nun schon keine Milliardärin sondern schon länger nur noch Millionärin ist, hätte ich an ihrer Stelle auch den Stecker gezogen bzw. nicht mehr Geld hinein gesteckt.


Sie musste sogar die Zahlung weiterer Mittel ablehnen, wenn der Staat das Unternehmen unter seine Fittiche genommen hätte. Denn ich kann an dem Rest meiner Hypo Real Estate Aktien sehen, dass im Falle des Einsatzes öffentlicher Mittel das Unternehmen verstaatlicht wird und nichts mehr für die Anteilseigner heraus kommt. Frau Schickedanz hatte die Wahl zwischen Teufel und Belzebub. Nicht sie hat den Laden verbockt, sondern alle Mitarbeiter miteinander. Manager, Werbetreibende und auch die Verkäufer an der Basis. Ob die einzelne Verkäuferin etwas hätte ändern können? Eher wohl nicht. Der kleine Einzelne hat nie die Chance dazu. Aber die Summe aus allen Mitarbeitern zusammen hätte per Betriebsrat und Gewerkschaften die Führung zu neuen Konzepten bewegen können. Das hätte jedoch Arbeitsplätze gekostet. Da geht man doch lieber gemeinsam unter, als den Großteil der Mitarbeiter in die Rettungsboote zu setzen. Aber soweit und so modern sind wir alle noch nicht. Hier lieben wir die Trennung zwischen den Chefs da oben und den Kleinen hier unten.


Mit dem Insolvenzantrag hat nun Karstadt die Möglichkeit, sich von nicht lukrativen Warenhäusern zu trennen; kann Mietverträge neu verhandeln; kann sich von Pensionsverpflichtungen verabschieden und so wieder wettbewerbsfähig werden. Auch wenn es hart klingt. Für den Niedergang von Karstadt genauso wie von GM sind auch die Pensionäre in gewisser Weise mitverantwortlich. Bitte verstehen sie das nicht falsch. Wenn sie jedoch den Laden in Top-Kondition der nachfolgenden Generation hinterlassen hätten, dann würden sie jetzt gute und sichere Pensionen einstreichen können. Auch die Mitarbeiter, die keine Pensionszusage (betriebliche Altersversorgung) des Unternehmens entgegen genommen haben, sondern lieber auf weniger lukrative Direktversicherungen gebaut haben, sind heute deutlich besser dran.


Denn man hat als Mitarbeiter durchaus die Wahl. Für Direktversicherungen gibt es weniger, aber dafür ist sie als Sondervermögen bei den unabhängigen Versicherungen nicht so mit Risiko belastet. Das Alles ist den Mitarbeitern in keiner Weise klar und bewusst. Da kann man dem Unternehmer noch so viel Informationspflicht und Risiko in Sachen privater Vorsorge aufs Auge drücken. Am Ende muss der Mitarbeiter entscheiden. Und die Entscheidungsfähigkeit hat er nur - ja ich schon wieder - wenn er in seiner Ausbildung/Schule mehr Wirtschaftszusammenhänge lernte. Bekommt er aber nicht. Stattdessen ist da die Gier nach höherem Ertrag über die Pensionszusage. Dumm gelaufen.


So sind letzten Endes der Mitarbeiter, genauso wie die Manager von Karstadt, die Dummen. Für Frau Schickedanz wird es immer noch reichen. Da ist sie cleverer als Herr Merkle oder Frau Schaeffler. Die letzte Chance besteht darin, einen Teil der Warenhäuser von Karstadt zusammen mit den Kaufhofs fit für die Zukunft zu machen und dann als eigenständigen Warenhauskonzern an die Börse zu bringen. Letzten Endes hätte ich mich als Mitarbeiter von Karstadt bereits vor drei Jahren, als die Immobilien verkauft wurden, auf die Socken machen müssen, um ein besseres Unternehmen zu finden. Viele werden das auch gemacht haben. Neben den Kaufhäusern stehen die Konsumtempel von H&M und den anderen.


