Kennt Ihr auch den Whisky-Blues?

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  • Unbekannt
    Themenersteller
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    Hallo liebe Whisky-Geniesser!

    Ich würde gerne Eure Meinung erfahren bzw. Eure Gedanken hinsichtlich eines Gefühls, welches ich einfach mal den "Whisky-Blues" nennen möchte.

    (Wer jetzt spontan sagen möchte, dass er eher auf "Whisky-Pop" oder "Whisky-Rock´n´Roll" steht, darf das gerne tun – und zwar in dem Thread "Whisky & Humor".)

    Was ist der Hintergrund?

    Ich beschäftige mich jetzt seit ca. 4 Jahren intensiv mit Whisky. Sei es durch das Trinken selbst, sei es durch z.B. das Lesen von Whiskybüchern und nicht zuletzt auch durch zunächst passive und später auch aktive Teilnahme hier im Forum.
    Ich habe inzwischen in dieser Zeit den monetären Gegenwert eines Kleinwagens für dieses Hobby ausgegeben. Die Zeit, die ich mittlerweile täglich darauf verwende, hier auf Whisky.de mitzulesen, mitzudenken und mitzuschreiben erreicht locker ein bis zwei Stunden pro Tag.
    Die Tage, an denen ich Whisky trinke überwiegen zahlenmäßig bei weitem die Tage, an denen ich das nicht tue. Und wiederum die Tage an denen ich mehr als einen Dram pro Tag konsumiere diejenigen, an denen es bei 2cl bleibt.

    Die meiste Zeit habe ich Freude daran, genau all diese Dinge zu tun. Ich finde es toll, mit Freunden über Whisky zu fachsimpeln; ich bin stolz wie Oskar, wenn Gästen ohne große Whiskyerfahrung der von mir angebotene Schluck mundet und sie einen weiteren probieren wollen. Und noch stolzer bin ich, wenn sie sich von meinem Halbwissen über die Whiskywelt beeindrucken lassen und mir gebannt zuhören.
    Ich freue mich schon sehr auf die nächsten 3 Monate, in denen ich unter anderem an drei Tastings teilnehmen werde und plane, eine Whiskymesse zu besuchen.
    Wenn sich mein örtlicher Whiskydealer in seinem Laden bei meinem Eintreten auf mich zubewegt, mich mit Handschlag und Lächeln begrüßt und in den Verkostungsraum führt, wo er als nächstes verschiedenste Proben anbietet (natürlich gratis), dann fühle ich mich "zugehörig" zur großen Whisky-Gemeinde.

    Also alles toll?
    Ganz so ist es jedoch nicht.

    Immer wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass ich viel zu viel Geld für ein Hobby ausgebe, dass sich objektiv auf das Konsumieren alkoholischer - und damit prinzipiell gesundheitsschädlicher – Produkte beschränkt, die sich eigentlich meistens nur in wenigen Facetten unterscheiden. Und selbst für diese paar Facetten braucht man Jahre, um sie wirklich erkennen zu können. Ist das viele Geld nicht eigentlich sinnvoller in meiner Altersvorsorge bzw. in einem Ausbildungsfond für meine Kinder aufgehoben?

    Will ich wirklich in den nächsten zwei Jahren 2000 oder mehr Postings auf Whisky.de veröffentlichen, für die sich wahrscheinlich kaum jemand interessiert? Sollte ich nicht lieber wieder mehr Zeit mit dem Lesen ganz "normaler" Bücher verbringen? Mehr Zeit für Sport, Fernsehen, Kino oder kulturelle Veranstaltungen verwenden?

    Meiner Partnerin und meinen Kindern stattdessen mehr der ihnen zustehenden Aufmerksamkeit widmen?

    Entwickelt es sich nicht langsam zum Verhalten eines Süchtigen, dass ich ständig nach Sonderangeboten und vermeintlich preisgünstigen Raritäten unter den Whiskys Ausschau halte?

    Ist es nicht vielleicht schon längst eine Art Suchtverhalten, dass ich regelmäßig mehrfach pro Woche hochprozentigen Alkohol trinke?


    Tja, Ihr seht nun, was mich manchmal so umtreibt. Und ich kann nicht wirklich sagen, dass ich auf all diese Fragen klare Antworten habe.

