The Whisky Blog

MIDs - Mobile Internet Devices

Wer wie ich seit 1975 mit Computern unterwegs ist und seit dem Beginn des Internets in Deutschland 1989 Daten überträgt, der möchte auch unterwegs mobile Rechenleistung nutzen.


Ende der Siebziger besaß ich zwei programmierbare und damit mobile Taschenrechner. Zunächst einen TI-57 und dann einen HP41C. Doch zum Titel - Mobile Internet Devices - taugten beide nicht. Schließlich gab es das Internet noch nicht und eine Funk-Datenübertragung auch nicht. Doch ich hatte mobile 'Rechenleistung'.


Mein erster, mobiler, wirklicher Computer war im Jahr 2003 ein Palm. Und zwar einer der ersten mit Farbanzeige. Ich bin mir beim Typ nicht mehr sicher. Es müsste der Tungsten E gewesen sein. Dazu hatte ich ein Siemens Mobiltelefon und über eine Infrarotschnittstelle konnte man mit dem Palm über das Siemens S55 sogar ins Internet gehen. Dazu hatte ich noch einen GPS-Empfänger, eine so genannte GPS-Maus, mit Kabel.


Zum Palm habe ich mir die Version 1.0 des Navigationssystems TomTom gekauft und ging so mit dem Motorrad nicht mehr verloren. Mit dem Internet-Zugang konnte ich mir über WAP (wetteronline.de) sogar die Radarbilder mit den Regengebieten auf den PDA herunterladen. Am Ende war es aber nicht viel mehr als Spielerei und das Befriedigen des Wunschs, mobil nicht nass zu werden und auch nicht verloren zu gehen. Wie oft habe ich das Teil eingesetzt? Nicht viel öfter als ein Dutzend Mal. Das war's dann auch schon gewesen. Ich habe PDA, TomTom und die GPS-Maus nach wenigen Monaten zu 66% des Anschaffungspreises wieder vertickt. Die Stecker hielten nicht gut, das Display war zu dunkel für das Motorrad und TomTom war damals alles andere als ein gutes System. Man konnte immer nur sehr kleine Kartenausschnitte auf den Palm laden. Viel mehr als ein Landkreis war bei dem kleinen Speicher von 32MB nicht drin. Dazu war die Benutzerschnittstelle des PalmOS nicht meine. Ich kam damit nicht wirklich gut zurecht.


Es dauerte dann bis 2006, bis ich mit dem zweiten Anlauf mir einen HP iPAQ hx2490 zugelegt habe. Tolles Display, jede Menge Speicher (10 GB Karten) und eine ordentliche Akkulaufzeit. Dazu eine Bluetooth GPS-Maus und ich war genauso mobil, wie zuvor. Doch Windows Mobile 5.0 ist eine üble Krücke. Kaum ein Tag vergeht, an dem man keinen Reset auf den PDA ausführen muss. Einzelne Applikationen sind ok, aber ich würde mich nie auf die Daten in diesem Gerät verlassen wollen. Im rechten Moment kommt man halt nicht ran und muss frisch booten.


Mittlerweile habe ich diesen iPAQ durch mein Samsung i8910 HD Smartphone ersetzt. Insgesamt habe ich nun 24 GB Speicher, ein tolles, funktionierendes Navi, einen eingebauten GPS-Empfänger und ich kann sogar telefonieren und mit 8 Megapixeln fotografieren. Aus zwei Geräten (Mobiltelefon/Internetzugang und PDA) habe ich ein gemeinsames MID (Mobile Internet Device) gemacht.


Doch einen Nachteil hat das Samsung. Obwohl es lt. Focus Test einen der besten verfügbaren Bildschirme hat, bleibt es zum Surfen doch reichlich klein. Und dabei ist es egal, ob man nun ein iPhone oder ein anderes Smartphone besitzt. Die Bildschirmfläche bleibt mit den drei bis vier Zoll in der Diagonalen begrenzt.


Nun sind in der Zwischenzeit ein paar Geräte mit 5 bis 8 Zoll Diagonale auf den Markt gekommen. Doch die sind für die Hosentasche irgendwie zu sperrig.