Klingt bitter für den Einzelnen - ist aber so. Jeder Mitarbeiter kann die Verantwortung nicht auf die Regierung, die Gewerkschaften oder eine höhere Instanz delegieren, sondern muss für sich selbst entscheiden.


Überprüfen Sie deshalb Ihren Arbeitgeber. Und wenn Ihnen etwas zweifelhaft vorkommt, dann machen Sie sich auf die Suche nach einem anderen. Es gibt keine Alternative. Besonders in der heutigen Zeit nicht mehr. Wer zu langsam ist, den bestraft das Leben.

Mein Gewicht - update

Vor fast zwei Jahren habe ich hier über mein Körpergewicht öffentlich gesprochen. Und dass ich es reduzieren möchte. In der Zwischenzeit sind mir zwei Dinge dazwischen gekommen.

Zum ersten habe ich meine Größe 'mal wieder gemessen und hoppla - ich bin 2cm kleiner geworden. Das Alter lastet anscheinend auf meinen Schultern, auch wenn ich es nicht so empfinde.

Als zweites habe ich meine alte Waage gegen eine neue getauscht, da sich die alte als missweisend herausgestellt hat. Ich habe es bei einer Flugreise zum ersten Mal vermutet. Zu Hause war ich mit dem Koffer noch ganz schön weit von der Grenze weg und am Flughafen lag ich schon ganz dicht dran. Dann bin ich auf dem Nachhauseweg an der Apotheke vorbeigefahren und habe mich auf einer geeichten Waage gewogen. Und siehe da: 1,4kg zeigte die alte Waage zu wenig an.

So wird man nun nicht wirklich leichter und auch der BMI verbessert sich nicht wirklich icon_wink.gif

Meine Aktionen mit Dr. Spitzbart und Dr. Pape haben nun zu einer deutlich besseren Kontrolle meines Körpergewichts geführt. Ich kann jetzt weitaus besser einschätzen, welche Nahrung mein Gewicht auf welche Weise beeinflusst.

Mittlerweile bin ich von den damaligen 90kg (nach 98kg ursprünglich) auf 81kg herunter. Und dabei habe ich ja 1,4kg zusätzlich mit der Fehlmessung der Waage abgenommen. Mein BMI rechnet sich damit zu 23,9 kg/m2. Damit liege ich jetzt hübsch mittig im Normalbereich (22 bis 25). Hätte ich meine alte Waage behalten und hätte ich auch meine Größe nicht neu bestimmt, so läge ich heute schon bei BMI 22,8 und damit am un


[mehr]

New Spirit von Glenglassaugh

Nach Bruichladdich und Kilchoman füllt nun auch Glenglassaugh seinen frisch gebrannten New Make ohne Fassreifung ab. Der Name lautet:


The Spirit Drink

that dare not speak its name


Da hat wohl jemand zu viel Harry Potter gelesen ... icon_wink.gif


Die Flasche ähnelt in seiner Form der gedrungenen, bauchigen Bruichladdich-Flasche für die Whiskys - nicht für den X4.


Abgefüllt wird der New Make mit 50 Vol.%. Man hat bei Glenglassaugh wohl richtig Großes mit diesem Spirit vor. Immerhin hat man beim ersten Destillationslauf 1.479 Liter mit 69 Vol.% aus der Spirit Still aufgefangen und abgefüllt. Das sollten 2.915 0,7 Liter Flaschen @50% ergeben haben. Doch es war vom wash der einen Mash Tun Charge noch mehr übrig. Und so wurden am 23. März 2009 insgesamt 8.160 Flaschen New Spirit erzeugt.


Der Spirit wird auch in den kommenden Wochen bei uns eintreffen.

Pressemeldung BSI (Auszug)

 

"BSI"
Spirituosenbranche sieht in der gesamtwirtschaftlichen Krise

auch Chancen im Jahr 2009:


Bonn (BSI) – Aufgrund der Orientierung an den

Verbraucherbedürfnissen hat die Spirituosenbranche das Jahr 2008 auf

dem Umsatzniveau des Vorjahres abgeschlossen - dies bei

durchschnittlich stagnierenden bis rückläufigen Absätzen. Der

durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch an Spirituosen reduzierte sich

2008 gegenüber 2007 um 0,1 Liter bzw. um 1,8 Prozent auf rund

5,5 Liter Ware. Der Anteil des Pro-Kopf-Konsums an Spirituosen -

bezogen auf den Konsum aller alkoholhaltigen Getränke - lag bei rund

3,9 Prozent. Auf dem deutschen Markt wurden 2008 rund

718 Millionen Flaschen à 0,7 Liter angeboten. Damit ist der deutsche

Spirituosenmarkt im Ländervergleich weiterhin der größte Markt

innerhalb der EU.


