The Whisky Blog

Traumautos?

Ein Lieferant meiner Frau hat sich ein SUV gekauft. Ein 'Sports Utility Vehicle'. Ein Auto, so groß wie ein Geländewagen mit einem Motor wie ein Rennwagen, dem Platz einer normalen Limousine und dem Gewicht eines Kleinlasters. Verspüren Sie da Kritik in meinen Worten? Sie ist beabsichtigt.

Auch hier im Forum wurde schon heiß darüber Off-Topic diskutiert.

Den Diskutanten in diesem Thema möchte ich meinen Dank aussprechen, wie sie bei der heißen Diskussionen positiv miteinander umgegangen sind.

Nach seinem ersten Monat erzählte der Lieferant meiner Frau von einem Verbrauch von 'gut' 20 Litern, obwohl der angegebene, kombinierte DIN-Verbrauch 'nur' 14 Liter betragen sollte.

Szenenwechsel. Unsere regionale Tageszeitung titelte vergangene Woche: 'Deutsche im PS-Rausch' und stellte drei Autos vor: Audi S6 V10 420PS, Porsche Cayenne S V8 BiTurbo 521PS und Mercedes S65 V12 BiTurbo 612PS. Obwohl auch ich keinen wirklichen Kleinwagen fahre, war ich ob dieser Daten doch ziemlich baff.

Ein Blick zu den großen deutschen Autoherstellern zeigt, dass auch die ganz normalen und auflagenstarken deutschen 'Familienkutschen' heute mit ihren Dieselmotoren auf 150 PS kommen. Die Ottomotoren glänzen in ganz biederen Autos schon mit 200 PS.

Ist das verwerflich? Wer schreibt uns vor, dass wir uns wie in unserer Jugend mit 34 oder 50 PS begnügen sollten. Richtig! Niemand.

Und hier schließt sich der Kreis zum obigen Verbrauch von 'gut' 20 Litern. Eine Verbrennungskraftmaschine verbraucht in der Regel Kohlenwasserstoffe (Benzin, Öl, Gas) zum Betrieb. Und zwar rund 300 Gramm (0,4 Liter) pro Kilowatt und Betriebsstunde. Tritt man auf das Gaspedal eines dieser leistungsstarken Autos und fordert 100 Kilowatt (136PS) für nur 5 Sekunden an, so verbraucht man die gleiche Menge Treibstoff, wie zwei normale Whiskys (5cl) enthalten.

Die frei gewordene Energie hat sich - mit einem recht bescheidenen Wirkungsgrad - in Bewegungsenergie umgewandelt. Kaum kommt man an ein Hindernis, so muss man die Bewegungsenergie mit den Bremsen in Wärme umwandeln und sie ist verloren.

Der physikalisch Interessierte antwortet jetzt richtig: Mit dem Kleinwagen hätten Sie bei nur einem Zehntel an Leistung nicht 5 sondern 50s beschleunigen müssen und hätten die gleiche Energie-Menge (5cl) verbraucht. Doch wann kann man schon in unserer Verkehrsdichte 50s an einem Stück beschleunigen? Meist ist doch nach wenigen Sekunden die zulässige Geschwindigkeit erreicht (überschritten) und die Verkehrssituation lässt einen wieder bremsen.

Der gewonnene Fahrspaß, von dem auch ich mich nicht freisprechen kann, führt unweigerlich zu einem Mehrverbrauch. Und je schwerer der Wagen (SUV & 2t), um so höher fällt dieser 'dynamische' Mehrverbrauch aus.

Alle Energie, die wir in unsere Autos tanken wird am Ende des Tages als Wärmeenergie frei. Den einzigen Vorteil bieten derzeit in größerer Stückzahl Hybrid-Fahrzeuge, die einen Teil der Bremsenergie in Akkus speichern und für späteres Beschleunigen wieder bereit halten.

Sollen wir die Anbieter von SUVs oder deren Fahrer pauschaliert verdammen? Das ist nicht mein Ding. Wenn der Energiepreis weiter steigt, wird sich dieses Problem von alleine lösen. Die schwindenden Zulassungszahlen der großen Automobilhersteller in den USA sprechen Bände. In USA trägt eines dieser SUVs im Volksmund schon den Beinamen 'Valdez'. Verglichen wird mit diesem Beinamen das SUV mit dem Super-Öltanker Exxon Valdez, der vor Alaska 1989 leck schlug.

Dass der Lieferant meiner Frau sich vom Aussehen des SUVs und der Probefahrt hat verführen lassen zeigt mir, dass der Spritverbrauch ihn zwar jetzt stört, aber er durchaus genug Geld hat, um beim Kauf eines Autos nicht darauf achten zu müssen.

Ist es jetzt Zeit, um ihn jetzt zu einem 'Valdez'-Nachlass aufzufordern? icon_wink.gif