    Wie ist es bei Euch? Habt Ihr selbst manchmal auch solche "Sinnkrisen" hinsichtlich dieses speziellen Hobbys? Oder ruht Ihr mehr in Euch selbst und zweifelt nicht eine Sekunde daran, dass Whisky und alles was damit zusammenhängt Euer Leben nur bereichert?

    Ich bin gespannt auf Eure Ansichten, sofern Ihr Euch beteiligen möchtet.

    Liebe Grüße

    Fritze
  • Unbekannt Dabei seit: -Bewertungen:
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    Wow schöner Post und sehr offen und ehrlich. Finde es gut wenn man sich Gedanken macht, auch über etwaige Nachteile des Hobbies. Werd morgen mal meine Ansichten zu dem Thema darlegen.
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  • ADram4Ben User ADram4Ben Dabei seit: 11.04.2014Beiträge: 301Bewertungen: 0
    , letzte Änderung 22. August 2014 um 01:53
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    Hi Fritze,

    ich fang mal ganz negativ an: Klar, genaus solche Sachen gehen mir auch ab und an durch den Kopf!
    Und viele dieser Fragen muss ich mit "ja" beantworten.
    Ja, ich gebe zu viel Geld für dieses Hobby aus.
    Ja, ich trinke auch mehr als für meine Gesundheit gut wäre.
    Ja, ich könnte stattdessen mehr Sport machen.
    Ja, ich investierte garantiert zuviel Zeit in dieses Hobby...
    Und ja, vieles davon geht mir durch den Kopf und stellt ab und an die Frage nach Veränderung.

    Aber, eine Frage muss ich jetzt mal allen stellen, die dann und wann mal ähnliche Gedanken haben:
    Warum verändere ich das dann nicht?
    Keine Sorge - rhetorische Frage :biggrin:
    Ganz klar: Weil es Spaß macht!

    Und wenn es nicht so viel Spaß machen würde, nicht so interessant wäre oder eben nicht viel Abwechslung bieten würde,
    würde ich meine Zeit, mein Geld und was auch immer anders investieren.
    Dort, wo ich bekomme, was ich mir wünsche.

    Whisky ist für mich mittlerweile zu einem doch recht "großen" Hobby geworden,
    aber eben auch, weil damit noch so viel zusammenhängt:
    Fahrten nach Schottland, Besuche von Destillerien, Scottish Folk, die Englische Sprache (Gälisch
    find ich toll, aber die Zeit mich da hineinzulesen, hab ich bisher tatsächlich noch nicht gefunden - kommt vielleicht noch :biggrin: ), die Foren, das Tasten selbst, zu Tastings gehen, Tastings machen, ... ach, die Liste ist noch lange nicht zu Ende.
    Aber am Wichtigsten ist mir noch immer der Dram, den ich mit Freunden in kleiner Runde trinke - einfach weil uns u.a. der Whisky verbindet und uns Gelegenheit gibt, uns mal wieder zu treffen und auszutauschen. Und zwar keinesfalls nur zu Whisky :wink:

    Die Sache ist für mich so:
    Solange es Spaß macht, ist es mir wichtig und wird weiter verfolgt.
    Insbesondere solange es den sozialen Aspekt in den Mittelpunkt rückt.

    Und dann ist da noch Folgendes:
    Es gibt nur das Hier und Jetzt.
    Hier und jetzt mache ich, was mir wichtig ist und was mich hier und jetzt glücklich macht.
    Für den einen Moment ist das die Arbeit, der ich nachgehe und die ich brauche.
    Im nächsten Moment sind es meine Familie und meine Freunde, mit denen ich meine Zeit verbringen will.
    Und dann ist da der Moment, den ich einem meiner Hobbys widmen möchte - "me time"
    Und dabei fällt mir auf, dass ich generell Hobbys habe, die viel zu viel Zeit fressen,
    die eigentlich durch andere "sinnvollere" Aktivitäten ersetzt werden sollten und so und so viel zu kostenintensiv sind...
    Trenne ich mich jetzt davon?
    Nö. Warum auch?
    Gehören diese doch zu mir wie meine Familie oder mein Beruf, sind Teil von mir.
    Vielleicht verändere ich mich zukünftig und mit mir meine Hobbys.
    Mein Whiskygeschmack hat sich über die Jahre auch mehrfach geändert.
    Man verändert sich. Ist halt so.
    Ich wollte z.B. nie "Whisky sammeln" und hätte vor ner Weile noch gesagt, dass ich das nicht tue - sondern nur "anhäufe"...
    Ja klar...:rolleyes:
    Darum geht es aber nicht. Es hat sich so entwickelt und es hätte sich nicht so entwickelt,
    wenn ich das nicht irgendwie gewollte hätte...
    Es kommt wie es kommt.