67 Prozent aller Haushalte kauften im Jahr 2008 mindestens einmal

Spirituosen ein.


„Reale Zuwächse verzeichnet die Spirituosenbranche derzeit kaum.

Dennoch sind Spirituosen für den Handel und die Gastronomie ein

wichtiger Umsatzträger und werden auch weiterhin eine attraktive

Warengruppe mit stabiler Wertschöpfung für alle Distributionsschienen

bleiben“, erklärt der BSI-Präsident, Dr. Erlfried Baatz, zu den aktuellen

Marktgegebenheiten.


Entwicklung im Lebensmittel-Einzelhandel (LEH)

Nach Analysen der Marktforschung Information Resources GmbH

(IRI) fiel der Absatz an Spirituosen im LEH mit rund 429 Millionen

Flaschen à 0,7 Liter um 2 Millionen Flaschen (bzw. um 0,5 Prozent)

geringer als im Vorjahr aus. Rund 65 Prozent des Gesamtabsatzes mit

Spirituosen erfolgen über den LEH (exklusive Aldi).


Auch im Jahr 2008 setzte sich die unterschiedliche Entwicklung bei den

Segmenten für Spirituosen fort: Die größten Marktanteile verbuchten

mengenmäßig weiterhin die „klaren Spirituosen“ (38,0 Prozent) sowie

Liköre (26,6 Prozent) und Weinbrände (16,3 Prozent). Zu den

Gewinnern 2008 zählten - nach Analyse der vorgenannten

Marktforschung - u. a. weiterhin: Wodka, Whisk(e)ys, Ouzo, Liköre,

Aquavit, Sambuca, Weinbrand, Enzian, Klarer, Softspirituosen, etc. Das

Umsatzvolumen lag im Jahr 2008 - mit einem Plus im

Vorjahresvergleich von 1,4 Prozent - bei rund 3,0 Milliarden Euro im

LEH. Das sind rund 30 Prozent des Umsatzes aller alkoholhaltigen

Getränke im LEH.



Die beiden für mich interessantesten Aussagen in dieser Pressemeldung sind diese:


Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch an Spirituosen reduzierte

sich 2008 gegenüber 2007 um 0,1 Liter bzw. um 1,8 Prozent

auf rund 5,5 Liter Ware.


Mal wieder geht der Spirituosenverbrauch in Deutschland uhrwerkgleich zurück.


Und:


Zu den Gewinnern 2008 zählten – nach Analyse der vorgenannten

Marktforschung – u. a. weiterhin: Wodka, Whisk(e)ys,

[...]

Das Umsatzvolumen lag im Jahr 2008 – mit einem Plus im

Vorjahresvergleich von 1,4 Prozent – bei rund 3,0 Milliarden Euro im LEH.


Whisky bleibt nach wie vor ein Wachstumsmarkt!


Und icon_exclaim.gif


Wenn der Absatz um 1,8% sinkt und der Umsatz um 1,4% steigt, dann müssen folglich die Preise erhöht worden sein. Stellt sich letzten Endes die Frage: Mussten die Preise erhöht werden, weil die Nachfrage zurück ging oder ging die Nachfrage zurück, weil die Preise angehoben wurden?


Für Whisky gilt scheinbar, dass die Preise angehoben werden konnten und Whisky nach wie vor ein Wachstumsmarkt ist.


