The Whisky Blog

Herzlich willkommen! Dies ist ein Video-Blog in dem ich Whiskys verkoste und über Wissenswertes rund um Whisky spreche. Es lohnt sich wiederzukommen. Ich freue mich über jeden Kommentar.

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Die liebe Gier - diesmal mit Abmahnung - Teil 2

Teil 1


Wenn man schon einmal ein paar Abmahnungen erhalten hat, dann geht man viel gelassener mit diesen Papieren um. Meine Frau hat vermutlich schon zwei Dutzend dieser Papiere erhalten. Und ich kann Ihnen sagen, weniger als eine Handvoll war stichhaltig und wurden von ihr auch unterschrieben. Und das auch nur mit Protest. Man kann da Dinge streichen, Veränderungen vornehmen, usw.


Es gibt zwei Möglichkeiten:


1. Man ignoriert die Abmahnung. Wenn man nichts unterschreibt, dann muss man auch nichts bezahlen und man muss sein Handeln nicht ändern. So etwas bietet sich oft an, da häufig vom Abmahnenden schlecht recherchiert wird.


2. Man unterschreibt die Abmahnung und überweist die Kostennote von ein paar Hundertern bis zu ein paar Tausendern. Wenn man etwas falsch gemacht hat, dann muss man dafür grade stehen und man tut es halt nicht wieder. Dass man dafür eine Strafe zahlt, ist richtig. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Aber nach einer unterschriebenen Abmahnung (bzw. der zugehörigen Unterlassungserklärung) werden erneute Vergehen wegen der Unterschrift richtig teuer. Wenn man sich also entschließt etwas zu unterschreiben, dann muss man auch intern sicher stellen, dass man - oder die Mitarbeiter - so etwas nicht wieder tun.


Wenn man nach Pkt. 1 vorgeht, dann muss man aber auch darauf gefasst sein, dass man per gerichtlicher Einstweiliger Verfügung in seinem Handeln gestoppt wird. Aber wenn man Jemanden stoppt, dann ist man auch schadenersatzpflichtig, wenn dies zu Unrecht erfolgte. Das die Verfügung ausstellende Gericht übernimmt diesen Schaden nämlich nicht. Das Vorgehen nach Pkt. 1 - genauso wie die Antwort darauf - will also gekonnt sein.


Das Leben ist aber nicht so schwarz-weiß, wie diese beiden Punkte den Anschein geben. Es ist vielmehr grau oder oftmals auch bunt icon_smile.gif


Es gibt zwei Zwischenlösungen. Nennen wir Sie 1a und 1b.


1a) Sie formulieren einen netten Brief an den die Abmahnung ausstellenden Rechtsanwalt, in dem sie stichhaltig die Abmahnung entkräften. Dann nehmen Sie diesen Brief und die Abmahnung im Original, stecken sie in einem Umschlag und schicken alles zu ihrer Entlastung zurück. Damit kann der Rechtsanwalt intern seinen Ruf wahren. Es entsteht keine Akte, die er abarbeiten muss oder die ein anderer sieht. Er kann alles in die Tonne treten und gut ist's.


1b) Sie rufen den Rechtsanwalt an und legen ihm die Sache dar. Wichtig dabei ist, dass sie unabdingbar fest in ihrer Meinung sind, dass sie die Abmahnung nicht unterschreiben werden. Das muss ihr Gegenüber in seinem Bauch spüren. Und er muss verstehen, dass eine Einstweilige Verfügung auf jeden Fall zu einem Rechtsstreit führt, den er auch verlieren kann - ganz böse für ihn und seinen Klienten. Der daraus resultierende Schadenersatz kann richtig teuer werden. Hat man den Rechtsanwalt erst einmal soweit, dann können Sie mit 1a) die Sache zu Ende bringen.


