Kann mir jemand das Phänomen Octomore erklären?

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  • AlexM User AlexM Dabei seit: 15.04.2019Beiträge: 755Bewertungen: 0
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    @HolgerT. Du musst dir die Filme ja nicht anschauen...


    @HellNo ich konnte bisher nur den 10yo probieren. Den fand ich mega gut.

  • Tier User Tier Dabei seit: 28.09.2016Beiträge: 2,838Bewertungen: 0
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    AlexM schrieb:

    @HolgerT. Du musst dir die Filme ja nicht anschauen...

    Ähm ... und auch umgekehrt (Film/Marketing/was auch immer sonst).

    Keiner muss sich das Ardbeg/Bruichladich-Marketing reinziehen - es ist noch immer eine freiwillige Handlung.

    Aber am gemeinsamen Stammtisch ruft der eine dann eben "Nur Bayern ...", der andere "Nur Dortmund ..." und aktuell wenige "Nur Stuttgart ist toll".

    Und so ganz komische Leute bewerten spontan einfach nur die aktuelle Mannschaftsleistung, weil sie die "Sache" (den Sport) ohne tiefgreifenden Fanatismus (warum interessiert mich überhaupt, was andere über meine Präferenz denken? Und welchem Konstrukt "huldigt" man dabei eigentlich tatsächlich?) interessiert verfolgen und auch wertschätzen können.

    Ardbeg macht für mich leckeres Zeug, Bruichladich macht für mich leckeres Zeug.

    Warum ich welches Zeugs nun lieber kaufe,, das ist meine persönliche Entscheidung und ich persönlich habe auch zumindest kein wirkliches Interesse, diese erklären zu wollen. Warum sollte ich auch? Ich trinke das (wiederholt), was mir schmeckt und ich als preislich für mich vertretbar empfinde. Ich fühle mich hier selten (Senft) in einer Aufklärungspflicht.
    Das Now-drinking-Thema bietet doch ohnehin den perfekten Platz, den individuellen Eindruck begründet mitzuteilen. Den Kram drumrum ausgeblendet im Gaumen nachvollziehbar mitgeteilt.

    Das Archiv


    Diskussionen über das Klima in Foren sind ein adäquater Ersatz für die fehlende Konversation über das Wetter.

  • Nosingbär User Nosingbär Dabei seit: 17.06.2015Beiträge: 1,937Flaschensammlung:Nosingbärs SammlungBewertungen: 28
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    FirstFill schrieb:

    man soll wohl ab einer bestimmten ppm Anzahl den Rauch nicht mehr als intensiver wahrnehmen. Da kommt wohl der Geruchssinn an seine Grenzen. Ich fand auch den Octo, den ich mal probierte nicht rauchiger als ein Laphi oder Ardbeg. 


    Das denk ich auch. Der eine Octomore den ich probiert hab, war für mich persönlich deutlich weniger rauchig als ein Laphroaig, Ardbeg oder sogar Caol Ila.


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  • AlexM User AlexM Dabei seit: 15.04.2019Beiträge: 755Bewertungen: 0
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    Tier schrieb:
    AlexM schrieb:

    @HolgerT. Du musst dir die Filme ja nicht anschauen...

    Ähm ... und auch umgekehrt (Film/Marketing/was auch immer sonst).
    [...]
    Ähm... wie meinen?


  • JackieMoon
    Themenersteller
    User JackieMoon
    Dabei seit: 08.12.2017Beiträge: 154Flaschensammlung:JackieMoons SammlungBewertungen: 0
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    HolgerT. schrieb:

    Ehrlichgesagt verstehe ich die Frage nur teilweise:

    Ardbeg hat mit Uigeadail, Corryvreckan und Supernova drei Rauchschwergewichte im Rennen, welche sich prächtig verkaufen (sofern wie im Falle SN erhältlich).

    Laphroaigs 10er CS ist auch Jahr für Jahr hochgelobt und zügig ausverkauft - wohl nicht ganz ungewollt...

    Lagavulins Fasstärke ist ebenfalls seit Jahren eine feste Grösse bei den Torfmonstern.

    Böse Zungen könnten behaupten, dass Bruichladdich mit den Octomören den anderen Islayern etwas vom Kuchen abjagen möchte - und wohl auch relativ erfolgreich macht, aber sooo besonderes finde ich die Abfüllungen auch nicht, dass ich sie über die vorher genannten stellen würde.