Gruß

Horst Lüning

Denkmalschutz

Haben sie schon einmal etwas mit dem Denkmalschutz zu tun gehabt? Ich glücklicherweise noch nicht. Doch die Einschläge kommen näher. Ein Nachbarhaus meiner entfernten Verwandtschaft wurde unter Denkmalschutz gestellt. Zudem war es für unbewohnbar erklärt worden. Es dauerte viele Jahre, bis sich die Eigentümer und der Denkmalschutz auf die Verteilung der Kosten bei der Renovierung geeinigt hatten. Es ist ja klar, wenn ihnen Jemand die Freiheit mit ihrem Hab und Gut anstellen zu können was sie wollen nimmt, dann muss er auch dafür finanziell aufkommen.


So auch in unserem Nachbarort, einer ehemaligen Kreisstadt. Dort stand ein großes, altes vergammeltes Wirtshaus. Weder schön, noch sonderlich alt. Mitten in der Stadt an der belebtesten Kreuzung zweier Durchgangsstraßen. Eine Bürgerinitiative für Denkmalschutz wollte es unbedingt erhalten und der Eigentümer wollte es abreißen. Auch die Stadt hatte ihre Wünsche für diesen Fleck. Beim Neubau sollten Parkplätze, Straßenfront, Bebauungsplan, usw. usf. nach ihren Wünschen ausgerichtet werden. Der Zank zwischen den drei Parteien ging über Jahre. Jeder gegen jeden. Dann auf einmal kamen Bagger und rissen das Haus in einem Tag nieder. Ein Vierter, das Landratsamt, hatte die Abrissgenehmigung erteilt und der Grundstückseigentümer stellte mit noch feuchtem Stempel die Stadt und die Bürgerinitiative vor vollendete Tatsachen.


Heute liegt das Grundstück seit vielen Jahren brach und der Eigentümer hat wegen der hohen kommunalen Auflagen keine Lust mehr zu bauen. Vielleicht nicht die schlechteste Lösung. Die Fläche wird als Parkplatz verwendet und die Kreuzung ist deutlich lichter, freundlicher und leiser geworden. Das Denkmalschutz-Team zog weiter und suchte sich ein anderes Betätigungsfeld. Nun soll der Bahnhof - eine Hässlichkeit aus den späten Dreißigerjahren - geschützt werden.


Auch in Seeshaupt hat der Denkmalschutz seit ich hier wohne 'gewirkt'. Einmal hat er es geschafft und ein zweites Mal hat er aktuell eine Niederlage erlitten. In allen diesen Fällen schlägt mein Herz unbeirrt weiter. Ich hatte keine heißen Eisen in diesen Diskussionen.


Allerdings habe ich mir grundsätzliche Gedanken dazu gemacht. Wenn der Denkmalschutz tatsächlich so weitermachen darf wie bisher, dann kommt der Tag, an dem jedes Gebäude in unserem Land bzw. auf unserem Planeten dem Denkmalschutz unterliegt. Denn eines ist ja auch sicher - ein einmal unter Denkmalschutz gestelltes Gebäude wird diesen Schutz nie wieder los. Selbst wenn es abbrennt. Dann baut man es über kurz oder lang originalgetreu wieder auf. Die Anzahl an Bauten und Grundstücken ist endlich und damit muss der Prozentsatz an geschützten Bauten irgendwann in ferner, ferner Zukunft einmal 100% erreichen. Es sei denn - man schaffte den Denkmalschutz ab.


Das bedingt ein paar Konsequenzen. Zum ersten können diese Gebäude nie ordentlich modernisiert werden. Energetisch sinnvolle Dämmungen auf der Fassade sind genauso wenig drin, wie die Anbringung von thermischen Solarkollektoren für Warmwasser auf dem Dach. Das macht den Unterhalt dieser Objekte durch steigende Energiepreise von Jahr zu Jahr teurer. Zum Zweiten steigt die Abgabenlast der unbeteiligten Bevölkerung, da antike Gebäude im Erhalt immer teurer ausfallen, als technisch moderne Einheiten.


Über Pfingsten besichtigte ich das Keramikmuseum in Selb in der Oberpfalz. Auch sie residieren in einem denkmalgeschützten Gebäude. Sie jammern aber nicht über die Kosten, da Stiftungen und Träger alles bezahlen. Nein sie jammern, dass sie noch nicht einmal im Hof das üble, alte Kopfsteinpflaster in einem Wegbereich glätten dürfen, damit gehbehinderte Personen das Museum auch besuchen können.