Also habe ich mir meinen lang gehegten Wunsch erfüllt und mir einen Tablet PC angeschafft. Sehen sie hin und wieder die Serie Star Trek? In den neueren Folgen laufen sie mit so kleinen, blau leuchtenden Geräten durch die Gegend. Um so eines ging es mir. Geworden ist es nicht der vom iPod zum iPad aufgeblasene, neueste Spross aus der Apfelfirma. Nein, ich habe mir nach den sehr guten Erfahrungen, die wir gerade mit Windows 7 machen, einen Archos 9 (9 Zoll Diagonale) mit Win7 Starter Edition gekauft. In ihm werkelt, wie in den Netbooks, ein Atom Prozessor mit 1 GHz und 1 GB Speicher. Das Besondere ist das vollkommene Fehlen einer Tastatur. Das macht das Gerät handlich aber nur halbwegs gut geeignet zum Schreiben auf dem virtuellen Keyboard. Surfen kann man gut und Google Maps geht auch. Aber schon das Schreiben einer längeren E-Mail oder das Antworten hier im Forum macht nicht wirklich Spaß. Das Schreiben geht sogar auf meinem Samsung Smartphone mit seinem kapazitiven Touch Screen besser. Wenn man mal etwas mehr mit Tastatur machen will, dann kann man eine USB-Tastatur anschließen. Klappt einwandfrei. Wenn man den Archos 9 jedoch mit Software voll lädt, dann kommt der Atom-Prozessor ganz schön ins Schwitzen und längere Wartezeiten sind unumgänglich.


Zu mehr als Surfen und Lesen auf der Couch ist er aus meiner Sicht nicht zu gebrauchen.


Jetzt muss ich ihn nur noch mit meinem Smartphone kombinieren und schon habe ich ein schönes, Mobiles Internet Device für den Urlaub in Deutschland zur Verfügung. Und im Ausland? Dort verwendet man am besten einen PrePaid Surfstick, die ganz patent an den USB-Port dieses Tablet PCs passen.

Urlaub

Ab Morgen bin ich auf Urlaub. Ich habe ein paar (Konserven-)Beiträge vorbereitet, die dann in meiner Abwesenheit vom The Whisky Store aus gepostet werden.


Mein Hotel hat kostenfreien Internet-Anschluss, so dass ich auch ab und an antworten werde. Bitte haben sie mit Privaten Nachrichten etwas Geduld. Ich habe schließlich Urlaub und will mich nicht hetzen lassen.


Gruß

Horst Lüning

Opel Zafira

Vor zwei Wochen war ich geschäftlich in Deutschland unterwegs. Ich bin mit dem Billigflieger nach Dortmund geflogen. Und der war bis auf wenige Plätze mit Geschäftsreisenden belegt. Von wegen Wirtschaftskrise. Es herrscht Bedarf an Reisedienstleistungen. Sie müssen nur preiswert genug sein. Im Ruhrgebiet habe ich mir dann einen Leihwagen genommen. Und da ich unbedingt Winterreifen in Folge des Schneechaos benötigte, erhielt ich einen Wagen eine Nummer größer als ich mir selbst gemietet hätte. Es war ein Opel Zafira mit 13.000km auf dem Zähler. Als Motorisierung fand ich den ecoFLEX 1,6 Liter Motor mit 115 PS vor.


Wie war der Wagen? Nun, ich bin mit dem Zafira nicht unbekannt. Ein Teil meiner Familie fährt nun schon den dritten. Aber zum Selbstfahren und das über längere Strecken hat es bislang nie gereicht.


Der Wagen ist ok. Das Platzangebot ist sehr gut. Entweder ein 7-Sitzer ohne nennenswerten Kofferraum oder ein 5-Sitzer mit sehr gutem Kofferraum. Der Motor ist von der Größe her genau der richtige. Mit ihm kann man im Verkehr mit schwimmen, doch zum Überholen reicht es nur für langsam fahrende LKWs. Völlig ausreichend, besonders, wenn man sich auf unbekanntem Terrain bewegt.


Ich bin ein alter Opelaner, seitdem ich Mitte der 80er bei Opel gearbeitet habe. Den Modellen von Opel bringe ich, auch wenn sie viele als zu laut und zu billig ansehen, eigentlich eine Menge Wohlwollen entgegen. Sie liegen auf meiner mentalen Wellenlänge. So viel zum Positiven.