Wichtig dabei ist, dass Sie wirklich - na ja ziemlich - recht haben. Wie gesagt, die Welt ist nicht schwarz-weiß. Und in unserem Fall gehörte dazu, dass die Flaschen tatsächlich verfügbar und mehr als zwei Monate im Angebot waren. Wichtig ist auch, dass Sie im Internet nicht den Auftrag bestätigen, sondern nur den Eingang der Bestellung. Und letztendlich ist meine Frau keine Monopolisten und somit nicht zur Lieferung verpflichtet, besonders wenn Lieferrisiken an besondere Adressen damit verbunden sind. Und Alkohol über Grenzen? Das hat nun gar nichts mit Benachteiligung von EU-Mitbürgern zu tun. Hier haben die Finanzminister der EU-Mitgliedsstaaten höchst eigene Interessen (Ich sach' nur: I love Cash).

www.i-love-cash.de/html/index.php


Die härteste Vorgehensweise, die ich hier nur am Rande anfügen möchte, ist etwas für ganz 'Spezielle'. Man kann gegen eine Abmahnung eine negative Feststellungsklage erheben und den Abmahnenden in Retour verklagen. Das hat seinen Reiz. Wenn die Abmahnung offensichtlich nicht stichhaltig ist, dann bietet sich dieser Weg geradezu an. Man setzt einen sehr hohen Streitwert von einer Million an - damit die Gerichtsgebühren ordentlich teuer werden - und strebt die negative Feststellung mit seiner Klage an. Die so ganz heftig ausfallenden Gebühren muss derjenige zahlen, in dessen Auftrag die Abmahnung erfolgte. Auf diesen Bumerangeffekt sind die Wenigsten Stinkstiefel vorbereitet.


Oft wird öffentlich gefordert, dass die erste Abmahnung kostenfrei erfolgen sollte. Das war früher auch meine Meinung. Doch das hat sich mit dem immer tiefer werdenden Einblick in die Materie geändert. Der ersten kostenfreien Abmahnung stimme ich seit geraumer Zeit nicht mehr zu.


Das ist zu kurz gedacht. Viele Rechtsanwälte machen bei diesen Abmahnungen einen guten Job. Auf jeden Fall agieren rechtschaffende Anwälte nicht von sich aus, sondern im Auftrag eines Klienten. Und wenn die Abmahnung nicht zu Stande kommt, dann sind trotzdem Kosten entstanden, die bezahlt werden müssen. Und eben hier schlägt die tolle, schnell veranlasste Abmahnung, ins Gegenteil um. Entweder der die Abmahnung Auslösende bezahlt, oder er macht sich bei eben diesem Anwalt unglaubwürdig.


Es sollen auch schon Prozesse zur Eintreibung von fälligen Gebühren an die Auslösenden geführt worden sein icon_smile.gif


Und wie ist die Sache im speziellen Fall ausgegangen icon_question.gif


1b) sage ich nur.

Die liebe Gier - diesmal mit Abmahnung - Teil 1

Meine Frau liefert ja seit 2005 nicht mehr in andere Staaten als Deutschland. Die hohen um 400% gestiegenen Paketgebühren rentieren sich für die Bewohner der benachbarten Länder nicht mehr. Und anstatt nun nur noch vereinzelte Kunden in Europa zu beliefern, hat sie sich im Versand auf Deutschland beschränkt. Das reduziert Fixkosten bei den eingesparten Arbeitsprozessen für andere Staaten und begrenzt die Preissteigerungen für sie als deutsche Kunden.


Nur Vorteile icon_question.gif


Nee icon_exclaim.gif Einige ehemalige Kunden aus den benachbarten Staaten sind sauer, da sie einer sehr komfortablen Whiskyquelle beraubt wurden. Und das hängen sie meiner Frau persönlich an.


Vor Weihnachten versuchte ein ganz besonders Schlauer eine Bestellung von relativ seltenen Sammlerflaschen in unserem Internet-Shop über eine Grenze hinweg. Es musste nicht nur eine sein - Nein gleich zwei mussten von dieser seltenen Sorte her.


Und wenn man sich bei uns im Shop anmeldet, dann kann man gleich neben der PLZ und dem Ort den Zusatz Nur Deutschland stehen sehen. Prompt schickte er eine E-Mail hinterher, dass wir das zu ändern hätten.


icon_question.gif


Anstatt das einfach nur zu ignorieren, war meine Frau so zuvorkommend und gab dem Herren noch Bescheid, dass das mit der Lieferung ins Ausland nichts würde. Er sah das nun überhaupt nicht ein und wollte mit dem Kopf durch die Wand. Selbst war der Herr Rechtsanwalt und Chef-Syndikus eines großen Finanzkonzerns. Hätte er es wissen sollen, dass man da nichts machen kann? Ein schlechter Nachgeschmack auf diesen Konzern - ob dieses Chefs der Rechtsabteilung - verbleibt da schon ...


