Whisky ohne Fass?

«13
  • Croth
    Themenersteller
    User
    Dabei seit: 22.07.2008Beiträge: 116Bewertungen: 0
    Bei einigen Weinen ist es ja schon länger üblich, auf eine Fassreifung zu verzichten, ein wenig Rinde in den Tank, fertig. Jetzt wurde ich jüngst gefragt, ob das bei Whisky auch vorkommt, wegen Kostensenkung und dgl. - nun, wir sind uns sicherlich alle einig, dass bei den normalen Tropfen das nicht der Fall ist, aber was ist mit Discountern, was ist mit anderen Ländern, gibt es einen dokumentierten Fall, in dem ein Hersteller auf das Fass bei der Lagerung verzichtet hat?
  • Apulia User Apulia Dabei seit: 03.04.2006Beiträge: 301Flaschensammlung:Apulias SammlungBewertungen: 1
    Optionen
    Wenn er denn sein Produkt Whisky nennen will, so sollte der Hersteller tunlichst ein Fass nutzen - schreibt doch das Gesetz vor, das ein Destillat aus Gerste (oder Weizen bei Grain W.) sich erst dann Whisky nennen darf, wenn es mindestens 3 Jahre in einem Fass aus gebrauchter Eiche gelegen hat....(bzw zwei Jahre in einem Fass aus neuer amerikanischer Weißeiche in den USA als Mindestregel)

    Wie so mancher sogenannter "Whisky" aus Indien, Südamerika oder Nordafrika gelagrt wird, darüber möchte ich nicht spekulieren, aber alles über was wir hier so normalerweise diskutieren kommt um die Fassreife nicht herum - und das ist gut so!

    Übrigens wird Wein nicht mit Rinde(nmulch) sondern mit Spänen (Chips - chipping) oder Stangen (Sticks - sticking) aus Eichenholz "angereichert"... nachgewiesenermaßen bringt das beim frischen Wein die gleichen Aromen, wie eine tatsächliche Fasslagerung - was allerdings in den folgenden Monaten/jahren in der Flasche passiert - nun das kann man sehen/schmecken wenn man mal so einen australischen/chilenischen/argentinischen.... "oaked" Chardonay für 1,29 probiert der älter als ein zwei Jahre ist.....
    Gruß Andrea www.wine-and-spirit-partner.de
  • Croth
    Themenersteller
    User
    Dabei seit: 22.07.2008Beiträge: 116Bewertungen: 0
    Optionen
    Ah, danke, das bringt schon einmal etwas Licht ins Dunkle, die Jahresgrenzen sind mir geläufig gewesen, jedoch wusste ich nicht, dass auch dass Fass mit vorgeschrieben ist.
    Bliebe tatsächlich nur noch zu klären, ob die Exoten unter den Whiskys in den von dir genannten Ländern auch einem "Fasszwang" unterliegen.
  • Croth
    Themenersteller
    User
    Dabei seit: 22.07.2008Beiträge: 116Bewertungen: 0
    Optionen
    Vielen Dank für die ausführliche Antwort und die vielen Links, die ich mir soeben zu Gemüte geführt habe. Plastikfolien um Fässer... nun, das ist wirklich nicht sehr ästhetisch, aber das dass angeblich keinerlei Auswirkungen auf den Geschmack haben soll halte ich für eine mutige Äußerung....

    Aber gut, immerhin bin ich nun allsamt schlauer geworden, noch gibt es also keine Stahltanks, dafür allerhand anderes, was in die Richtung verweist - zumindest für die low-cost Produkte.
  • Unbekannt Dabei seit: -Bewertungen:
    Optionen
    Oh ja. Die neue Distillers-Edition: Tetrapak-Finish.

    WI-DER-LICH!

    Jenseits dessen: "Laminierte" Fässer? Angel's Share bzw. dessen Reduzierung hin oder her...wenn nichts raus kann, kann auch nichts rein. Das war's dann wohl mit dem Aromen von Seeluft etc. etc. etc.
    Meine Güte, wer kommt auf solche Ideen.
  • Bernd_H5 User Bernd_H5 Dabei seit: 07.02.2007Beiträge: 3,253Bewertungen: 0
    Optionen
    "Don Jorge" schrieb:
    Meine Güte, wer kommt auf solche Ideen.
    Auf solche Ideen kommen sogenannte Manager, die nicht die geringste Ahnung von den Produkten haben, die in den Betrieben angefertigt bzw. zubereitet werden. Die wissen auch immer genau, wann ein Produkt fertig ist, auch wenn sie noch nie gehört haben, wie es gefertigt wird. Hoffen wir alle, daß die Schottische Whiskyindustrie zu unseren Lebzeiten von dieser Art Manager verschont bleibt.

    Gruß Bernd
    Ich bin nicht hier und ich habe das nicht gesagt
  • Thorsten User Dabei seit: 14.07.2006Beiträge: 2,212Bewertungen: 0
    Optionen
    "Whisky ohne Faß" klingt für mich wie "König ohne Land" - beides traurige Vorstellungen.

    Viele Grüße

    Thorsten
  • Horst_S User, Administrator Horst_S Dabei seit: 07.05.2004Beiträge: 5,210Flaschensammlung:Horst_S SammlungBewertungen: 1475
    Optionen
    "Bernd_H5" schrieb:
    Auf solche Ideen kommen sogenannte Manager, die nicht die geringste Ahnung von den Produkten haben, die in den Betrieben angefertigt bzw. zubereitet werden.
    Sorry, da kann ich nicht ganz zustimmen.

