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Asien - Teil 3

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Das Wirtschaftssystem in so einem Schwellenland ist anders. In Indonesien herrschen nicht wenige Firmen, Parteien, Gewerkschaften oder eine Staatsreligion über das Land. Nein! Millionen an Kleinunternehmern zeigen das Gegenteil unseres überregulierten Landes. Jeder handelt mit Jedem. Jeder hat eine Ware oder Dienstleistung zu bieten und wenn es nur ein kleiner Kompressor am Straßenrand ist, der die Luft für den nächsten Mopedreifen liefert. Was im Straßenbild besonders auffällt ist das Fehlen der großen LKWs mit ihren Containern und die großen Busse. Stattdessen fährt ein Bienenschwarm Mopeds und Klein-LKWs mit ihren individuellen Ladungen durch die Gegend und die Kleinbusse, die bei uns auf maximal 8 oder 9 Personen zugelassen sind, spucken manches Mal bis zu 20 Personen aus.

Unglaublich, wenn man das nicht selbst gesehen hat. Wenn man z.B. an einem Supermarkt einkaufen will, dann wird daran eine große Menschenanzahl beteiligt. Zuerst bringt einen der eigene Fahrer (fast Niemand der ein Auto besitzt, fährt auch selbst) bis vor den Eingang. Dann wird der Wagen von einem Einweiser auf seinen Parkplatz gewunken während man selbst die Eingangstüren von zwei Türstehern aufgehalten bekommt. Im Supermarkt bekommt man manches Mal sogar den Korb getragen oder den Wagen geschoben. An der Kasse ist das Einpacken durch eine extra Person selbstverständlich, bevor ein weiterer dienstbarer Geist die Waren zum Auto trägt. Am Ende hat der Supermarkt sogar noch einen kleinen Privat-Verkehrspolizisten der mit Trillerpfeife dafür sorgt, dass ihr Fahrer den Wagen wieder sicher in den dichten Verkehrsstrom steuern kann.

Was kostet das? Die meisten der Beteiligten erhalten für ihre Dienstleistung 7ct. Steter Tropfen höhlt den Stein. Am Ende des Tages haben sie auch ein paar Euros verdient. Und aufgemerkt! Ich war nicht Teil eines Neokolonialismusses. Nein im Gegenteil! Ich war hier einfach Teil der lokalen Oberschicht. Aber ich wollte mir meinen Einkaufskorb nicht tragen lassen. Da kam ich mir irgendwie blöd vor. Ich wollte halt kein Neokolonialist sein. Doch am Abend im Bett war mir klar: Mit meinem Verhalten hatte ich diesen arbeitenden Menschen in seiner Verdienstmöglichkeit beschnitten. In Folge habe ich mir immer helfen lassen und dafür auch normal bezahlt. Man kommt sich blöd und privilegiert vor. Aber alle waren zufrieden und jeder hat freundlich gelacht.

In Summe ist diese ganze Geschäftstätigkeit ein riesiges Beschäftigungsprogramm für die gesamte Bevölkerung. Warum automatische Türen in den Supermarkt einbauen, wenn man Menschen dahin stellen kann, die das mit Muskelkraft machen? Warum selbst fahren, wenn man für 2 Euro pro Stunde einen Fahrer bekommt? Warum eine Tasche tragen, wenn das ein Anderer für 7ct erledigt?

Für einen Westeuropäer in einer reifen bzw. überreifen Gesellschaft ist das anfangs schwer zu verstehen und auch zu ertragen. Doch dieser auf den ersten Blick unordentliche und unstrukturierte Zustand hat durchaus seine Vorteile für alle. Selbst die Religion (92% Moslems) ist dezentral organisiert. Da gibt es keinen Oberprediger oder gar einen Papst. Nein - alle kleinen Gemeinden sind selbstständig. Da auch alle Uhren unterschiedlich gehen, rufen die Muezzins zu den verschiedensten unchristlichen Zeiten die Menschen zum Gebet icon_wink.gif

Doch für manche Zwecke braucht man auch in Indonesien etwas größere Unternehmen. Banken, Hochhäuser, Brücken, Energieversorgung usw. Ja es gibt die großen Firmen. Aber noch sind die Kleinen im täglichen Leben weitaus bedeutender. Erst wenn man weit weg von zu Hause eine ungewöhnliche Staatsform hautnah erleben darf, dann merkt man erst, wie sehr man sich in seinem eigenen Land an die hiesigen Zustände mit der Dominanz weniger großer Unternehmen gewöhnt hat.

Und ich gebe es zu. Die Umstellung auf dieses völlig dezentrale Kleingewerbe ist mir anfangs nicht leicht gefallen. Auch wenn ich es hier immer predige.

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