    Die Antwort steckt doch in der Frage, da verkauft keiner einen Whisky unter 7 Jahren in Richtung 150 EUR.


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  • AlexM User AlexM Dabei seit: 15.04.2019Beiträge: 755Bewertungen: 0
    , letzte Änderung 14. November 2019 um 13:17
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    Eben habe ich noch was gelesen, was aus soziologischer Perspektive Antwort auf die im Titel formulierte Frage „Kann mir jemand das Phänomen Octomore erklären?“ geben kann und auf den in anderen Threads angesprochenen Hype um verschiedene Whiskys bzw. Destillerien ebenso zutreffen mag.


    In dem Buch des Soziologen Andreas Reckwitz "Die Gesellschaft der Singularitäten" heißt es dort zum Besonderen und Allgemeinen: „[...] Es mag zunächst ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke sein, der aber unbedingt betont werden muss: Singularisiert werden gewiss auch, aber keineswegs nur menschliche Subjekte, weshalb der klassische, für Menschen reservierte Begriff der Individualität nicht mehr passt. Die Singularisierung umfasst eben auch in ganz besonderem Maße die Fabrikation und Aneignung von Dingen und Objekten als besondere.“ (Ebd., Die Gesellschaft der Singularitäten, 2018, S.12). Um nun herauszubekommen, wieso Menschen Dinge als besonders erachten, wo doch Kant schon dargelegt hat, dass das Besondere immer ein Blickwinkel auf das Allgemeine darstellt, warnt Reckwitz vor zwei Haltungen, die dem Erkenntnisgewinn nicht zuträglich sind: Der Mystifizierung und der Entlarvung!

    Denn, so schreibt weiter, „Die mystifizierende Haltung gegenüber Besonderheiten, die in der sozialen Welt der Kunstbetrachter und religiösen Gläubigen, der Charismabewunderer und Liebenden, der Musikfans, Markenfetischisten und unbeirrbaren Lokalpatrioten verbreitet ist, setzt voraus, dass das, was ihnen wertvoll ist und sie fasziniert, gewissermaßen in ihrer natürlichen Essenz und unabhängig vom Betrachter wirklich authentische und einzigartige Phänomene sind.“ (Reckwitz, Andreas, Die Gesellschaft der Singularitäten, 2018, S.12). Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Singularitäten kurzerhand objektiv oder subjektiv vorhanden sind, sondern durch und durch sozial hergestellt und aufrechtgehalten werden. Demnach gilt es, „[…] die Prozesse und Strukturen der sozialen Logik der Singularitäten zu rekonstruieren.“ (s.o., S.13)


    Diese Prozesse und Strukturen aufzudecken bedeutet aber auch nicht, diese deduktiv zu entlarven und „den Singularitäten dadurch ihre Realität abzusprechen und diese als bloßen Schein oder ideologisches Konstrukt zu enttarnen.“ Ich denke, dass wir diesen beiden Denkweisen (die Mystifizierung und Entlarvung) hier im Thread durch unterschiedliche Kommentare begegnen können. Denn, so auch Reckwitz weiter, „Diese Haltung der Entlarvung tritt nicht selten im Gewand der Kulturkritik auf. Genüsslich meint man demonstrieren zu können, dass die scheinbaren Einzigartigkeiten der anderen tatsächlich nur weitere Exemplare allgemeiner Typen darstellen.“ (ebd., S.13).  Dass es bei der Erforschung von Singularitätsprozessen nicht um einen Entlarvungsreduktionismus im kantianischen Sinne handelt, begründet Reckwitz mit berühmten „Thomas-Theorem“. Diese lautet: „Wenn die Menschen Situationen als wirklich definieren, sind sie in ihren Konsequenzen wirklich.“ (Vgl. Thompson, Michael; Rubbish Theory. The Creation and Destruction of Value, 1979). Ich denke auf unseren Diskurs hier lässt sich es auf die oft zitierte Phrase „Geschmäcker sind halt und zum Glück unterschiedlich!“ runterbrechen.