Wie viel Denkmalschutz wollen und können wir uns leisten icon_question.gif


Das Problem liegt in der absoluten Konservativität des Denkmalschutzes. Wenn einmal die Finger auf einem Objekt liegen, dann geht nie wieder etwas. Alles wird exakt für viel Geld konserviert, wie es einmal war. Ohne Rücksicht auf Verluste.


Doch Denkmalschutz lässt sich auch sinngemäß auf andere Dinge übertragen. Am selben Wochenende bin ich 'mal wieder auf einen Berg gestiegen. Diesmal war es der Große Arber im Bayerischen Wald. Eine gute Stunde braucht man, um von unten bis ganz oben zu steigen. Und eine Seilbahn gibt es für die Fußkranken auch. Die Gipfelregion ist besonders geschützt und unter Naturschutz gestellt. Doch warum? Vor knapp 100 Jahren ließ man auf dem Gipfelplateau Rinder weiden, die dort die gesamte Vegetation platt machten und eine schützenswerte Magerwiese erschufen. Heute liegt die Baumgrenze rund 50m unterhalb des Gipfels, obwohl sich die heimische Fichte den Gipfel dieses 'nur' 1456m hohen Berges ruck zuck zurück erobern würde. In 30 Jahren wäre alles vorbei.


Doch der Mensch schickt mittlerweile Schafe auf diesen Hügel, um die sich mittlerweile angesiedelte Artenvielfalt, die sich in einem Nadelwald nie halten würde, zu erhalten.


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Komme nur ich mir hier 'verar...t' vor? Wer entscheidet, was schützenswert ist und was nicht? Erheben sich hier ein paar Supergescheite über die Natur und vielleicht den Willen des Volkes? Oder verschaffen sich diese hochoffiziellen Bremser nur ihr eigenes Auskommen?


Natürlich bin ich dafür, dass wir Flächen der Natur selbst überlassen und dass wir wichtige Gebäude in unserer Jahrtausende alten Geschichte auf Kosten der Allgemeinheit erhalten. Die Fragen lauten nur:


Wer entscheidet darüber, wie viele werden es und wer zahlt dafür icon_question.gif


Lässt sich dieses Thema auf unseren Whisky übertragen?


Auf jeden Fall. Zum einen gibt es auch denkmalgeschützte Gebäude in den Brennereien, die die Produktion unseres Whiskys einseitig verteuern und zum zweiten gibt es Gesetze und Verordnungen, die die Anforderungen an Whisky und im Speziellen Single Malt Whisky festschreiben. Doch anstatt dieses Regelwerk auf immer festzuschreiben zeigt sich die Scotch Whisky Association (SWA) deutlich flexibler. Zwar pfiff man Abweichler beim Pure/Single Disput wieder zurück. Doch die Kohlefeuerung wurde aus Kostengründen genauso aufgegeben wie die alte Art des Mälzens von Hand. Heute ist der Gesetzgeber dahinter her, dass Umweltschutz und Arbeitssicherheit auf dem neuesten Stand der Technik gehalten werden.


Meine Meinung in dieser Sache? Zumindest moderner Umweltschutz, rationelles Kostenbewusstsein und das AGG mit barrierefreien Bauen sollte auch auf denkmalgeschützte Gebäude angewendet werden.


Und wie viel 'konservierenden Umweltschutz' wollen wir uns leisten? Auf welchem Stand wollen wir unsere Natur 'einfrieren'? Vor 100 Jahren (wie auf dem Großen Arber)? Vor 1.000 Jahren (mit geringerem CO2)? Vor 10.000 Jahren indem wir die Mammuts wieder klonen, die wir ausgerottet haben? Vor 100.000 Jahren, als es uns hier in Europa eigentlich noch gar nicht gab?


Die Welt lebt und verändert sich damit. Auch wir Menschen verändern die Welt. Nichts wird auf immer so sein, wie es war. Das sollten wir langsam gelernt haben.

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