Mein Besuch bei Fleischmanns oder: Wie die "Blaue Maus" die Schotten bedrohte

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  • redcorsa666
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    User redcorsa666
    Dabei seit: 08.04.2012Beiträge: 35Bewertungen: 0

    Servus,

    ich möchte euch von meinem Besuch bei Hr.Fleischmann und seiner Blauen Maus berichten.

    Natürlich fragt man sich am Anfang, was hat eine Maus, dazu noch blau, mit Whsiky zu tun? Dazu gibt es eine sehr schöne und auch sehr witzige Geschichte später. Beginnen wir mal mit der Anfahrt, die sich doch schwerer als vermutet gestaltete. Ich vermutete Schilder oder irgendwelche Hinweise zur Destillerie, ähnlich wie in Schottland, aber weit gefehlt. Keine Schilder, keine Hinweise. Nur ein Haus mit Anbau, im Haus ein Laden mit Paketservice und im Keller ein Gasthaus, ganz im Stil von Mittelmeer,Schiffen und Sehmannsgarn.
    Meer und Bayern....bitte um Entschuldigung Franken, das ist sehr aussergewöhnlich, aber mit so viel Liebe eingerichtet, dass man sofort vergisst wo man sich befindet, sobald man die Tür mit echtem Bullauge durchschreitet, den Schiffanker neben der Tür liegen lässt und in die Kajüte hinunterschreitet, wo der gefühlte gesamte Ort zufrieden einen willkommen heißt.
    Aber es geht ja um die Destillerie und da soll auch der Besuch beginnen.Gefunden habe ich die Destillerie nur anhand der blauen Maus am Eingang. Daher die blaue Maus auf dem Whisky?

    Die Tour beginnt so wie ich sie mir vorgestellt habe: ein netter Mensch mit fränkischem Dialekt empfängt mich und die Gruppe, die mich netter Weise an ihrer Führung teilnehmen lässt. Und wer nun erwartet die Fürhungsgebühr entrichten zu müssen wird enttäuscht, denn die Führung ist KOSTENLOS.
    Man merkt sofort: dieser Franke ist stolz auf sein Werk und man bekommt sofort sein "altes Handwerkszeug" gezeigt. Die Brennblasen, die ausgedient haben, aber womit brennt er dann? Von der Straße aus habe ich einen Blick erhaschen können, dass in dem unfertigen Gebäudeanbau etwas glänzt, kupfernd und nagelneu und nun weiß ich auch was, die neuen Brennblasen.
    Das was von außen so unfertig aussieht, ist innen ein Traum für jeden Besucher einer Destillerie: Brennblasen zum Anfassen, kleiner als die der Schotten, aber genau so edel und bei einem Bruchteil der Menge an hergestellten Whisky, auch absolut ausreichend.Man kann hineinschauen wie die Flüssigkeit sich bewegt und bekommt alles erklärt, wie das Destillieren funktioniert und wie die Maische zustande kommt, man kann sogar mal dran riechen. Und vor allem auch wie die verschiedenen Cuts der Whiskyproduktion riechen und aussehen.

    Es sind zwei Brennblasen und jede für sich hat seine Geschichte und welche Widrigkeiten Hr.Fleischmann überwinden mußte um alles so wie es ist zu bekommen, dass Zollamt und Eichamt sich uneinig waren, welche lustigen und vollkommen sinnlose Vorschriften es gibt und vor allem warum Slyrs nicht die einzige Destille in Bayern ist.