Also suchten wir ihm in seinem Land eine Bezugsquelle für den doch relativ seltenen Whisky und nannten sie ihm. In Retour erhielten wir von dem besagten Herren eine E-Mail zurück, dass er dort nicht mehr beliefert würde ... icon_question.gif


Das hätte uns stutzig machen müssen.


Er versuchte dann noch eine Lieferung an eine deutsche Klinik für psychosomatische Krankheiten im Grenzgebiet bei uns aufzusetzen. Er kannte dort wohl jemanden. Mal Hand aufs Herz - würden Sie Alkoholika oder Whisky an eine Risikoadresse schicken, wo psychosomatisch Kranke behandelt werden?

(Ergänzung 4.4.08: Wer einmal ein gewisses Alter im Leben erreicht hat wie ich, der weiß, dass man an den verschiedensten Dingen schuldlos erkranken kann. Betrachten Sie meine Aussage bitte nicht als Herabwürdigung der Kranken, sondern als Hilfe bei der Genesung. Alkohol ist eigentlich nie ein Helfer in der Not. Und wer kann sicher stellen, dass ein Paket - versendet an eine öffentliche Adresse - immer in die richtigen Hände kommt?)


Das Ganze zog sich viele Wochen hin und es kam, wie es kommen musste. Die Flaschen waren vergriffen.


In Folge bekamen wir nun ein recht ultimatives Schreiben geschickt. Die Vorwürfe darin: Benachteiligung europäischer Mitbürger, Anbieten von nicht verfügbarer Ware, Nichtversand zugesagter Ware, usw.


Und siehe da, ein paar Wochen später flatterte uns eine Abmahnung ins Haus, die eben diese Dinge zum Inhalt hatte.


Wie man mit einer solchen Abmahnung umgeht erfahren Sie morgen hier im Teil 2.

Es gibt einen neuen Leader

Am 31.3.2008 gab es ein heftiges Beben in der Spirituosenindustrie. Es kam nicht ganz unerwartet, auch wenn man den genauen Zeitpunkt eines Bebens nie vorhersehen kann. Doch die Vorbeben waren in den letzten Jahren deutlich spürbar.


Es begann mit der Übernahme von Seagram's durch Pernod Ricard. Zahlreiche Whiskymarken wechselten damals bei der Zerschlagung des ehemals größten aber angeschlagenen kanadischen Spirituosenkonzerns der Welt Seagram's zu dem französischen Aufsteiger. Unter diesen Whiskymarken befanden sich so große Namen wie Chivas & Glenlivet sowie Glen Grant.


Das zweite Beben trat bald danach auf. Allied Domecq, bis dahin der zweitgrößte Alkoholkonzern der Welt, wurde zwischen dem damals größten Diageo und wiederum Pernod Ricard aufgeteilt. Der damalige Chef von Allied empfahl nach einer harten Sanierungszeit seinen Aktionären, sich von Pernod Ricard übernehmen zu lassen. So wäre am meisten für sie drin. Kein krampfhaftes Festhalten an alten Zöpfen, kein Versuch selbst durch Übernahmen zu wachsen. Nein, man gab sich dem aufsteigenden Stern der Franzosen hemmungslos hin.


Jetzt hat es Pernod Ricard entgültig geschafft. Mit der Übernahme der schwedischen Vin & Spirit und ihrer Hauptmarken Absolut Wodka und Aquavit hat Pernod zum bisherigen Branchenprimus Diageo aufgeschlossen und bezeichnet sich selbst als Co-Leader (zu Diageo) im globalen Reigen der Alkohol- und Spirituosenproduzenten.


Durch den hohen Spirituosenanteil (Wodka, Aquavit, Rum) im Neuerwerb von V&S hat es Pernod Ricard bei den Spirituosen tatsächlich auf Platz 1 der Weltrangliste geschafft. Mehr als 1 Milliarde 0,75 Liter Flaschen werden von Pernod Ricard und V&S pro Jahr gemeinsam verkauft.


Und wie viel Geld hat man für diese Spitzenposition bezahlt? Es waren 5,6 Mrd. Euro. Peanuts gegenüber dem Defizit so mancher staatlichen Bank ... icon_wink.gif Knapp 400 Millionen Euro davon waren übernommene Schulden des schwedischen Staats, der der Mehrheitsaktionär bei dem schwedischen Wodkahersteller war. So kann man einen Staatshaushalt auch sanieren icon_smile.gif


Mit der amerikanischen Fortune Brands (Hauptmarke Jim Beam) gab es einen großen Konkurrenten, der die Vertriebsrechte für Absolut Wodka in den USA hält. Schon bei früheren Einkaufstouren hatte sich Fortune Brands auf Spirituosen- und Weinmarken konzentriert. So ging bei der Zerschlagung von Allied die berühmte Marke Laphroaig bereits an die Amerikaner.