Was mich erschreckt hat, was der Übergang zum digitalen Auto. Fast alle Regler wurden in diesem Auto durch digitale Schalter ersetzt. Bei der Armaturenbrettbeleuchtung ist es besonders auffällig. Man findet zwar links vom Lenkrad einen vermeintlichen Drehknopf vor. In Wirklichkeit entpuppt er sich als Drehschalter. Dreht man den Knopf um die möglichen 30 Grad nach links, dann wird das Licht dunkler bis man den Knopf loslässt und er per Federkraft in die Nullposition zurückspringt. Andersherum genauso. Das wirklich andere ist, dass man den Knopf nicht mehr dreht und die Helligkeit fein einstellt, sondern man so lange in der heller oder dunkler Stellung den Knopf halten muss, bis der Computer die Helligkeit eingeregelt hat. Ein wirklich anderes Gefühl. Dass der Schalter wie ein runder Knopf aussieht, macht die Bedienung nicht einfacher. In der Tat verwirrt er im ersten Moment.


Noch verwirrender ist der Blinker. Er hat eine Automatikfunktion. Die kannte ich schon vom VW Polo. Tippt man den Blinker an, dann geht der Blinker für drei Blinkvorgänge an und anschließend von alleine wieder aus. Soll wohl für den Fahrbahnwechsel auf der Autobahn sein. Doch ich blinke nicht erst, wenn ich die Fahrbahn wechsele, wie es sich so viele angewöhnt haben, sondern ich gebe frühzeitig - so lernt man es in der Fahrschule - meinen Wunsch zum Fahrbahnwechsel bekannt. Und nach den drei kurzen Blinkern des Zafiras, habe ich den Fahrbahnwechsel noch nicht einmal eingeleitet, geschweige denn abgeschlossen. Dieses System ist einfach unbrauchbar. Ebenfalls unsinnig ist die daraus folgende weitere Bedienung. Wenn man den Blinkerhebel weiter drückt, dann geht der Blinker auf Dauerbetrieb. Und er geht auch wieder zurück, wenn man aus der Kurve wieder raus kommt. Nicht aber auf der Autobahn. Hier muss man den Blinker einmal in die andere Richtung antippen, um den Blinkvorgang zu beenden. Bis man das intuitiv raus hat, vergehen schon ein paar Tage. Nicht geeignet für einen Leihwagen.


Der Zafira war nun noch reichlich neu. Aber schon war die Scheibenwaschanlage kaputt. Zuerst schob ich es auf die winterliche Witterung. Doch am Ende hörte man noch nicht einmal eine Pumpe laufen und vorne und hinten gab es kein Wasser. Vermutlich war also die Pumpe kaputt oder die Sicherung durchgebrannt. Bei winterlichen Bedingungen und 13.000km auf der Uhr nicht ok.


Am schlimmsten waren aber die Bremsen. Eigentlich war ich das nur von meinen 7er BMWs gewöhnt. Wenn man mit diesen Autos eine Viertelstunde ohne zu Bremsen bei nasser Straße fuhr, dann verging immer eine Schrecksekunde beim Druck auf das Bremspedal, bis die Bremsbeläge sich durch den Wasserfilm auf den Bremsscheiben gedrückt hatten und die Bremsen endlich zupackten. So auch beim Zafira. Auf meinem Weg morgens vom Hotel zu meinem ersten Termin, musste ich lange Zeit nicht bremsen. Und als dann ein LKW vor mir überraschend bremste, schoss mir das Adrenalin ins Blut. Puh - gerade noch geschafft. Wozu hält man Abstand.


Und der Benzinverbrauch icon_question.gif 7,8 Liter auf 100 km. Und das über ein Strecke von 888km. Meist mit 100 bis 130km/h auf der Autobahn. 150 km aber auch Nachts bei Schneetreiben mit 60 bis 80km/h. Kein wirklich guter Wert. Eigentlich ein grottenschlechter Wert. Ein eco-Motor ist das nicht. Hier muss Opel noch nacharbeiten.


Am Ende versuche ich Autos immer eine Schulnote zu geben. Wer Wert auf Platz legt, kann diesem Auto eine 3- geben. Die 3 wegen meiner Überraschung beim Bremsen und das Minus wegen des vergleichsweise hohen Verbrauchs bei zarter Autobahnfahrt. Wer den Platz nicht benötigt, der muss sich dieses Auto auch nicht kaufen. Es bietet keinen weiteren Vorteil als Platz. Aber den reichlich.

Die Whisky Hype

Warum ist es überhaupt zur Hype um unseren Single Malt Whisky gekommen? Wir haben doch mit allen Whiskys und Whiskeys und nicht nur mit Single Malt angefangen? The Whisky Store heißt ja nicht 'The Single Malt Whisky Store'. Warum hat der Single Malt Whisky so abgehoben und der irische und us-amerikanische Whiskey nicht?


