The Whisky Blog

Whisky und Alkohol

Zwischen den Jahren habe ich privat mit ein paar nicht so im Whisky bewanderten Freunden eine Blindprobe veranstaltet. Verkostet haben wir drei sehr sherrylastige, schottische Single Malts.


Royal Lochnagar Distiller's Edition

Glenlivet 1995 von Signatory Cask 144362

Macallan 18J-1989


Ein paar Worte vorweg zu den Single Malts. Der Royal Lochnagar ist der Einzige unter den Dreien, der sowohl in amerikanischen Ex-Bourbonfässern reifen als auch in europäischen Ex-Sherryfässern nachreifen durfte. Obwohl er absolut gesehen ein intensives Sherryaroma verströmt, so fällt er im Antritt hinter den anderen beiden zurück.


Der Glenlivet von Signatory ist eine Einzelfassabfüllung. Hier wurde Single Malt für 15 Jahre in einem erstbefüllten Sherryfass gereift. Er ist auch der Einzige unter den Single Malts, der nicht kühlgefiltert in die Flasche gefüllt wurde.


Der dritte im Bunde war der 18-jährige von Macallan. Er wird nicht fassrein sondern aus einem Batch von 50 Fässern – allesamt ehemals befüllt mit Oloroso Sherry – abgefüllt.


Wir machten sich denn die Whiskys so icon_question.gif


Alle drei sind hervorragende Single Malts. Und auch wenn die Herkuft der Single Malts (Schottland, Highlands, dunkle Sherryfässer) sie auf dem Papier vergleichbar macht, so haben wir doch drei grundsätzlich verschiedene Malts vor uns.


Als Reihenfolge hatte ich aus meinen Vorverkostungen die oben angegebene Reihenfolge festgelegt. Doch anstatt nun alle einzeln durchzuprobieren hat jeder drei Gläser mit Aromadeckeln vor sich bekommen. So haben wir zuerst alle drei Malts nur verrochen und erst anschließend verkostet.


Der Royal Lochnagar ist der 'weichste' unter den Dreien. Die vergleichsweise kurze Zeit in europäischem Holz lässt den Sherry nicht so deutlich werden. Doch das Muskataroma konnte der eine oder andere als nussig beschreiben. Auch die geringere Reifezeit von 12 oder 13 Jahren, meist wohl in 1st und 2nd Fill Ex-Bourbonfässern, lässt die Eichenaromen nicht überhand nehmen.


Der Glenlivet wurde durch die deutlich längere Reifezeit und das Einzelfass als deutlich kräftiger empfunden. Die fehlende Kühlfilterung und die stärkeren 46% sorgten für einen deutlich kräftigeren Antritt. Im Grunde ist aber Glenlivet eine typische Speyside-Brennerei, die die Gaumen der Kundschaft nicht überfordert. Obwohl stark, bleibt der Malt vergleichsweise weich.


Schon beim Macallan 12 Jahre – eine meiner Weihnachtsflaschen aus 2008 - fiel mir der kräftige Brennerei-Charakter - also die Aromen des Malts, die aus dem Rohbrand stammen - massiv auf. So auch beim 18-Jährigen. Obwohl sehr komplex und mit reichlich Sherry und Eiche ausgestattet, ist der Brennereicharakter immer noch sehr präsent. Ein Single Malt, der noch eine Menge Reifepotenzial hat, um auch nach 25 oder 30 Jahren nicht nur noch nach Eichenfass und Sherry zu schmecken. Für viele ist der 18-Jährige aromentechnisch gerade richtig. Brennereicharakter und Fassreife sind auf selbem Niveau.


Doch kommen wir zum Titel 'Whisky und Alkohol' dieses Threads zurück. Für die Anfänger in der Verkostungsrunde war in allen drei Single Malts der Alkohol das dominante Aroma. Es fiel Niemandem schwer die drei Stärken (40%, 46% und 43%) blind auseinander zu halten. Während wir langjährige Kenner den Alkohol bereits gut ausblenden können und die Aromen im Hintergrund suchen, bleibt für den Neuling der Alkohol zunächst dominant und überdeckt die anderen 'Gerüche'. Auch auf der Zunge der Neulinge treibt der Alkohol sein Unwesen und betäubt sehr schnell. Wenn man sich als Kenner einmal zurück nimmt und versucht sich neben sich selbst zu stellen und so zu riechen, dann kann man den Alkohol wieder wahrnehmen. Und in genau diesem Moment half den Einsteigern die Verdünnung mit stillem Wasser weiter. Der scharfe Alkohol trat hinter den anderen Aromen zurück und sie erlebten eine tolle Aromenreise.


Gibt es eine Reihenfolge icon_question.gif Welcher Malt war der Beste icon_question.gif


Das mag ich nicht wirklich rauslassen. Meine persönliche Wertung entspricht der oben genannten Verkostungsreihenfolge. Aber es waren auch Personen dabei, die das milde Aroma des nachgereiften Royal Lochnager als bestes empfanden.


Alle drei sind Single Malts auf dem höchsten Niveau der Brenn- und Reifekunst.