    Wichtig finde ich nur, dass man nicht das Gefühl haben darf etwas zu verpassen.
    Das wäre dann tatsächlich ein Grund für mich, gezielt nach Veränderungen zu suchen
    und diese durchzusetzen. Denn dann fehlt mir was. Dann ist irgendwas wichtiger als das,
    was ich gerade tue...

    Momentan denke ich diesbezüglich, dass ich eine relativ gute Balance für Familie, Job und Hobbys gefunden habe.
    Wer weiß was morgen ist? Vielleicht passiert was und ich muss alles neu ausrichten.
    Aber bis dahin fahre ich gut und bin zufrieden.
    Was will man denn mehr?

    Ach, kleiner Nachsatz.
    Habe gerade mal gegooglet, was man denn so zu Alkohol und Gesundheit findet.
    Aufatmen - ich bin weit entfernt von dem, was weithin als gesundheitsschädlich betrachtet wird.
    Hatte da wohl doch irgendwie falsche Vorstellungen... ok, um so besser!
    Aber davon abgesehen,
    gesund hin und her...
    Kein Mensch garantiert mir ein langes Leben, dauerhafte Gesundheit oder was auch immer, nur
    wenn ich dem Alkohol auf immer abschöre...
    Nicht übertreiben - genießen. Fertig.
    Aber wenn ich nicht genießen (egal was! nicht nur Whisky) würde, dann würde mir was fehlen im Leben.
    Und was wäre das Leben denn ohne Genuß???

    Just my 2 cents.

    Cheers,
    Ben
    “Like my daddy always said: Just cuz it kills your liver don't mean it ain't medicine.” (Bobby Singer) Hier geht es zu meiner Bar: http://www.whisky.de/nc/tfg/forum/forum/mm_forum_pi1/beitraege//a_dram_not_only_4_ben_offene_flaschen_zum_probieren.html#pid
  • ASWhisky User ASWhisky Dabei seit: 18.08.2012Beiträge: 8,770Bewertungen: 288
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    sich selber Überdenken schadet nie
    und an unserem Hobby kann doch einiges zur Sucht werden
    Familie, Freunde, Job alles kann darunter leiden
    es gab schon viele die aus diesem Grund ihr Whisky Hobby aufgegeben haben
    man muss für sich selber die richtige Balance finden
    die kann bei jedem anders aussehen


    gut, dass Du so offen darüber geschrieben hast
    ein paar Tage Auszeit
    oder andere tolle Projekte
    helfen mir den richtigen Focus zu finden
    AlbaronUnbekannt2 gefällt das
  • niggy1813 User niggy1813 Dabei seit: 15.01.2013Beiträge: 823Flaschensammlung:Nicky's Whisky CollectionBewertungen: 86
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    Ich finde die Gedanken von FritzeKrautman auch sehr gut, aber kann man sich diese, speziell, was die Geld- und Zeitfrage angeht, nicht bei jedem Hobby stellen? Sei es Briefmarken sammeln, Geocaching, Motorradfahren, weiß der Teufel...

    Ich habe mir zum Beispiel dieses Jahr einen Zweitwagen zugelegt, der nur bei schönem Wetter und wenn ich Zeit habe gefahren wird und das auch nur im Sommer. Dazu frisst er noch vergleichsweise viel und somit ist er für mich objektiv betrachtet total sinnlos. Aber warum habe ich ihn dennoch? Weil er Spaß macht icon_smile.gif

    Und das ist doch die Hauptsache, dass einem das Hobby Spaß macht und der Kosten-/Nutzwert bzw. Investition-/Spaßfaktor für einen selber in einem akzeptablen Rahmen ist. Und wenn dem so ist, dann kann das Hobby nicht "falsch" sein, solange nicht andere wichtige Dinge wie Arbeit, Familie etc. darunter leiden müssen.