    Um es aber nicht bei dieser platten Alltagsphrase zu belassen, möchte ich folgenden Gedanken Reckwitz’s noch mit auf den Weg geben: „Die Kritik, welche einzelnen Singularitäten den Wert des Besonderen abspricht, kann und muss selbst soziologisiert werden: Sie ist ein charakteristischer Bestandteil der Bewertungsdiskurse der Gesellschaft der Singularitäten.“ (Ebd., S.14). Denn, „generell gilt: Die gesellschaftliche Bewertung von etwas als singulär oder als Exemplar des Allgemeinen sind hochgradig mobil und beschäftigen die Spätmoderne in enormen Ausmaß, ja, man könnte sagen, dass diese regelrecht zur Valorisierungsgesellschaft geworden ist.“ und „In der Gesellschaft der Singularitäten gehen Prozesse der Singularisierung und der Entsingularisierung Hand in Hand. Sie bekräftigen damit aber, was als wertvoll gilt: nicht das Allgemeine, sondern das Besondere.“ (Reckwitz, Andreas, Die Gesellschaft der Singularitäten, 2018, S.14).

  • Catweazl User Catweazl Dabei seit: 17.12.2018Beiträge: 507Bewertungen: 1
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    @AlexM Also mit dem Post nominiere ich Dich auf jeden Fall zum Beitrag des Monats :razz::mrgreen:




    Intelligenz ist auf diesem Planeten eine feste Größe. Blöderweise verteilt sie sich auf immer mehr Menschen.

    AlexMPotstill2 gefällt das
  • AlexM User AlexM Dabei seit: 15.04.2019Beiträge: 755Bewertungen: 0
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    @Catweazl 

    Catweazl schrieb:

    @AlexM Also mit dem Post nominiere ich Dich auf jeden Fall zum Beitrag des Monats :razz::mrgreen:


    Merci. :redface:

    War trotz der zwei Stunden Arbeit doch Freude, das mal aufzubereiten ! 

    Kann das Buch auch nur jedem empfehlen!!!

    Catweazl gefällt das
  • Potstill User Potstill Dabei seit: 22.03.2019Beiträge: 1,327Flaschensammlung:Jäger&SammlerBewertungen: 1
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    AlexM schrieb:

    @Catweazl 

    Catweazl schrieb:

    @AlexM Also mit dem Post nominiere ich Dich auf jeden Fall zum Beitrag des Monats :razz::mrgreen:


    Merci. :redface:

    War trotz der zwei Stunden Arbeit doch Freude, das mal aufzubereiten ! 

    Kann das Buch auch nur jedem empfehlen!!!

    Also ich war schon froh es verstanden zu haben ....glaub ich :redface:
    Sso, jetzt wieda Rosalinde Pichler oder wie die heißt ...:wink:
    Edith sacht : @AlexM , es könnte so sein !


    Ich weiß ,dass ich nichts weiß....aber da bin ich mir auch nicht so sicher !
  • Legge User Dabei seit: 03.04.2015Beiträge: 51Flaschensammlung:PalettenwareBewertungen: 0
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    Um meinen Senf dazuzugeben und zurück zum Thema zu kommen :wink: :

    Ich sehe das Phänomen und die damit verbundenen vergleichsweise hohen Kosten pro Jahr Reifung von 2 Punkten aus:


    1. ist es extrem aufwändig ständig in so kleinen Batches zu produzieren, noch dazu so aufwändig wie es Bruchladdich (offiziell) ohnehin macht. Das kostet alles sehr viel Zeit und somit Geld und das Verwalten so vieler grundverschiedener Fässer ist sicherlich ein irrer Aufwand, ganz zu schweigen von deren Beschaffung. Da ist es viel effizienter abertausende Liter für Uigeadail & Co zu produzieren (hat natürlich auch seine eigenen Herausforderungen).


    2. Lebt hier das Prinzip Angebot&Nachfrage. Solche Whiskies gibt es sonst nicht und die Whiskygenießer sind happy ständig neues probieren zu dürfen. Klar gibt es viele Whiskies für weniger Geld und/oder mehr Jahre aufm Buckel, die mindestens gleich gut sind, aber wollt ihr immer das gleiche trinken? Denn vergleichen mit anderen Marken ist bei so etwas extremen eher unmöglich (bzw. ungerecht)


    Nachdem ich meinen ersten Octomore probiert hatte (weiß die genaue Abfüllung nimmer), hab ich mir immer gedacht, dass ne Flasche daheim viel zu viel ist. Dann hab ich mir aber den Dialogos von 2018 gegönnt und bin begeistert! Der geht natürlich nicht jeden Tag, aber mir ist er den Preis (160€) tatsächlich wert. Ob meine anderen, noch geschlossenen, Flaschen in der Preisklasse mithalten können wird sich noch zeigen. Er ist vielleicht nicht mein für mich bester offener, aber der für mich speziellste.

    HasturAlexM2 gefällt das
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