The Whisky Blog

Asien - Teil 2

Indonesien ist weit weg. Richtig weit. Während man Peking in 9 Stunden über den Nordpol erreicht und Indien auch nur 10h mit dem Flieger entfernt ist, so liegt Indonesien auf der Südhalbkugel. 11,5 Stunden von München nach Bangkok und dann noch einmal dreieinhalb Stunden bis zur Hauptstadt Jakarta. Dazu noch drei Stunden fürs Umsteigen und die Strecken zum und von den Flugplätzen und schon hat man 20 Stunden Reisezeit hinter sich. Der Rückweg war ätzend. 8 Std. Aufenthalt in Bangkok. Egal welche Fluglinie ich mir aussuchte. Irgendwo stehen die Maschinen sieben bis acht Stunden rum. Hong Kong, Singapore, Dubai. Am Ende habe ich herausbekommen, woran das liegt. Es ist das deutsche Nachtflugverbot, was die Maschinen zum Warten im Ausland zwingt. In Asien ist es kein Problem, nachts um eins, zwei oder drei einen Flieger zu besteigen. In Deutschland vor 6 Uhr anzukommen scheint dagegen unmöglich.

Meinen Asienschock erhielt ich gleich in Bangkok auf dem Flughafen. Linksverkehr (auch unter Fußgängern) kenne ich ja schon aus Großbritannien. Aber Linksverkehr und Schriftzeichen, die man nicht versteht, das hat schon was. Und das erste Zeichen, was ich dann verstand, war der Wegweiser zu einem Gebetsraum für Moslems. Hmmpfff. Das konnte ja noch was werden. So etwas kann man sich ersparen, wenn man einem Reiseleiter hinterher läuft. Doch das ist längst nicht so spannend. Und man erlebt und lernt auch nicht so viel.

Während man im Flughafen noch halbwegs internationale Kultur 'genießt', ereilt einen der richtige Kulturschock erst auf der Straße. Mein wichtigster Eindruck aus Indonesien icon_question.gif Menschenmassen icon_exclaim.gif Egal wo man hinkommt und wo man hingeht oder fährt. Überall hat's Menschen. In Mengen, dass man sich fürchten kann. Eine Landstraße, auf der bei uns zwei Fahrspuren aufgezeichnet sind, wird dort in gleicher Breite grundsätzlich für drei PKW und Kleinlaster nebeneinander genutzt. Dazu schwirrt ein Schwarm von Mopeds um die Autos, dass es einem schon vom Zusehen schwindelig wird. Zwei bis drei Personen pro Moped sind üblich. Vier nicht außergewöhnlich und sogar fünfköpfige Familien habe ich auf Zweirädern gesehen. Am Straßenrand laufen dazu noch Menschen und Tiere und Fahrräder werden mit abenteuerlichen Aufbauten geschoben. Darüber liegt ein Hupen, ein unbeschreiblicher Lärm und viele, viele Abgase in der Luft, dass die mitteleuropäischen Sinne richtig verwirrt werden. Was wünschte ich mir in diesem Moment die Innenstadt von Neapel zurück. Was war das leise, ruhig und gesittet.

Doch alles wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Nach einer Woche Adaption konnte man deutliche Muster in der Masse erkennen. Jeder nahm, für uns anfangs unsichtbar, tatsächlich Rücksicht auf den Anderen. Zwar gab es immer ein Rennen auf die nächste Lücke, wenn man aber bei diesem Rennen Zweiter wurde, so hegen diese Menschen keinen Groll gegen den Sieger oder ballen gar die Faust. Nein - wenn sich die nächste Lücke bietet, dann beginnt das Rennen erneut. In Summe war das eine ganz tolle Erfahrung. Denn ein Stau ist dort eigentlich kein Stau. Es ist nur ein Warten auf die nächste Lücke. Weil jeder probiert und die Lücke sucht, geht tatsächlich immer etwas vorwärts. Während wir uns hier gegenseitig rechthaberisch und neidvoll manches Mal die Lücke zumachen und uns am Ende selbst blockieren, geht in Indonesien immer etwas vorwärts. Und wenn bei einem etwas vorwärts geht, dann dauert es nicht lange, bis auch beim nächsten etwas geht. So ist der Vorteil des einen nicht der Nachteil des anderen, sondern zwingende Voraussetzung für das eigene Wohlergehen.

Bis man das verstanden hat, sitzt man manches Mal ganz genervt in seinem Auto und ist froh, wenn sich die Wohnungstür hinter einem schließt und Frieden einkehrt.

Morgen Teil 3