    Aber wie gesagt, das Ganze trotzdem einmal zu hinterfragen und sich mit dem Thema mal aus einer anderen Sichtweise zu beschäftigen, finde ich sehr gut und bin auf die weiteren Postings gespannt!
    Unbekannt gefällt das
  • [Gelöschter Benutzer] Dabei seit: 29.12.2009Beiträge: 66Bewertungen: 27
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    Sich zu hinterfragen ist immer gut. Ich nehme mir auch immer mal vor, etwas weniger hier im Forum unterwegs zu sein, dann merke ich aber, dass es Spaß macht, sich über das Hobby auszutauschen und dann bin ich schon wieder hier und schreibe/lese mit icon_smile.gif
    Ganz allgemein zum Hobby: es sollte ohnehin nur die Zeit aufgewendet werden, die ohnehin übrig ist und auch das Geld, das ohnehin übrig ist. Finanziell kommt Whisky erst dann, wenn alle laufenden Kosten abgedeckt sind, die nötigen Vorsorgeleistungen beisietegelegt, und der Urlaub, der mir wichtiger ist, erledigt ist. Das gilt aber auch für mein anderes großes Hobby, der Musik. Da kaufe ich mir auch nicht alle hui ein neues Equipment, wenn ich es mir nicht leisten kann. Und ich denke, das ist der Stellenwert, den ein Hobby finanziell haben sollte.

    Zum zeitlichen Aspekt: so lange Beruf, Familie 6 Freunde nicht darunter leider ist alles OK. Es ist die eigene freie Zeit, die man guten Gewissens damit verbringen kann, was einem Spaß macht. Alles andere ist unnötiger Selbstoptimierungswahn.
  • Noface83 User Noface83 Dabei seit: 06.05.2011Beiträge: 4,790Bewertungen: 306
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    Den Whisky-Blues habe ich immer dann wenn sich der Monat dem Ende zuneigt (manchmal auch schon am anfang des Monats) und mein Whisky-Budget aufgebraucht ist. Dann mach i mir Gedanklen - wären die 200,- nicht besser irgendwo in Aktien, Gold, Imobilien oder im Sparrstrumpf angelegt ? Sollte ich die ca. 2 Stunden die ich mich im Schnitt am Tag mit Whisky beschäftige nicht in etwas sinnvolleres investieren ?
    Aber Whisky ist halt mein einziges richtige Hobby (mal hier und da ins Kino gehen, mal nen Fußballspiel des örtlichen Vereins besuchen, nebenbei nen Buch lesen, ein bisserl PC zocken - das alles nur gelegentlich und dem Whisky-Hobby untergeordnet) und da ich keine Familie habe habe ich auch Zeit.
    Sobald ich aber den nächsten Dram im Glas habe und daran schnuppere sind wieder alle Zweifel weg - man lebt nur einmal und ich genieße das Hier und Jetzt !
    Bin auch in der bösen Base und beim Fassstarken Whisky unter Noface83 zu finden ^^
  • Dieter_W User Dieter_W Dabei seit: 28.11.2005Beiträge: 8,172Flaschensammlung:Bewertungen: 1
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    Hai

    Klar, sollte man sich mal überprüfen oder hinterfragen.
    Wobei ich schon klar Internetsüchtig bin.
    Laptop o. Notebook müssen immer in der Nähe sein.
    Ohne Whisky kann ich zum Glück wochenlang auskommen,
    wie im Urlaub oder im Sommer.
    Da schmeckt er mir auch nicht so gut .
    Der erste Whisky in dieser Woche, der Wicht von Oliver Petersen am 18.8. 2 cl
    Morgen am 23 .8 ist der nächste Wicht 2cl dran, dass war es in dieser Woche schon an Alkohol.


    So ist es bei mir!

    Mit Alkohol habe ich keine Probleme , ohne aber auch nicht
    Auch mit dem Internet habe ich keine Probleme, aber ohne!


