The Whisky Blog

Alles Rolex

Wenn man Menschen regelmäßig trifft, dann kann man Vieles an ihnen mengenmäßig abschätzen. Die Anzahl an unterschiedlichen Anzügen oder Kostümen, die Anzahl an verschiedenen Schuhen und bei den Männern vor allem die Anzahl an Uhren. Schmuck tragen ja ansonsten die wenigsten. Sieht man einmal von den Panzerkettenträgern und den Getackerten einmal ab ... Und wie oft wechselt man schon Eheringe icon_question.gif icon_wink.gif


Ich hatte schon immer etwas für Uhren übrig. Allerdings trug ich nie diese Modeschmuckuhren mit dem farblich passenden Band zum Hemd. Nein - Als Jugendlicher kaufte ich mir als Testosteron-Junkie eine James Bond Uhr von Seiko. Eine der ersten mit diesem nervigen Piepser. Und als die dann nach einem Dutzend Jahren den Geist aufgab, blieb ich der Marke ein zweites Mal treu. Zusammen mit meinen beiden hochbeanspruchten Kinderuhren kam ich bis dahin auf vier Uhren in meinem Leben. Immerhin doppelt so viele, wie mein Großvater im ganzen Leben hatte.


In den 90ern durfte ich mir dann - es war ein Geschenk von nahen Verwandten - eine Uhr aussuchen. Der Preis spielte (fast) keine Rolle. Was sollte ich also nehmen? Es wären sicherlich auch zwei oder mehr 'normale' Uhren drin gewesen. So zum Wechseln. Eine für werktags und eine für die Sonntage und eine dritte für den Feiertag. Und dann war da ja noch meine alte, funktionierende Uhr. Ich hätte mir eine schöne Kollektion an Uhren zusammenstellen können.


Doch nein. Ich entschied mich anders. Ich entschloss mich für eine Rolex Submariner in Edelstahl. Damals war diese Uhr für rund 2.000 Euro (für die Experten: mit Datum und Lupe) richtig teuer. Bonzig, protzig! Doch heute, wenn ich mich in meiner Umgebung so umsehe, so finde ich diese Submariner immer häufiger am Armgelenk meiner Gegenüber. Obwohl sie heute schon für fast 4.000 Euro im Schaufenster liegt.


Wer jetzt an Fakes denkt, den muss ich enttäuschen. Der Kenner kann ein Plagiat von einer echten Rolex durchaus unterscheiden. Das mechanische Werk des Originals bewegt den Sekundenzeiger mehrfach pro Sekunde in einer gleitenden Bewegung, wogegen die Quarzwerke aus Fernost den Zeiger nur einmal pro Sekunde springen lassen.


Die gespürte Häufung dieser Uhren mag nun daran liegen, dass unser Wohlstand zugenommen hat und man(n) sich immer öfter eine Rolex leisten kann. Es wird aber auch daran liegen, dass diese Uhren nicht so schnell kaputt gehen, entsprechend vererbt werden, und damit der Bestand an den Handgelenken der Deutschen zunimmt. Schließlich feiert Rolex in diesem Jahr bereits seinen 100. Geburtstag. Man hängt es aber nicht an die große Glocke und bringt auch keine Sondermodelle heraus. Understatement ist angesagt.


Egal wie - eine Rolex Submariner ist heute nichts Besonderes mehr. Zu vergleichen vielleicht mit Mercedes. Diese Wagen sieht man auch häufiger und man muss schon eine Menge Geld ausgeben, um so etwas zu erwerben. Doch würde ich als hauptamtlicher Geizkragen (hoppla - als wirtschaftlich denkender Mensch) mir heute selbst eine Rolex kaufen icon_question.gif


Ja icon_exclaim.gif


Warum dies? Jedes Produkt muss man mit seinen Kosten pro Tag oder pro Stunde sehen. Und meine Rolex ist im Vergleich zu meinen früheren Uhren schier unverwüstlich. Statt alle paar Jahre eine Uhr für 200 Euro zu kaufen, würde ich mir heute, wenn ich es selbst bezahlen müsste, eine Einsteiger-Rolex für 1.500 bis 2.000 Euro kaufen.


Einmal Rolex - Alles klar icon_exclaim.gif


Nie wieder eine andere Uhr! Das hat schon etwas mit Konservativismus zu tun. Das trägt auch eine Aussage in sich. Man trägt die Uhr unter dem Pullover oder unter der Manschette und so fällt sie gar nicht auf. Man hat eine Rolex und muss damit nicht Protzen. Ok, ok, nicht alle Rolexträger denken so. Es gibt auch die Rolex aus Gold mit 100 Diamanten.


Addieren Sie einmal die Kosten für ein Dutzend Modeuhren auf. Ganz schnell ist man beim Gegenwert einer Rolex angekommen. Letztlich saß ein Jugendlicher neben mir im Urlaubsflieger. So mir nichts dir nichts kaufte er sich - per Kreditkarte versteht sich - eine neue Uhr im Angebot für 179 Euro. Das scheint heute so üblich zu sein. Nach ein paar Jahren passt die Uhr nicht mehr zum Modestil und so muss eine neue her. Und dieses Spiel geht ewig weiter.


Eine Rolex ist dagegen für die Ewigkeit. Alle 20 Jahre ein neues Armband und hin und wieder einen Ölwechsel für das mechanische Werk und Ihre Rolex wird Sie nie enttäuschen. Verlieren oder sich stehlen lassen sollte man sie sich halt nicht. Und bei kritischen Situationen fern im Urwald oder in einer Wüste, gilt eine Rolex auch als zweite Währung und kann einem damit das Leben retten.