Ohne zu viel Firmengeheimnisse preis zu geben: Vor 10 Jahren war unser verkaufter prozentualer Anteil an Irish, Canadian und Bourbon viel höher als heute. Zwar sind die Flaschenzahlen auch in diesen Segmenten gestiegen. Aber heute verkaufen wir relativ weniger als die Hälfte von diesen Whiskeys als damals. Sie blieben einfach zurück.


Kann man das uns und unserer Vertriebsstrategie vorwerfen? Oder hat das mit dem Gesamtmarkt zu tun icon_question.gif


Es hängt aus meiner Sicht an der Marketingstrategie der Marken. Erinnern sie sich an die Johnnie Walker Fernsehreklame vor vielleicht 20 Jahren? "Der Tag geht, Johnnie Walker kommt ..." Man sah 'Johnnie' Abenteuer bestehen und danach in Ruhe einen Whisky genießen. Das war's. Der Fokus lag ganz klar auf dem einzelnen Mann. Auch Ballantine's lief damals in etwa genauso ab. Es gab zwar eine Dame - etwas Sexuelles - aber im Prinzip fokussierte man sich wieder auf den Mann.


Und dann im Vergleich dazu die Jim Beam Reklame mit dem Ex-Herkules- und Ex-SciFi-Schauspieler Kevin Sorbo. "Das ist nicht Jim Beam ..."


Was ist bei dieser Werbung anders icon_question.gif Anders ist die Umgebung icon_exclaim.gif Man fokussiert nicht auf die Person und was sie erlebt hat oder wie sie die Frau erobern will. Nein, man fokussiert auf den Brand und auf die Bar, in der er ausgeschenkt wird. Das ist ein ganz, ganz, ganz, gaaaaanz wichtiger Unterschied. Das eine Mal geht es um die einzelne Person des Kunden. Das andere Mal um den Wirt, die Bar und den falschen Whiskey. Eigentlich war die Jim Beam Reklame sogar kontraproduktiv. Denn sie transportierte unterbewusst die Nachricht: "Geh bloß nicht in die Bar, da wirst Du beschissen und in einer Jim Beam Flasche ist nie Jim Beam drin."


So was darf man vielleicht denken. Aber man darf es nie sagen. Verheerende Wirkung. Marketingnote 6. Setzen.


Aktuell lief vor Weihnachten im TV eine längere Strecke Werbung für irischen Whiskey. Und auch hier wieder die Szene in der Kneipe, wo man gemeinsam Whiskey trinkt. Diese Darstellung ist beim irischen Whiskey nicht unüblich. Auch in der Printwerbung findet man sogenannte atmospheric Shots, die den Genuss von jungen Erwachsenen gemeinsam an der Bar oder am Tisch zeigt.


Gut oder schlecht icon_question.gif


Aus meiner Sicht schlecht icon_exclaim.gif Grottenschlecht, obwohl für solche Marketingkampagnen viel, viel Geld bei großen Agenturen ausgegeben wird. Doch Agenturen machen nur das, was man in der Firmenzentrale als sogenanntes Briefing vorgibt. Und hier wurde wohl vorgegeben, dass man mehr Whiskey in der Gastronomie verkaufen möchte.


Nochmal: Gut oder schlecht icon_question.gif


Ich sage wieder schlecht, denn der Trend in der Krise geht weg von der Restauration und weg von den Kneipen. Der seit Jahren erkennbare Trend geht hin zum Cocooning, also zum Feiern in den eigenen vier Wänden. Entweder ganz alleine oder in der kleinen Gruppe. Sie machen es ja hier im Forum oftmals vor. Die Whiskys an der Bar sind ihnen zu teuer und so treffen sie sich lieber privat im kleinen Kreis. Und sie hier machen keine Ausnahme. Sie sind nur der öffentlich sichtbare Spiegel der Gesellschaft.


Und genau diese Szene, diesen Trend, spiegelt die aktuelle Whisky-Werbung von amerikanischen und irischen Whiskeys nicht wieder. Es gibt zwei Sorten von Werbung und Marketing. Die eine sagt: Wir müssen überall gleich stark sein. Wenn wir in der Restauration verlieren, dann müssen wir mehr Geld ausgeben, um dort unsere Position zu verteidigen. Im Grunde spiegelt das eine militärische Strategie. Position halten und verteidigen. Hin und wieder einen Ausfall und Angriff.