    Bis bald



    Besser enthemd als ohne Hose  

    Challenge 4.1: Die früher waren besser httpwwwsmiliesuchedesmileyshaiehaie-smilies-0001gif

    Außerdem Forengeprüfter Living Bottle Panscher

  • Unbekannt Dabei seit: -Bewertungen:
    , letzte Änderung 22. August 2014 um 11:30
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    Zeichnet sich nicht jedes intensiv betriebene Hobby dadurch aus, dass man mehr Zeit und Geld investiert, als es objektiv sinnvoll erscheint?
    Sich selbst zu hinterfragen ist wichtig, ob es bei dir ein "zuviel" ist, kannst aber im Endeffekt nur du feststellen und entscheiden. Ein Hobby ist wichtig als Ausgleich. Wenn dir dein "dailydram" 15Minuten Urlaub am Tag bringt hast du doch alles richtig gemacht. Sobald aus "ich will" ein "ich muss" wird, sollte man pausieren.
    Gerade bei Whisky finde ich es auch wichtig, nicht abzuheben. Nicht jeder Whisky muss mehr als 50€ kosten. Muss ich wirklich den MacDonald 1912 unter Mondschein handabgefüllt für 100€ fürs Sample probieren? Egal ob Weintrinker oder sonstige Genießer, an normalen Tagen trinkt jeder nur "Standard".

    P.S. Nicht unbedingt förderlich sind Foren. Du liest ständig von neuen Abfüllungen, der trinkt heute den Whisky, der teilt diese Flasche, Sample hier, Sample da. Ich war schon in mehreren Hobby-Foren und je mehr Zeit man investiert, desto mehr kann sich im Mikrokosmos Hobby verlieren.

    Wenn du das Gefühl hast, dir wird alles zuviel, würde ich erst mal den "online-Genuss" einstellen und schauen, ob sich die Sicht verändert.
  • Unbekannt Dabei seit: -Bewertungen:
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    Hallo Fritze,
    erst einmal danke für den ehrlichen Bericht. Ich denke dass Deine Gedanken auf die meisten hier zutreffen.

    Was ASWhisky geschrieben hat trifft den Nagel auf den Kopf.
    Die Balance ist wichtig. Schwer zu finden, das gebe ich zu aber wichtig.

    Ich möchte aber dennoch ein wenig genauer auf deine Fragen eingehen und mit meiner Gefühlslage vergleichen und dir meine „Lösungsansätze“ gerne mitteilen. Auch wenn sie erst noch im Begriff sind umgesetzt zu werden, da mich diese Sinnkriese auch vor kurzem ereilt hat.

    Du schriebst: Immer wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass ich viel zu viel Geld für ein Hobby ausgebe…

    Ich denke das kann man nicht so einfach mit Ja oder Nein beantworten.
    Tut Dir das Geld weh? Fehlt es irgendwo? Kannst du die Miete nicht mehr bezahlen? Tragen deine Frau und deine Kinder abgetragene Klamotten? Bleibt zum Ende des Monats der Wagen in der Garage weil kein Geld zum Tanken da ist? Oder mal weniger polemisch geschrieben, werden in ein paar Jahren deine Kinder nicht studieren können nur weil Papa seine Kohle versoffen hat?

    Wenn du nur einen Satz davon, oder einen vergleichbaren, mit ja beantworten kannst gibst du in der Tat zu viel Geld aus für Whisky!
    Sollte am Monatsende allerdings etwas übrig bleiben für die "Hohe Kante", dann ist doch alles supi.
    Dann musst du dich nur fragen ob der Anteil groß genug ist um dein Gewissen zu beruhigen.
    Wenn du mehr sparen willst reduziere dein Budget.
    Was das Geld angeht habe ich (obwohl immer genug über war am Monatsende) mein Budget zwar nicht wirklich gekürzt aber ich möchte nicht mehr „blind“ meinem Sammeltrieb freien Lauf lassen. Ich möchte zum Beispiel auch erst mal von den Beständen leben.

    Du schriebst: … dass sich objektiv auf das Konsumieren alkoholischer - und damit prinzipiell gesundheitsschädlicher – Produkte beschränkt…

    Ich gehe regelmäßig zum Arzt und lasse meine Werte checken. Da geht auch immer der Säuferleberwert (ich glaube Gama GT) mit auf die Liste und alles andere was auf einen Missbrauch hindeuten könnte. Solange da alles Grün ist .. prima.

    Ansonsten schau halt mal wie es vom Kopf her ist? Fehlt dir was wenn Du nicht trinkst? Zieht es dich abends an den Schrank? Bekommst Du schlechte Laune wenn kein Drama vor Dir steht? Ich rede nicht von berauschen oder gar besaufen, der Drang alleine zählt.
    Wenn ja, hör sofort auf mit trinken!