Diesmal hat es für Fortune Brands nicht gereicht, obwohl der Wodka wundervoll wegen der US-Vertriebsrechte ins eigene Portfolio gepasst hätte. Seit der Bietprozess um V&S eröffnet wurde ging die Presse sogar von 6 Mrd. Euro für die Übernahme aus. Doch Fortune Brands hielt sich beim Bieten zurück und so konnten die Franzosen den Zuschlag erhalten.


Über die wahren Gründe des Verzichts der Amerikaner lassen sich nur Vermutungen anstellen. Offiziell wird von der 'Beachtung der Interessen der Aktionäre' gesprochen. Aber gleich danach spricht man über den Einfluss der Währungen. Und hier vermute ich selbst das große Problem der Amerikaner. Die Schwedenkrone hängt mit ihrem Wechselkurs ganz fest am Euro. Und der Dollar verlor in den vergangenen Jahren stetig zum Euro an Wert. Damit wurde V&S mit jedem Tag für Fortune Brands teurer. Bis sie nun in diesem Rennen die Segel strichen.


Doch auch andersherum ist für Pernod jetzt nicht das große Feiern angesagt. Mit jedem Tag verdienen sie mit ihrem Absolut Wodka in USA weniger Euros, da die Amerikaner ihren Wodka natürlich in US-Dollars bezahlen.


Wer hat am Ende gewonnen? Pernod, Fortune Brands der Wodka-Trinker oder gar der schwedische Staat? Wer weiß das schon so genau. Die Zukunft wird es uns zeigen.


Pernod verlor nach der Bekanntgabe an der Frankfurter Börse jedoch 7%. Die hohen, kommenden Ausgaben werfen ihre Schatten voraus. Fortune Brands gewannen dagegen 10%. Business as usual.

April, April, ...

Ab sofort kostet der Black Bowmore deutschlandweit bei allen Händlern nur noch 200 Euro icon_exclaim.gif icon_exclaim.gif


icon_wink.gif Kleiner Scherz - Am 1. April schickt man seinen Nächsten in der Regel in den April. icon_wink.gif


Erinnern Sie sich?

www.forum.thewhiskystore.de/viewtopic.php


„Hättest Du den Brief nicht aufgemacht,

so würdest Du auch nicht ausgelacht.“


Wer ist noch nicht in den April geschickt worden?


Wissen Sie überhaupt, wann dieses 'In den April schicken' das erste Mal schriftlich erwähnt wird? Und wo es seine Ursprünge hat?


Das erste Mal wird es 1618 hier in Bayern erwähnt und die Ursprünge? Die Vermutungen sind vielfältig.


Sie gehen vom trügerischen Aprilwetter über das Herumschicken Jesu Christi "von Pontius zu Pilatus" am Tag seiner Verurteilung, der ein 1. April gewesen sein soll, bis hin zu den Überresten eines Frühlingsbrauches wie die Fastnacht.


Besonders hinweisen möchte ich auf den folgenden Artikel von Dr. theol. Manfred Becker-Huberti aus Köln, den ich voller Interesse sogar bis zum langen Ende durchgelesen habe.


www.religioeses-brauchtum.de/sommer/aprilscherz.html

Die Malt Whisky Fans - Teil 2

Wie ich in dem Beitrag von Freitag anführte, werde ich heute ein paar Worte an die vermeintliche Konkurrenz (die keine ist) richten.


Haben Sie sich gewundert, warum meine Frau in der Vergangenheit so stark wachsen konnte? Glück gehabt? Reich geerbt? Killerinstinkte? Einfach besser oder mehr bzw. länger gearbeitet? Oder weniger selbst getrunken icon_wink.gif


So einfach ist es nicht. Meine Frau hat im eigenen Keller mit 11 Kisten Whisky, ganz ohne Mitarbeiter bereits 1993 angefangen und ist aus eigenen Mitteln bis auf 10 Vollzeitmitarbeiter heute gewachsen.