Doch die bessere Strategie ist meist der Rückzug und das Ausweiten von Brückenköpfen an Stellen, wo der Feind nicht so stark ist. Also wenn man sich hart in der Gastronomie und an der Bar tut, warum stellt man nicht die Strategie um und spricht wieder den Privatverbraucher an? Aber nein - dieses Feld überlässt man den Supermärkten, die die 'Pullen' billigst nebeneinander aufreiht und austauschbar machen. Nein - wenn der Trend hin zum Cocooning geht, dann muss man auch in der Werbung und seiner Strategie diesen Trend aufgreifen. Alles andere ist zu kurz gedacht. Doch hier arbeitet immer noch Marketing 1.0. So nach dem alten Motto: Wir überlegen uns eine Strategie und einen Markt und dann schütten wir ein paar Werbemillionen darüber aus und der Kunde wird's schon kaufen.


Denkste icon_exclaim.gif Zeigen sie doch den erfolgreichen Familienvater, wie er sich abends auf der Terrasse einen einschenkt! So auf die Art: "Darauf einen Dujardin." oder "Wenn einem der Tag so viel Gutes hat beschert, das ist einen Asbach Uralt wert."


Klingt jetzt alt und doof. Uncool. Aber man kann durchaus Parallelen finden. Damals hatten die Menschen nicht so viel Geld, um ausgehen zu können. Man musste zu Hause sich belohnen. Heute bleiben die Leute zu Hause, nicht weil sie nicht können, sondern weil sie nicht mehr wollen. Die dazu passende Strategie ist aber die selbe. Wer mit Gewalt versucht, den falschen Markt zu gewinnen, der wird scheitern.


Und damit schlagen wir den Bogen zurück zum gestrigen Beitrag, wo die Frage lautete: "Wodka oder Rum?" Rum zeigt das typische 'Bacardi Feeling'. Und damit setzt sich diese Spirituose vor allem in der Urlaubs und Partyszene fest. Keine Chance für den breitflächig getragenen, privaten Hype durch den Kauf ganzer Flaschen. Wodka traut sich nun überhaupt nicht, Position zu beziehen. Hier wird in der Regel in der Werbung ausschließlich die Flasche gezeigt. Kalt, klar in einer neutralen Umgebung. Eis, Glas, Wasser. Viel zu wenig Emotionen, viel zu wenig Menschen. Keine Chance für Hype. Hier werden reine Wirkungstrinker bedient.


Was geht denn mit Party? Ideal auf die Zielgruppe der Party- und Discogänger abgestimmt ist z.B. die Jägermeister-Werbung. Eine Spirituose mit spürbarem Eigengeschmack, gezeigt mit der richtigen, jugendlichen Zielgruppe im Partyumfeld. Und dann zeigt man die Kunden nicht nur den Jägermeister im Glas, sondern vor allem auch die ganze Flasche, damit man weiß, wie die Flasche aussieht und worauf man im Supermarktregal achten muss.


Nein, von einer neuen Hype sind wir weiter entfernt als je zuvor.

Der Nachfolger zum Whisky

Letztlich wurde hier im Forum gefragt, welche Spirituose den nächsten Hype nach dem Malt Whisky befördern wird. Die Frage lautete: Wird es Wodka oder Rum?


Wodka zeigt in Deutschland massive Steigerungsraten. Beim Rum sehe ich das Wachstum eher nicht. Es wird aber durchaus so sein, dass sich im Rum-Segment eine Tendenz zu höherwertiger Ware eingestellt hat. Doch auch da bin ich mir nicht so sicher. Das obere Segment hat zugelegt, aber auf wessen Kosten? Ich glaube, dass sich das Wachstum der Edelflaschen auf dem Rücken der Mitte im identischen Segment abgespielt hat. Wie immer: Billiger Stoff oder Edelware. Die tote Mitte lässt grüßen.


Kümmern wir uns um die Menschen. Wer genießt Whisky? Wer genießt Rum und wer trinkt Wodka?


Sie merken schon an meiner Wortwahl, dass ich von den Wodka-Trinkern nichts halte. Denn was ist Wodka? Wodka ist nichts anderes als das, was man früher bei uns mit Schnaps bezeichnete. Eine hoch destillierte Spirituose mit wenig Eigengeschmack. Genau das ist die Definition von Wodka. Sauber, rein, klar, kalt … So sehen wir ihn in der Reklame. Nun höre ich ein paar Leser schon aufschreien. Dass es tolle Wodkas gäbe. Nicht nur Grey Goose sondern auch tolle polnische aus kleinen Brennereien. Doch allen diesen Wodkas ist gemein, dass der Geschmack sehr fein und leicht ist. Und da der Großteil der Menschen kein so feines Gespür für Aroma hat, wie sie hier im Forum, können die meisten Menschen mit Wodka nichts anderes anfangen, als ihn wegen des enthaltenen Alkohols zu trinken. Für den Großteil der Wodkatrinker ist die Wirkung entscheidend. Darum wird der Wodka auch gerne Drinks zugesetzt. Wo das subtile Aroma in den Säften und Essenzen untergeht. Nur der Alkohol ist wichtig, um diese anderen Aromen zu tragen.