    Du schriebst: Meiner Partnerin und meinen Kindern stattdessen mehr der ihnen zustehenden Aufmerksamkeit widmen?

    Diesen Satz ansich halte ich schon für echt Krass. Ich denke zwar das er aus der Emotion, die du beim schreiben deiner Zeilen hattest, entstanden ist und ich will diesen Satz auch nicht überbewerten, aber denke bitte gut über diesen Satz nach und warum du ihn geschrieben hast.
    Wenn da auch nur ein Körnchen Wahrheit dran ist, besonders im Bezug auf Deine Kinder, dann reduziere Dein Hobby extrem!

    Jetzt noch schnell eine Antwort auf zwei Fragen die du schriebst:
    Entwickelt es sich nicht langsam zum Verhalten eines Süchtigen, dass ich ständig nach Sonderangeboten und vermeintlich preisgünstigen Raritäten unter den Whiskys Ausschau halte?

    Ist es nicht vielleicht schon längst eine Art Suchtverhalten, dass ich regelmäßig mehrfach pro Woche hochprozentigen Alkohol trinke?


    Ja und Ja!

    Welches Ausmaß das hat und ob es überhaupt „schlimm“ ist wird durch die Fragen oben beantwortet.
    Auch wenn es sich natürlich schlimm liest, sollte man doch die Kirche im Dorf lassen.

    Dann noch etwas zu den Antworten der anderen. Es wurde dort von Me Time geschrieben und von den vielen Facetten des Hobbys die weit über das trinken hinausgehen.
    Ich persönlich finde ME Time und Dinge die ich nur für mich habe sehr wichtig, aber solange man mit einem Partner zusammen ist und noch mehr wenn Kinder da sind, sollte man sich fragen wie viel Me Time genug ist. Auch da gilt es die Balance zu finden zwischen Me Time und Egoismus.

    Also FritzeKrautmann, ich finde es super was Du geschrieben hast, ich finde es super das du dir Gedanken machst. Ich denke das es sehr positiv ist sich und das was man tut in Frage zu stellen, besonders wenn man zweifelt. Ich will das alles nicht überstrapazieren aber nimm ein paar Gedanken aus den Antworten der Kollegen hier mit, auch die kritischen und zieh deine Schlüsse.
    Ich glaube das war es auch was Du wolltest. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema.

    Sätze wie: Solange es Spaß macht, mach weiter. Funktionieren für Dich nicht da Du nicht nur für dich verantwortlich bist.

    Spaß ist wichtig.
    Me Time ist wichtig.
    Hobbys sind wichtig.
    Balance ist das wichtigste.
    In dem Sinne,
    Jürgen
  • HerrRossi User HerrRossi Dabei seit: 28.08.2013Beiträge: 933Bewertungen: 0
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    Love it, change it or leave it

    Auf diesen einfachen Nenner lässt sich auch diese Thematik bringen.

    Muss jeder selbst beurteilen. Für mich lauten alle Antworten auf deine Fragen, NEIN!

    Es ist mein Hobby - ich widme ihm soviel Zeit (und Geld) wie ICH für gut und richtig halte. Und genau das muss jeder selbst hinterfrage!)

    zum Thema Sucht:

    wer jeden Abend zum Essen eine Flasche Bier oder ein Glas Rouge Ordinaire trinkt, trinkt mehr Alkohol als ich, pro Woche, der jeden 2.Abend 2 bis 6cl Whisky trinkt. Einfache Rechnung.
    Wer wie ich keinen sonstigen Alkohol trinkt, steht daher wohl nicht in der Gefahr einer Sucht zu verfallen.
    Aber dafür gibt es (wie für alle möglichen Suchtthemen, wie Rauchen, Fernsehen, Sex :redface:, oder Handy) einen einfachen Test.
    Einfach mal 2 Wochen ohne auskommen. Wenn es richtig schwer fällt und eventuell auch körperlich schmerz (Nervosität und dergl.) dann muss man sich wohl eingestehen, dass man ein Problem hat.
    Das Glück hab ich übrigens gefunden: MoS Diamond Glengoyne 40y 1972
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