    Wir sprechen hier über verschiedene Produkte. Ein High-End-Produkt für die 'wissenden' Genießer und ein Massenprodukt, dass millionenfach pro Jahr abgefüllt wird. Da gelten verschiedene Regeln.

    Hier ein Grenzfall: Was macht man mit einem 50 Jahre alten Fass? Es hat Brennereien gegeben, die haben in diese Fässer einfach einmal Holzchips und Holzkohlestücke hineingeworfen. Hat sich verkauft - ok. Der Paxarette-Ansatz verkaufte sich auch, war aber den Schotten 'over-the-top'.

    Manager haben nun erforschen und untersuchen lassen, warum so ein sehr altes Fass so tot ist. Und sie haben eine Lösung gefunden. Die Innenseite wird von der Holzkohle befreit (ausgedreht,-gedrechselt) und das Fass ein zweites Mal getoasted und ausgebrannt (wegen der Holzkohleschicht).

    Und siehe da - es funktioniert! Passt diese sprichwörtliche Sparsamkeit nicht zu den Schotten? Wo wollen Sie die Grenze bei diesen Versuchen ziehen? Wenn sich die Schotten nie verändern und verbessern würden, dann wäre heute Malt Whisky schon viel teurer.

    Die SWA, der Industry Body, beschließt in sich, was geht und was nicht. Das kann im Fall Cardhu auch einmal zu heftigem, internen Streit führen. 98% allen abgefüllten Whiskys stammt aus diesen organisierten Unternehmen. Nur die Kleinsten, der Kleinen sind nicht in der SWA organisiert.

    Einen dieser Kleinen kenne ich. Er stellt alte Fassdauben zusätzlich in seine reifenden Fässer hinein. Was ist der Unterschied zwischen Chips und zusätzliche Fassdauben?

    Gruß
    Horst Lüning
    Gruß Horst Lüning Admin, Whisky.de
  • Inquisitor User Inquisitor Dabei seit: 21.07.2008Beiträge: 601Flaschensammlung:Inquisitors SammlungBewertungen: 0
    Optionen
    "Apulia" schrieb:
    Wenn er denn sein Produkt Whisky nennen will, so sollte der Hersteller tunlichst ein Fass nutzen - schreibt doch das Gesetz vor, das ein Destillat aus Gerste (oder Weizen bei Grain W.) sich erst dann Whisky nennen darf, wenn es mindestens 3 Jahre in einem Fass aus gebrauchter Eiche gelegen hat....(bzw zwei Jahre in einem Fass aus neuer amerikanischer Weißeiche in den USA als Mindestregel) ...


    Noch zwei Bemerkung: grain oder cereals sind alle möglichen Arten von Getreide, so u.a. Reis, Weizen, Mais, Hirse, Roggen, Hafer und natürlich Gerste. Ich bin mir sicher, dass in eine patent still alle möglichen Arten reingeschmissen werden und nicht nur Gerste und Weizen.
    Das Fass muss auch nicht gebraucht sein. So verwenden viele Destillen auch anteile von frischer Eiche (europäische, wie amerikanische)- :wink:
  • Unbekannt Dabei seit: -Bewertungen:
    Optionen
    "Horst_S" schrieb:
    Wo wollen Sie die Grenze bei diesen Versuchen ziehen? Wenn sich die Schotten nie verändern und verbessern würden, dann wäre heute Malt Whisky schon viel teurer.


    Für mich verläuft die Grenze dort, wo man einem Produkt die Seele raubt. Und Holzchips sind für mich kein Seelenraub, sondern schon eher ein Massaker. Man möge mir meine rosarote Brille vergeben.
    Ich hoffe, dass es genügend Schotten an den "Hebeln" der Whisky-Herstellung gibt, die das (bei aller Sparsamkeit) ähnlich sehen. Wie die Konzernzentrale (in England, USA, Japan, Indien oder sonstwo) denkt und handelt, das ist wieder eine ganz andere Geschichte...
  • Ralf Scholze User Dabei seit: 12.11.2005Beiträge: 95Bewertungen: 0
    Optionen
    "Inquisitor" schrieb:
    "Apulia" schrieb:
    Wenn er denn sein Produkt Whisky nennen will, so sollte der Hersteller tunlichst ein Fass nutzen - schreibt doch das Gesetz vor, das ein Destillat aus Gerste (oder Weizen bei Grain W.) sich erst dann Whisky nennen darf, wenn es mindestens 3 Jahre in einem Fass aus gebrauchter Eiche gelegen hat....(bzw zwei Jahre in einem Fass aus neuer amerikanischer Weißeiche in den USA als Mindestregel) ...


    Noch zwei Bemerkung: grain oder cereals sind alle möglichen Arten von Getreide, so u.a. Reis, Weizen, Mais, Hirse, Roggen, Hafer und natürlich Gerste. Ich bin mir sicher, dass in eine patent still alle möglichen Arten reingeschmissen werden und nicht nur Gerste und Weizen.
    Das Fass muss auch nicht gebraucht sein. So verwenden viele Destillen auch anteile von frischer Eiche (europäische, wie amerikanische)- :wink:



    Vorsicht, man kann auch aus anderen Getreidesorten geniale Brände erzeugen und bitte nicht vergessen, den Whisky verdanken die Schotten den Holländern. Hätte William von Oranien als Britischer König, den alten hatten die Englädner vor die Tür gesetzt ( natürlich setzten die Schotten mal wieder auf den Looser) nicht den Genever auf die Insel geholt und wäre das Gesöff nicht so populär geworden, die Steuern auf BBrände wären nicht so explodiert und auch nicht Mindestgrößen für Still pot vorgeschrieben worden.

    lg

    ralf
Anmelden oder Registrieren, um zu kommentieren.