    Gegenüber im Raum steht eine Theke an der Mann sich zur Geschichtsstunde einfindet und von Hr.Fleischmann eine klare Flüssigkeit eingeschänkt bekommt, nicht unauffällig mit einem fiesen Grinsen. Nimmt man einen Schlug weiß man warum. Es ist der fertige Alkohol nach 3 Destilierdurchgängen mit doch 89,7% Alkohol. Fies das Zeug, echt fies.
    Ein paar Meter vor der Theke entfernt ist ein großes Glas in den Boden eingelassen und dort unter der Scheibe ist er: der Schatz! Die Fässer gefüllt mit Lebenswasser aus Franken, sauber aufgebaut, absolut korrekt ausgerichtet.
    Alles ein bisschen kleiner als in Schottland, alles ein bisschen weniger pompös als in Schottland, aber alles mit nicht weniger Liebe gemacht.
    Das war mein Besuch bei Hr. Fleischmann und seiner blauen Maus.
    Und warum bedroht nun die Maus Schottland? Weil Hr.Fleischmann einen Namen für seinen Whisky brauchte und er Glen Maus gut fand.
    Tja der Dachverband der schottischen Whiskydestillerien aber nicht und weil sie sich bedroht fühlten von Glen Maus, denn die Maus sei kein Glen und es keinen Bezug zu Glen gab laut den Schotten, drohten sie mit dem Anwalt und so war es aus mit Glen Maus.
    Wie bedrohlich können paar Hundert Liter Mauswhisky gegenüber paar Hundert Millionen Liter Single Malt sein?
    Auch ein weitere Versuch mit einem Schiff auf dem Label und nicht Standartisierten Schriftgrößen führten zu einer erneuten Ablehnung des Whiskynamens. Also griff man auf die Familienwappen der Gaststube zurück, das seit Jahrzenten zu Familie Fleischmann gehörte und unstrittig war.
    So kam die blaue Maus zu ihrem Whisky und ich zu einem tollen Nachmittag

    "Erst probieren, dann meckern"
  • Redmarek User Redmarek Dabei seit: 14.11.2008Beiträge: 148Bewertungen: 4
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    Klasse Artikel. Danke für die Infos.

    Single Malt & Weiber - sind die besten Zeitvertreiber
  • Noface83 User Noface83 Dabei seit: 06.05.2011Beiträge: 4,792Bewertungen: 305
    , letzte Änderung 14. April 2013 um 12:49
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    Wie bedrohlich können paar Hundert Liter Mauswhisky gegenüber paar Hundert Millionen Liter Single Malt sein?

    Bei der Qualität des deutschen Whiskies brauchen die sich keine Sorgen zu machen.
    Ist zwar ein super Bericht und das die dort mit viel Liebe brennen will ich auch nicht leugnen - trotzdem gibt es kaum eine Abfüllung der Blauen Maus die man genießen kann. Und auch die anderen dt. Brennerein bieten nicht viel Qualität. Ob es nur an den Brennblasen oder an einer kurzen/falschen Lagerung liegt habe ich noch nicht herausgefunden.

    Und das ist keine Einzelmeinung, bei den hier in organisierten International-Tastings, bei Blindproben und bei Stammtischversuchen landen die deutschen Whiskies regelmäßig auf den letzten Plätzen - da machen selbst die Schweden und Schweizer einen besseren Job.

    Bin auch in der bösen Base und beim Fassstarken Whisky unter Noface83 zu finden ^^
  • lazyJones User Dabei seit: 26.03.2013Beiträge: 89Bewertungen: 0
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    "Noface83" schrieb:
    Wie bedrohlich können paar Hundert Liter Mauswhisky gegenüber paar Hundert Millionen Liter Single Malt sein?
    Bei der Qualität des deutschen Whiskies brauchen die sich keine Sorgen zu machen.
    Ist zwar ein super Bericht und das die dort mit viel Liebe brennen will ich auch nicht leugnen - trotzdem gibt es kaum eine Abfüllung der Blauen Maus die man genießen kann. Und auch die anderen dt. Brennerein bieten nicht viel Qualität. Ob es nur an den Brennblasen oder an einer kurzen/falschen Lagerung liegt habe ich noch nicht herausgefunden.

    Und das ist keine Einzelmeinung, bei den hier in organisierten International-Tastiings, bei Blindproben und bei Stammtischversuchen landen die deutschen Whiskies regelmäßig auf den letzten Plätzen - da machen selbst die Schweden und Schweizer einen besseren Job.


