Russel´s Reserve Small Batch Kentucky Straight Bourbon 10yo

  • Dr.Bourbon
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    Liebe Whiskygemeinde!


    Heute nun gebe ich meinen Einstand im Bereich Tastings. In diesem Bereich werdet Ihr sicherlich noch einiges von mir hören, denn das macht mir eigentlich den meisten Spaß. Der Bourbon, den ich hier verkoste, habe ich hier im Shop erworben.

    "Russel´s Reserve" heisst zwar nicht Wild Turkey, stammt aber von Wild Turkey, denn Jimmy Russel ist bzw. war der Master Destiller der Destille, welche sich seit 1971 so nennt und vorher die JTS Brown Distillerie war, welche für die Marke Wild Turkey produzierte, gebaut im Jahre 1905 laut Jim Murray, gekauft in diesem Jahr von den Ripy Brüdern, und vorher als Old Moore Distillerie bekannt, sagt das Buch von Gary Regan, die Informationen sind etwas verworren, ich tendiere zu der Version von Gary Regan, dass die Ripy-Brüder das bereits existente Teil kauften. Deren Vater hatte 1869 schon Whisky gebrannt, und einer der Ripy-Nachfahren war auch der Lehrmeister des legendären Jimmy Russel, nach dem der Bourbon hier benannt ist. Laut Murray wiederum ist der ein derartiger Meister seines Fachs, dass er anhand der Form der aufsteigenden Blasen fast auf die Minute sagen kann, wie lange die Maische fermentiert hat, verrückt, was?
    Der Name Wild Turkey entstand übrigens wohl durch Thomas McCarthy, den Besitzer der Austin, Nichols & Company Inc., einer Importfirma, der seinen 8-jährigen Lieblingswhiskey Wild Turkey taufte, vermutlich, weil er ihn damals Freunden zur Truthahnjagd mitbrachte, welchen der Stoff wohl vorzüglich mundete. Schließlich machten die Destillate von JTS Brown den Löwenanteil der verwendeten Whiskies aus, und dann, 1971 eben nannte man sie dann auch so. Austin, Nichols & Company Inc. brachte Wild Turkey dann bis 1980 auf den Markt, als das Unternehmen dann Pernod Richard übernahm, 2009 ging es dann an Campari.

    Kommen wir aber zum Wesentlichen, dem Tasting. Ich habe den guten Stoff schon so ca. ein Stündchen im Glas, schließlich ist die Flasche frisch und er soll ja ein bisschen Luft holen.


    Nase: Was ich von vielen Schotten kenne, drängt sich auch hier zunächst in den Vordergrund, Zitrusnoten. Damit habe ich eigentlich nicht gerechnet, ich dachte eher an Holz, Vanille, Karamell, aber gut. Unter dieser Zitrusnote, die meine Nase kitzelt, dann das Karamell, helles, saftiges Karamell, keine Röstaromen für mich schmeckbar, weich, dezent - angenehm, Tendenz in Richtung etwas Banane eventuell. Und dann ist da Vanille. Sehr lecker. Riecht man genauer hin, dann eröffnet die Zitrusnote näher aufgespalten differenzierte Noten von Früchten, so was in Richtung bittere Orangenmarmelade nach englischem Vorbild oder Orangenschale, vielleicht auch so was in Richtung säuerliche Birne. Was man als der "Herbe" der Orange wahrnimmt, kann man auch mit dem Wort herbal beschreiben und da verschiedene Gewürze mit ´reininterpretieren, muss man aber nicht, wenn aber doch, dann lässt das an Rosmarin denken. Hier zeigen sich vermutlich die Tannine des frischen Holzes, die ja so prinzipiell den Malt vom amerikanischen Whiskey trennen sollte. Bestimmende Noten jedenfalls herbe Orange, Vanille, Karamell. Das ist weiß Gott eine schöne Nase, die einen sehnsüchtig an den ersten Schluck denken lässt, und sie enthält eines sicherlich nicht: Klebstoffnoten oder Sprit. Zum Glück, das hasse ich nämlich wie die Pest.

    Der Geschmack: Schön kräftig und wärmend kommt er daher, und ich mag das, ich finde auch beim Scotch, er sollte eben nicht unter 45Vol% abgefüllt werden, beim Bourbon macht man das öfters richtig, zumindest bei dem, was ich bislang so gesehen habe. Vanille ist sehr präsent, auch ein leicht trockenes geröstetes Holz, Karamell im Geschmack eher dunkel mit Röstaromen, feine Orange findet sich eher im Hintergrund, etwas Süßholz, vielleicht etwas Kerzenwachs, man beginnt unwillkürlich genüsslich zu schmatzen, wenn man ihn trinkt, trocken, mundwässernd, knackige leichte Alkoholschärfe, gut ausbalanciert, gefällt mir. Das ist sicher nicht der beste Geschmack der Welt und so auch nicht der beste Bourbon dieser Welt, aber den könnte ich sehr gut mal einen Abend lang trinken wenn es später wird im Sommer.....hmmmmmm!, und Russel ist sicherlich nicht ganz unglücklich mit der Verwendung seines Namens, den hätte man weiß Gott auch ´nem unglücklicheren Gesöff geben können.

    Abgang: ist lang, wärmend und kräftig, so wie ich das mag, vergisst man das Zähneputzen, so wir man ihn am Morgen danach noch im Rachen haben, so muss es sein, es bleibt viel Süße und Karamell, ein fein trockener Rest von Holz, sehr sehr lecker. Und am trocknenden Glas kann ich zumindest mich nicht sattriechen.

    Tja, Mädels, der erste von mir verkostete Bourbon schneidet recht ordentlich ab, ich kenne hier noch kein allgemeingültiges Punktesystem, und so mache ich es mir mal einfach, ich gebe bei maximal 10 Punkten jeweils 8 für eine schöne Nase, 7 für einen leckeren, wenn vielleicht auch nicht herausragenden Geschmack, und noch einmal 7,5 für einen schönen Abgang. Das sind dann 22,5 von 30 Punkten, kein schlechtes Ergebnis. Ich habe mir gerade nochmal einen eingeschenkt, den ich jetzt genieße, während ich das Geschriebene noch einmal Revue passieren lasse. Leute, das ist guter Stoff, den kann man nicht nur trinken, den WILL man trinken. Da die Flasche nun mal offen ist, könnt Ihr Euch natürlich bei Interesse gerne melden, ich seh´ dann, dass ich Euch irgendwie ein Sample zukommen lasse. Hat mich jedenfalls sehr gefreut, dieses erste Stöffchen für Euch zu verkosten, ich melde mich bald wieder.


    Euer Dr. Bourbon


    ....und wundert Euch nicht, wenn Ihr bei einem anderen Whiskyforum denselben Bericht lest, da heiße ich auch genauso wie hier, das ist also MEIN Bericht.  :mrgreen:

    Getaggt:
    DidierDerDennis2 gefällt das
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