Blindverkostungen - Sinn oder Unsinn

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  • ASWhisky User ASWhisky Dabei seit: 18.08.2012Beiträge: 8,786Bewertungen: 288
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    hört sich lustig an Dieter_W
    sollte auch mal Deinen Schwager besuchen :biggrin:

    die Frage ist, möchte man nur lecker trinken
    oder würde man sich gerne weiter entwickeln

    um das tasten zu erlernen und um es zu verfeinern
    gehört etwas Beeinflussung dazu
    (ob man sich jetzt gerade von der "Industrie" beeinflusst sei dahingestellt)

    der eine benötigt mehr Anleitung der andere weniger
    die Geschmacks- und Geruchssinne kann man eigentlich immer weiter trainieren
    da ist man nicht an dem Punkt "ich bin fertig"
  • Archer User Archer Dabei seit: 31.12.2014Beiträge: 2,095Bewertungen: 6
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    "ASWhisky" schrieb:
    hört sich lustig an Dieter_W
    sollte auch mal Deinen Schwager besuchen :biggrin:

    die Frage ist, möchte man nur lecker trinken
    oder würde man sich gerne weiter entwickeln

    um das tasten zu erlernen und um es zu verfeinern
    gehört etwas Beeinflussung dazu
    (ob man sich jetzt gerade von der "Industrie" beeinflusst sei dahingestellt)


    der eine benötigt mehr Anleitung der andere weniger
    die Geschmacks- und Geruchssinne kann man eigentlich immer weiter trainieren
    da ist man nicht an dem Punkt "ich bin fertig"


    Da gebe ich dir recht, AS.

    Bei einer offenen Verkostung greift man automatisch auf seinen eigenen Erfahrungsschatz zurück und beeinflußt sich gleichsam durch sich selbst - was nicht negativ klingen soll, im Gegenteil.

    Mag man z.B. Talisker im Allgemeinen und hat dann einen Talisker im Glas, den man bisher noch nicht hatte, weiß man vorher schon, welcher Art im Groben die Aromen sein werden - oder meint jedenfalls, es zu wissen, denn man geht mit einer gewissen Erwartungshaltung an eine unbekannte Abfüllung einer einem selbst gut bekannten Brennerei heran.

    Mit einer Blindverkostung kann man diese Mechanismen natürlich ausschalten. Die Frage sollte aber eigentlich sein, was man mit Blindverkostung erreichen will.
    Habe ich einen (für mich oder allgemein) besonderen Malt und nur eine kleine Menge zur Verfügung, würde ich keine Blindverkostung machen. Da fände ich es schade, auf das im Hintergrund laufende Programm verzichten zu müssen.
    Selbst wenn das im Falle des besonderen Malts ein Malt einer mir bisher unbekannten Brennerei wäre, würde ich bei einer nur kleinen zur Verfügung stehenden Menge nicht blind verkosten wollen.
    Eher würde ich mir vorher den allgemeinen Brennereicharakter anlesen und so für einen "künstlichen" (also nicht selbst erarbeiteten) Hintergrund sorgen.

    Das heißt aber nicht, dass ich generell etwas gegen Blindverkostungen habe.
    Mit ein paar Leuten machen wir ungefähr alle drei Monate eine Blindverkostung, bei der die Whiskys vorher zwar feststehen, aber nicht deren Reihenfolge im Glas.
    Hierbei geht es aber weniger um ein feines Herausarbeiten von Aromen, sondern eher um den Spaß am Raten.

    Und ja - Blindverkostung lehrt Demut. Selbst wenn alle Whiskys vorher bekanntgegeben wurden und man von acht vielleicht vier sogar schon mal im Glas hatte, kann es durchaus vorkommen, dass man am Ende des Abends die vier bekannten Malts gerade nicht erkannt hat.
    Sherrywood Forest

    Whisky is liquid sunshine. (G. B. Shaw)

     Redbreast 25 Single Cask
    GloinDieter_W2 gefällt das
  • Albaron User Albaron Dabei seit: 12.12.2012Beiträge: 2,307Flaschensammlung:Albarons SammlungBewertungen: 0
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    Mir gefallen Blindverkostungen persönlich sehr. Es ist zum einen der Spaß am Erkennen was denn da wohl im Glas vor einem ist. Zum anderen bringt es aber auch Unvoreingenommenheit (gibt es das Wort überhaupt?). Die fehlt mir wenn ich weiss was ich denn da im Glas habe, selbst wenn ich diese spezielle Abfüllung vielleicht noch nie probiert habe. Auch wenn ich weiss, dass Du darin sehr gut bist AS, es bleibt immer ein Rest des Wissens was denn da im Glas ist und somit ist man entsprechend beeinflusst und es geht die Objektivität etwas flöten. Das ist unbewusst und kann man meines Erachtens nie ganz ausschliessen. Es ist doch ein Brora und kostet einen Haufen Geld, der muss doch gut sein! Wie kraeftigen schon sagt. Meist bin ich nämlich deutlich strenger wenn ich nicht weiss was im Glas ist. Der umgekehrte Fall ist aber auch möglich.

