The Whisky Blog

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TEuro Teil 2

Ich gebe es zu: Der Beitrag vom 26.1.2006 war provokativ. Aus meiner Sicht hat die extreme Preissteigerung in der Gastronomie nur indirekt mit dem Euro zu tun.


Bis zur Euro-Einführung brummte die Gastronomie in Deutschland wohl ganz gut. Mit der Umstellung haben auch alle Gastronomen neue Preislisten gedruckt und ihre Preise um die schon längst fälligen Preissteigerungen, die wohl in den beiden Jahren vorher nicht so weiter gegeben wurden, erhöht. Auch die Lieferanten drehten an der Preisschraube. Aber in Summe erhöhte man in den ersten Wochen nach der Umstellung in der Regel um nicht mehr als 10 bis 15%. Bevorzugt durch großzügiges aufrunden.


Mit dem Euro wurden die Bürger jedoch vorsichtiger und gaben das ungewohnte, neue Geld nicht mehr so aus wie bisher. Und dann passierte das Unglück: Der Gastronomie und vielen anderen Händlern brach durch diese Zurückhaltung ein deutlicher Teil des Umsatzes weg.


Da die Kosten für die nicht mehr verkauften Speisen aber nur einen geringen Teil der Gesamtkosten ausmachen, blieb der Gastronom auf seinen ganzen Fixkosten wie Miete, Personal und Heizung/Strom im Wesentlichen hängen. Diese ganzen Kosten standen auf einmal viel weniger Einnahmen gegenüber.


Was blieb dem Gastronomen anderes übrig, als die Preise massiv anzuheben? 20 Gäste mit je 10 EUR Umsatz bringen genauso viele Einnahmen wie 10 Gäste mit je 20 EUR Umsatz. Stück für Stück tasteten sich die Gastronomen an ein neues Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Kosten heran.


In Deutschland ist es nun einmal üblich, dass man einen Großteil der Fixkosten über die Getränke (Kaffee, Bier, ...) abdeckt. Die variablen Kosten mit Kaffeepulver für eine Tasse Kaffee (ohne Bedienung) dürften so um die 10ct liegen. Wo liegt die Rechtfertigung für 1,50 EUR? Die Bedienung allein kann es nicht sein. Es ist die Summe der Fixkosten, die diese Steigerung notwendig macht.


Es gibt aber nach wie vor Gegenbeispiele. In München gibt es Restaurants, die haben nach wie vor volle Gaststuben und können deshalb die Preise auf altem Niveau halten. In unseren Gasthäusern im Landkreis ist dagegen eine Reservierung nur noch zu Ostern und Pfingsten erforderlich. Ansonsten herrscht 'angenehme' Leere bei 'unangenehmen' Preisen.


Dass die Wirte sich dabei keine goldene Nase verdienen, zeigt die nach wie vor hohe Zahl an Insolvenzen.


Heute können wir es zugeben: The Whisky Store hatte mächtig Angst vor der Euro-Umstellung. Wir haben deshalb nicht locker die Preise aufgerundet. Wir haben vielmehr die ersten Eingewöhnungsmonate nach der Währungsumstellung alle Preise exakt umgerechnet, um Ihnen als Kunden die Angst vor einer Übervorteilung zu nehmen.


Die kommende The Whisky Times März 2006 wird einen Artikel über die Preisentwicklung von Single Malt Whisky in den vergangenen 10 Jahre enthalten. Darin ist zu erkennen, dass der Teuro nur einen geringen Einfluss auf unsere Preise hatte.