Nein icon_exclaim.gif Wodka wird die nächste Hype-Spirituose nicht werden. Natürlich gibt es beim Wodka Wachstum. Aber vorwiegend bei den aromatisierten Sorten. Doch der aktuelle Trend beim Single Malt wird von der Ursprünglichkeit der Herstellung und der Natürlichkeit der Reifung getragen. Ähnlich zum Ökotrend. Back to the Roots. Man will nichts Gepanschtes. Man will das Echte, Reine. Und damit lebt Wodka in einem Zwiespalt. Der wahre Reine ist zu geschmacklos für die Masse und die parfümierten widersprechen dem Zeitgeist des Echten.


Damit ist das Einsatzspektrum des Wodkas vorgegeben. Drinks und Wirkungstrinker. Das taugt (aus meiner Sicht) nicht zu einer Hype.


Kommen wir zum Rum. Hier ist die Situation deutlich anders. Denn Rum gibt es ebenfalls als braune Spirituose. D.h. im Holzfass gereift. Doch es gibt Rum auch als weißen Rum ohne Fassreifung. Für diesen weißen Rum gilt aus meiner Sicht im Grunde dasselbe, wie für den Wodka. Auch wenn der Rum geschmacklich etwas aussagekräftiger ist, da er nicht so hoch und rein gebrannt wird.


Der braune Rum hat aus meiner Sicht vom Aromenspektrum her eine Chance, einen gewissen Hype zu erzeugen. Wir hören ja öfter einmal hier davon und auch ich habe hier schon von meinen Rum-Ausschweifungen erzählt. Kurz zusammengefasst: Ich mag den meisten Rum nicht. Er hat für mich eine fiese Geschmacksnote, mit der ich persönlich nicht zurecht komme. Das heißt aber nicht, dass nicht andere damit zurecht kommen und ein Hype entstehen kann.


Doch für einen Hype reicht nicht das Vorhandensein von ein paar hochwertigen Rumflaschen aus, die von Genießern wie uns hier im Forum konsumiert werden. Zu einem Hype gehört viel mehr. Dazu gehört sowohl eine große, nachfragende Kundschaft als auch eine Industrie, die diesen Hype aufnehmen und befriedigen kann. Und genau an dieser Stelle hapert es mit dem Rum. Während die schottische Whiskyindustrie mit der starken SWA (Scotch Whisky Association) und gedeckt mit einer wohlwollenden und protektionistischen britischen Regierung den Export über Jahrzehnte förderte, haben wir beim Rummarkt einen zersplitterten Markt mit vielen konkurrierenden Nationen und noch mehr Unternehmen vor uns. Jetzt mal unabhängig von der Mentalität dieser Menschen: Allein der inhomogene Markt spricht gegen die Fähigkeit, einen beginnenden Hype schlagkräftig zu unterstützen.


Und damit sind wir auch schon bei der Geschichte. Der Whisky-Hype begann relativ früh. Noch zu Zeiten, wo in den entsprechenden Unternehmen fast Monokulturen vorlagen. Naja, man diversifizierte bereits, aber bei den entsprechenden Konzernen lag der Fokus ganz deutlich auf dem Whisky (United Distillers, Allied Distillers). Heute ist die 'Drinks Industry' vor allem von Bestrebungen durchsetzt, Ausgleich und Sicherheit im eigenen Portfolio zu schaffen. Unter den beherrschenden Großunternehmen gibt es kaum eines, das nicht in den vergangenen Jahren Wodka-, Cognac- und Rummarken hinzugekauft hätte. Ein Hype beginnt zwar beim Konsumenten, er muss aber auch von der versorgenden Industrie getragen werden können. Sonst ergibt sich nur ein zusätzlicher Nischenmarkt.


Man soll nie nie sagen. Aber ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft eine andere Spirituose den Hype des Whiskys übernimmt, für gering. Zumindest in den kommenden 5 bis 10 Jahren.


Morgen kommen wir zum Hintergrund der Whisky-Hype.