    Klar ist so eine Blindverkostung auch 'Arbeit' und um einen Whisky zu geniessen würde ich nie eine Blindverkostung machen. Da bin ich voll beim Waschbären. Allerdings bin ich der Meinung, das gerade eine Blindverkostung die Sinne schult. Man versucht die Aromen zu definieren und gerade das bringt mich weiter. Ich persönlich möchte wissen WAS mir an einem Whisky gut schmeckt und da ist es zu allererst zweitrangig was auf dem Etikett steht. Das Wissen brauche ich erst wenn ich probiert habe und Parallelen zu anderen Abfüllungen finden kann die mir aus dem gleichen Grund gut schmecken. So mag ich gerne ein malziges und nussiges Aroma, was gerne auch noch mit Rauch kombiniert werden darf (es aber bisher noch nie wurde). Wenn ich dieses Aroma in einem Whisky finde ist es egal von welcher Brennerei er kommt. Es gibt zwar Sympathien für bestimmte Brennereien, die allerdings nicht nur mit dem Geschmack zusammen hängen. Das gleiche gilt für Vorurteile und dann sind wir wieder bei dem oben aufgeführten Punkt der Objektivität. Dies ist bei Genussmitteln schwierig zu beurteilen. Obwohl ich denke dass man gute Qualität in einem Whisky erkennen kann, auch wenn er einem persönlich nicht gut schmeckt. Doch die Definition von Qualität ist für jeden anders. Bei mir sind die Hauptaspekte, wie gut der Alkohol und die Aromen eingebunden sind. Aber ich schweife ab.

    Also für mich klar: Blindverkostungen - Sinn

    Zudem habe ich Spaß dabei, insbesondere wenn ich meine Erfahrungen mit anderen austauschen und vergleichen kann. Das potenziert meinen Spaß bei der Sache enorm.
    "Es gab Sachen, die waren früher gut und wären es auch heute noch, wenn man die Finger davon gelassen hätte!" Jochen Malmsheimer
  • Kuss80 User Kuss80 Dabei seit: 22.11.2009Beiträge: 1,910Flaschensammlung:my house barBewertungen: 0
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    Ist doch hin und wieder ganz nett, wenn man völlig uneingenommen an eine Verkostung herantritt und ohne Einfluß von irgendwelchen Eckdaten wie bspw. Brennerei, Flaschenpreis, usw. ein persönliches/absolut ehrliches Urteil fällt.
    (Re-Opening) My Sample List Aktuell gesucht: Uigeadail (2003-2010), Ardbeg 17 OA
  • [Gelöschter Benutzer] Dabei seit: 25.06.2015Beiträge: 0Flaschensammlung:The Wild HuntBewertungen: 182
    , letzte Änderung 31. März 2016 um 16:28
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    Ich finde Blindverkostungen auch interessant, zumindest stelle ich sie mir so
    vor teilgenommen habe ich noch an keiner!

    Ob Rauch oder kein Rauch, Sherry- oder Bourbonfass, tendenziell die % oder
    die ein oder andere Brennerei mit hohen Wiedererkennungswert wie Laphroaig
    o. Talisker lässt sich wohl noch heraus schmecken. Kühlfilterung, Alter, Färbung,
    Preis und andere Nichtigkeiten eher kaum.

    Spannend fand ich die Aktion von Gloin mit der Fassstärken Verkostung -
    habe ich mir heute zu Gemüte geführt. Spannend mit der ein o. anderen
    Anekdote. Kann ich nur empfehlen.

    Konkret zum Thema: Ich halte Blindverkostungen für sinnvoll, keine
    Einzelmeinungen aber die gebündelten Gruppenergebnisse haben einen Wert.

    PS: Gloin war es Pardon!
    Friend of Laphroaig Ardbeg Committee Member Member of the North Star Crew
    GloinAlbaron2 gefällt das
  • jens0815 User jens0815 Dabei seit: 25.10.2012Beiträge: 491Flaschensammlung:Andy'sBewertungen: 33
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    Blindverkostungen sind für mich auch eher eine Medallie mit 2 Seiten.