    95,5 punkte von jim murray auf dem zertifikat links unten, auf der homepage. wie ist das dann zu erklären?

    blaue maus links unten zertifikat

  • Unbekannt Dabei seit: -Bewertungen:
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    "lazyJones" schrieb:
    95,5 punkte von jim murray auf dem zertifikat links unten, auf der homepage. wie ist das dann zu erklären?

    Ich kenne den nicht, aber für mich sind die um-die-95-Wertungen von Murray oft nicht rational nachvollziehbar: 96 Punkte für Ballantine's Finest, 95 für den normalen Jameson-Blend ...

  • Unbekannt Dabei seit: -Bewertungen:
    , letzte Änderung 14. April 2013 um 13:56
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    "lazyJones" schrieb:
    95,5 punkte von jim murray auf dem zertifikat links unten, auf der homepage. wie ist das dann zu erklären?

    Die Frage wird wohl einzig und alleine nur Jim Murray beantworten können.

    Ein von Jim Murray unterschriebenes Zertifikat wird aber - so meine Vermutung - nicht völlig kostenlos übergeben werden.

  • testdummy666 User testdummy666 Dabei seit: 28.06.2011Beiträge: 256Flaschensammlung:testdummys little helpersBewertungen: 0
    , letzte Änderung 14. April 2013 um 13:55
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    Ich muss gestehen, ich habe die Blaue Maus in Aschaffenburg auf der Whisky Pur 2011 probiert und fand ihn überraschend lecker.
    Roch,schmeckte und kostete soviel wie ein schottischer, von denen ich durchaus schon schlechtere im Glas hatte.
    Die 0,7 Liter Buddel kostete knapp unter 40 Euro, bei deutschen Whiskys leider viel zu oft ein eher selten gesehenes Preisleistungsverhältnis.
    Allerdings fand ich auch andere deutsche Whiskys nicht unbedingt schlecht, manchmal gewöhnungsbedürftig, häufig verärgernd durch ihren absurd hohen Preis, und meistens ein wenig anders als der Standard Schotte. Aber dewegen automatisch schlechter, nö sicher nicht.
    Netter Artikel btw.

    Gruß vom dummy

    Mein Motto: To boldly drink what no man has drunk before
  • Skye User Dabei seit: 16.10.2010Beiträge: 2,553Bewertungen: 0
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    "stefanu" schrieb:
    Ich kenne den nicht, aber für mich sind die um-die-95-Wertungen von Murray oft nicht rational nachvollziehbar: 96 Punkte für Ballantine's Finest, 95 für den normalen Jameson-Blend ...

    Wie sollen denn irgendwelche
    - hoffentlich wirklich noch subjektiv nach dem eigenen geschmack und nicht dem modischen trend folgend oder nur angeblich unkommerziell abgegeben -
    geschmackspunkte "rational nachvollziehbar" sein?

    Mahlzeit!


    PS:
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass bei einer aufwendigeren produktion der grains mit der folge, dass diese exklusiver wären als malts, viele ambitionierte whiskyfans bei den blends die malzige note viel mehr als die grainige note stören würde ...

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    "Skye" schrieb:
    Wie sollen denn irgendwelche
    - hoffentlich wirklich noch subjektiv nach dem eigenen geschmack und nicht dem modischen trend folgend oder nur angeblich unkommerziell abgegeben -
    geschmackspunkte "rational nachvollziehbar" sein?

    Rational nachvollziehbar ist für mich eine Bewertung, die nicht rein subjektiv, sondern gut begründet ist (z.B. durch die Tastingnotes) und damit auf nachvollziehbaren Kriterien beruht, und damit gerade nicht z.B. auf modischen Trends oder kommerziellen Aspekten (weil es für mich als Käufer eben nicht rational wäre, nur denen zu folgen, wenn ich gute Ware für mein Geld haben möchte :wink:). Natürlich ist eine Geschmacksbewertung auch immer subjektiv (weil Geschmack subjektiv ist), aber wenn sie gut begründet ist, kann ich sie verstehen, auch wenn ich nicht den Geschmack des Autors teile.