Nein - der Grund reicht viel tiefer und ist strategischer. Während die ganze Szene sich regelmäßig auf Messen trifft und dort miteinander feuchtfröhlich feiert, hat meine Frau im stillen Kämmerlein hart gearbeitet. Ich will den Erfolg anderer wirklich nicht schmälern. Aber während der eine oder andere regelmäßig auf jeder Whiskymesse hinter seinen 100 angebrochenen Flaschen steht, macht meine Frau etwas ganz anderes.


Wer damit - wie unser whiskykanzler - zufrieden ist, um so besser. Die, die aber über meine Frau regelmäßig Schlachtgesänge anstimmen, an die sei hier das Wort gerichtet.


Auf den üblichen Whiskymessen sind immer auszugsweise die üblichen 10.000 Verdächtigen (Die Zahl stammt aus dem Teil 1) anzutreffen. Einmal probieren sie hier - ein zweites Mal dort. Jeder von den Standbesatzungen ist froh, wenn einer probiert und - Volltreffer - auch noch eine Flasche dazu kauft. Doch eines ist auch klar: Die untereinander befreundete und sich mindestens respektierende Händlerschaft (manche unter ihnen können sich jedoch auf den Tod nicht leiden) versucht sich gegenseitig die Kunden wegzuschnappen. Denn mehr als 20 Proben kann man an einem Messetag beim besten Willen nicht probieren und mit mehr als 2 oder 3 Flaschen sieht man selten einen Messebesucher von dannen ziehen. Und neuerdings - welch 'Schande' - tauscht ein harter Kern von ein paar Dutzend Maltheads sogar privat Proben auf diesen Messen. Das mag dem einen oder anderen Händler und den Messebetreibern nicht recht sein - aber das Web 2.0 transportiert handfeste Vorteile bis tief in die Bevölkerung hinein.


Kundenpflege icon_exclaim.gif Das ist das, was auf den Messen gemacht wird. Das ist wichtig! Überaus wichtig!! Die Konsumenten, die hier mitlesen, freuen sich riesig über das große Angebot auf den Messen und danken es Ihnen mit regelmäßigen Besuchen und Einkäufen. Es tauscht vor Ort aber auch eigene Proben und hilft damit mit, dass einige Dutzend Flaschen sich auf den Ständen nie leeren. Transparenz!


Meine Frau hat sich jedoch etwas ganz anderes vorgenommen. Sie will sich nicht um die Maltsheads (nicht negativ gemeint) mit anderen Händlern streiten - sofern man das überhaupt kann. Die Vorlieben und Abneigungen der eng umrissenen Gruppe der 10.000 Maltheads lassen sich nur wenig in die eine oder andere Richtung verschieben. Ein Teil kauft bei ihr - andere dagegen bestimmt nicht. So ist das nun einmal im Leben. Es ist wie bei den Händlern auch. Ein paar sehen das alles ganz locker und andere sind schwer verbissen am kämpfen und sehen nicht nur meine Frau als rotes Tuch an.


Meine Frau hat sich stattdessen vorgenommen, unter der großen 250.000-köpfigen Malt Whisky Gemeinde (Zahl wieder aus Teil 1) echte Neukunden zu gewinnen, die andere Händler nicht haben. Das ist wie hier im Forum. Die 1.000 kommunikativen User haben ihre Vorlieben, die sich wenig beeinflussen lassen. Die vielfach so großen stillen Leserzahlen sind die, die den Erfolg dieses Forums ausmachen.


Und dann gibt es noch die nach vielen Hunderttausenden zählende Gruppe der Glenfiddich- und Glen Grant-Trinker aus dem Supermarkt. Wenn man hier Neukunden gewinnen kann und sie vom Trinker zum Genießer macht, dann gehören sie einem für ein paar Jahre selbst und man muss sich nicht auf Messen um die letzten 100 unentschlossenen Maltheads bemühen. Im Zweifelsfall teilt dieser letzte unentschlossene Malthead seine Bestellungen nur unter mehreren Händlern auf. Das erhöht die Kosten und senkt das beim Händler übrig bleibende Geld.