    Ich habe erst eine Blindverkostung hier im Forum beim Schrottwichteln mitgemacht. Sonst habe ich "nur" Flaschen für Blindverkostungen abgefüllt und konnte daher nicht wirklich unvoreingenommen mitmachen.

    Blindverkostungen sind für mich immer mit "Arbeit" verbunden. Das hat nichts mit dem Abfüllen für diverse Aktionen zu tun sondern damit, dass man sich dann besonders viel mühe gibt alles heraus zu schmecken/riechen und sich doch schon länger mit einer Probe beschäftigt. Dazu muss man das was man findet auch noch in Worte packen und hier entsprechend aufbereitet posten.
    Da ich im Moment die Zeit/Gelegenheit um einen Dram zu genießen schon kaum finde bekomme ich solche Blindverkostungen zu Hause schon gar nicht hin.

    Auf der Anderen Seite ist es schon spannende sich ohne eine Vorahnung mit einem Malt auseinanderzusetzen. Hier ist man doch meist viel genauer als man das ist wenn man weiß um was es geht. Wir haben das mal bei einem Stammtisch (offline) gemacht. Dort spricht man dann mit anderen über die Eindrücke und gibt einen Tip ab. Hier ist gerade die Auflösung immer spannend. Leider lässt man sich auch hier schnell von den anderen am Tisch beeinflussen. Dies ist aber nicht immer nachteilig.


    Ich finde Blindverkostungen spannend, für mich alleine scheue ich allerdings den Aufwand, schaffe es nicht mir das so einzurichten, dass es passt. Wenn ich es zu Hause schaffen nen Malt zu trinken will ich den genießen. Dazu weiß ich aber gerne was ich im Glas habe.
    GloinAlbaronPiper3 gefällt das
  • Gloin
    Themenersteller
    User Gloin
    Dabei seit: 04.01.2012Beiträge: 5,814Bewertungen: 20
    , letzte Änderung 1. April 2016 um 01:27
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    Quins Blindprobe Nr.4

    Angaben: ca. 50%, peated

    Farbe: white wine
    Geruch: Dreckiger Rauch, verbranntes Plastik, dahinter süßes faules Obst, Chinaböller, leichte Andeutungen von Zitrone und Karamell, die Rauchschwaden legen sich und mit ihnen auch der Eindruck abgebrannten Feuerwerks, Kräuter, Waldmeister und Thymian
    Geschmack: Ein kühler Antritt bei einem weichem Körper, süß, fast sanft nach dem ersten Eindruck in der Nase, süßer Rauch, Vanille, leichte Eichennoten, Apfelsaft, aber dann doch auch ein wenig Gummi
    Abgang: Rauch, aber wie aus der Ferne wahrgenommen, trocken und klarer jetzt, Eiche, aber ohne viel Bitterkeit, süße Vanille, ganz leicht metallisch auf der Zungenspitze, die Erinnerung bleibt lang am Gaumen

    Fazit: Der Whisky entwickelt sich nach einer Weile im Glas. Im ersten Eindruck ist er ein richtiger "Stinker", aber in Bezug auf den Geruch verbirgt sich hinter der rauen Schale ein etwas weicherer Kern. Der Geschmack ist etwas milder, wenn auch immer noch deutlich rauchig. Der Abgang ist der eines verlöschenden Feuers. So erzählt der Whisky die Geschichte eines Feuers, intensiv und fast schon unangenehm am Anfang in der Nase, dann ruhiger werdend in der Mitts im Geschmack und am Ende die sich entfernenden Rauchschwaden im Abgang. Ein schöner Whisky, der in der Nase etwas zu ungestüm ist. 85 Punkte

    Einen Tipp wage ich nicht.
    .
  • J.F.K. User Dabei seit: 13.09.2012Beiträge: 1,561Flaschensammlung:J.F.K.s SammlungBewertungen: 0
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    "Gloin" schrieb:
    Einen Tipp wage ich nicht.


    Ein junger peated Bunna??? :question:
  • Gloin
    Themenersteller
    User Gloin
    Dabei seit: 04.01.2012Beiträge: 5,814Bewertungen: 20
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    "J.F.K." schrieb:
    "Gloin" schrieb:
    Einen Tipp wage ich nicht.


    Ein junger peated Bunna??? :question:


    Ich wäre sehr stolz, wenn ich einen Whisky blind so beschreiben könnte, dass Du ihn erkennst.

    Du überschätzt meine Fähigkeiten.
    Melburnt gefällt das
  • Quin User Quin Dabei seit: 25.05.2013Beiträge: 4,061Bewertungen: 0
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    Das war die rauchige Laddie Barley Range :wink:

    :arrow: Port Charlotte Scottish Barley
    Gloin gefällt das
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