  • redcorsa666
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    User redcorsa666
    Dabei seit: 08.04.2012Beiträge: 35Bewertungen: 0
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    @Noface83: Ich glaube du verwechselst Geschmack mit Qualität?! Nur weil ein Whisky anders schmeckt, vielleicht auch extremer, ist die Qualität nicht schlechter, lediglich der Geschmack. Und bei Hr.Fleischmann werden Firstfillfässer verwendet die weniger ausgebrannt sind als Bourbon, ergo auch kürzere Lagerung nötig(in Deutschland ist 3 Jahre lagern Minimum). Und falsch lagern, geht das denn überhaupt? Jeder lagert anders, der erwähnte Schweizer wahrscheinlich in 2000m höhe, der Schwede wiederum vielleicht 50m unter N.N. und beide schmecken anders bei gleichen Zutaten. Vielleicht denkst du auch die können nicht lagern?! :wink:
    Und das lässt sich auch auf die Brennblasen übertragen: natürlich sind die anders als die Götter aus Schottland, aber trotzdem sind es Brennblasen. Sie machen den Whisky anders , aber es ist Whisky.
    Und es spielen auch andere Faktoren beim Whisky eine Rolle: Hefe,Holztyp,Fassgröße,Einfüllstärke,Abfüllstärke,Destillationsgänge usw.
    Nur der Punkt ist einfach, der deutsche Whisky schmeckt DIR nicht!
    Was auch voll okay ist, denn Geschmäcker sind verschieden


    Leute mal ehrlich, warum streitet ihr euch denn immer wieder um die Punkte und Bewertungen von Mr.X und Mr.Y?!:cry:

    Wenn Murray sagt 95,5 Punkte sage ich 90, denn wenn er mir nicht schmeckt dann ist das so. Gut begründet oder nicht und die Punkte sagen mir trotzdem nicht ob ich ihn mag. da hilft nur eines: Probieren! Und dann kann man mehr sagen.
    Es sei denn man mag einen Geschmack absolut nicht und trotzdem kann er in dem Whisky trotzdem toll sein und passend und man mag den Whisky.Und die Punkte und Umschreibungen basieren immer auf Erfahrungen, von daher sowieso immer relativ, denn wenn ich euch sage Whisky y aus Schottland schmeckt wie Bremsflüssigkeit, dann kann das keiner oder wenige nachvollziehen und ich mag den Geschmack weil er weich kommt und lange bleibt und trotzdem würde keiner Bremsflüssigkeit probieren, oder?! Obwohl ich geneigt bin dem Bremsflüssigkeitswhisky 98,8 Punkte zu geben.

    @Dummy: Ich habe vielleicht eine Idee was den Preis angeht. Laut Hr:Fleischmann muß man in z.B. in Bayern Land zum Anbauen des Rohstoffes haben muß, d.h. du hast eine Destille, kaufe/Pachte land im Verhältnis zur Produktionsmenge. Dazu kommt leider noch die Regel- und Eichwut im Deutschen Staat. Man muß brennen und Einmaischen anmelden beim Zoll usw. Sinnlose Regeln halt die Kosten. Und jede Stelle hat ihre Spielregeln, das Eichamt, der Zoll,Bundesland,Bundesrepublik und sogar Brüssel spielt mit, alle wollen was vom Kuchen und da steigt auch der Preis. Klar gibs auch Schwarze Schafe, dessen bin ich mir bewußt8)

    "Erst probieren, dann meckern"
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    "redcorsa666" schrieb:
    Leute mal ehrlich, warum streitet ihr euch denn immer wieder um die Punkte und Bewertungen von Mr.X und Mr.Y?!:cry:


    Das war kein Streit, lazyJones hatte nur gefragt, wie eine solch hohe Punktzahl zu erklären ist und ich habe anhand von Beispielen dargelegt, dass es mir auch nicht immer gelingt, Murrays Bewertungrn nachzuvollziehen.

    "redcorsa666" schrieb:
    Obwohl ich geneigt bin dem Bremsflüssigkeitswhisky 98,8 Punkte zu geben.

    Allerdings veröffentlichst Du auch keine 'Bibel', die die weltweiten Verkaufszahlen stark beeinflussen kann :wink:

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