Der Tipp an die vielen Dutzend engagierten Händler lautet deshalb: Kümmern Sie sich in Zukunft vermehrt um eigene, exklusive Kunden. Machen Sie etwas, bei dem Sie nicht mit anderen Händlern konkurrieren. Machen Sie etwas für sich selbst bzw. für Ihre eigenen Kunden. Gewinnen Sie eigene Kunden, die Ihnen treu bleiben. Und laden Sie sie nicht in Busse ein und karren Sie sie nicht auf die nächste Messe - Sie würden sie in die Höhle des Löwen mitnehmen und ihrer gesamten Konkurrenz aussetzen. Sinkende Einkäufe wären bei Ihnen die Folge. (Diese Busse konnte man früher tatsächlich an den Messen sehen. Man hat aber dazu gelernt.)


Und dies ist mein Appell an die Branche. Wenn Sie den großen Supermarktketten mit den großen Whisky Marken die Kunden abwerben können, dann tun Sie etwas für sich, Ihre Zukunft und letzten Endes auch für unsere kleine Branche.


Warum auch die Branche? Jeder 20. frisch angezogene Neukunde entwickelt sich zu einem Malthead. Und der geht dann irgendwann auch auf Messen und teilt seine Bestellungen auf alle Händler auf. Auch meine Frau verliert Kunden. Das ist nun einmal so. Reisende kann man nicht aufhalten.


Nehmen wir einmal an, auf eine große Messe kommen 3.000 Besucher, von denen 5% Neu-Maltheads sind. Diese 150 Neukunden teilen sich dann auf ein paar Dutzend Händler auf. Es geht damit bei jedem Händler nur um eine Handvoll bzw. Promille Neukunden.


Am meisten freue ich mich dagegen, wenn ich mit einer neuen Werbeaktion einen Blended Scotch oder Wodka Trinker zu einem in moderaten Dosen verkostenden Malt Whisky Genießer bekehren kann. Oder wenn man einen Bier- und Weintrinker auf Wasser und Premium Whisky umstellt. Dann kommt unsere gesamte Branche weiter. Zunächst meine Frau und später dann über die 5% Maltheads auch alle anderen. In Premium Whisky steckt so viel mehr drin, als in aromatisiertem Wodka oder einfachen Blends. Das gilt es Branchenfremden zu vermitteln.


Sich gegenseitig Kunden abjagen zu wollen, ist zum Scheitern verurteilt icon_exclaim.gif Sie erhöhen nur die Kosten und berauben sich der finanziellen Flexibilität für eine wirkliche Neukunden-Akquise. Denn die Anzahl an Kunden, die Sie auf der Messe neu gewinnen, verlieren Sie in Ihrer eigenen Basis im selben Moment wieder an die Konkurrenz. So ist das Leben.


Und damit sollten Sie als vermeintlich konkurrierender Händler meine Frau als solche nicht sehen. Es geht nicht darum, einen vorgegebenen Kuchen untereinander aufzuteilen, sondern viele, viele, neue Kuchen zu backen. Dann ist genug für alle da.


In Frankreich, Italien und Großbritannien genießen sechsmal so viele Menschen Whisky wie bei uns. Und das bei - naja - halbwegs vergleichbaren, jährlichen Alkoholkonsumzahlen pro Kopf wie in Deutschland. Das Potenzial ist damit ganz sicher bei uns vorhanden und wächst durch die starke Reisetätigkeit während der Globalisierung auch in Deutschland. Man kann dieses Potenzial mit etwas eigenem Gehirnschmalz sehr gut erschließen.


Habe ich jetzt ein Geheimnis verraten icon_question.gif Habe ich meiner Frau damit geschadet icon_question.gif


Nicht wirklich - es gibt einige Händler, die sich genau so ihre eigene Stammkundschaft erobern. Nur die, die öfter einmal über meine Frau schimpfen, haben halt den Markt und seine Entwicklung nicht wirklich verstanden.


Und das so üble Internet? Wo die Konkurrenz nur einen Mausklick entfernt ist? Wo Kunden die kleinsten Preisunterschiede ausnutzen? Auch hier gibt es virtuelle Plätze, die den realen Messen entsprechen. Hüten Sie sich vor Portalen, wo Sie sich Seite an Seite mit Ihrer (echten) Konkurrenz befinden. Statt Kunden an Ihre höchstpersönliche Webseite zu binden, schicken Sie jeden Ihrer Kunden direkt in die Fänge der Konkurrenz. Das muss nicht sein!


Machen Sie etwas Eigenes. Machen Sie etwas Neues statt nur zu kopieren. Ihre dann eigenen Kunden werden es Ihnen mit Treue danken.

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