Gin Cocktails

Gin ist die Cocktail Spirituose schlechthin! Durch die vielen verschiedenen Aromen von fruchtig-floral bis kräftig-deftig ergänzen sich die unterschiedlichsten Gin-Sorten harmonisch mit den unterschiedlichsten Mixgetränken, Garnituren und auch anderen Spirituosen. Für gewöhnlich genießt man Gin weniger pur. Mit keiner anderen Spirituose wurden und werden so viele Drinks entwickelt wie mit Gin!

Und das kommt nicht von ungefähr: Gin ist durch seine verschiedenen Kombinationen an Botanicals für sich schon so individuell, dass er gar nicht viele weitere Zutaten und Mischgetränke für einen fancy Cocktail benötigt. Einer der namhaftesten deutschen Barkeeper, Charles Schumann, der das international bekannte Schumann‘s in München betreibt, stellte einmal fest: "Wenn ich mich für eine einzige Spirituose entscheiden müsste, dann wäre es mit Sicherheit der Gin." Denn Gin ist vielfältig kombinierbar, nicht nur mit Tonic Water, sondern auch mit anderen Soft Drinks, Säften und Sirupen. Sogar mit Eiern und Sahne ergänzt er sich überraschenderweise harmonisch. Gin verträgt sich in Cocktails gut mit leichtem Alkohol, wie zum Beispiel im 'Martini Dry': Der sogenannte 'König der Cocktails' besteht aus Vermouth Dry (üblicherweise 15-20%), Gin und einer grünen Olive beziehungsweise einer Zitronenscheibe - je nach Geschmack. Das Verhältnis zwischen Wermut und Gin variiert, ebenfalls je nach Geschmack und Rezept, stark. Der Dry Martini war schon lange vor James Bond ein begehrter Drink: Geschüttelt oder gerührt - darüber scheiden sich die Geister und Geschmäcker. Während James Bond seinen Martini lieber "geschüttelt, nicht gerührt" zu sich nimmt, bevorzugen einige Barkeeper das Rühren. Denn beim Schütteln können sich kleine Eisstückchen lösen, die Bläschen entstehen und den Drink trüb erscheinen lassen.

Martini mit Isle of Harris Gin
Martini mit Isle of Harris Gin

Einer der beliebtesten Longdrinks ist zweifelsohne der Gin & Tonic. Im Laufe der 2010er Jahre ist er immer beliebter geworden. Gab es Ende des 20. Jahrhunderts noch eine handvoll Gin- und Tonic-Sorten aus denen man für seine Mischung wählen konnte, so ist in den Jahren darauf eine Bandbreite verschiedenster Gin Sorten mit unterschiedlichen Botanicals sowie Dutzende Tonic Water Marken und Sorten auf dem Markt erschienen. Aus dem Mixen eines ehemals einfachen Longdrinks ist eine Wissenschaft für sich geworden. Neben dem 'klassischen' Tonic Water gibt es nun auch differenzierte Geschmacksrichtungen wie 'dry', 'floral & fruchtig' oder 'würzig'. Ursprünglich war das Tonic Water - wie im Übrigen auch Gin selbst - ein medizinisches Getränk: Während der Kolonialzeit in Indien empfahl man den englischen Soldaten das stark chininhaltige Getränk regelmäßig zu trinken, um einer Malariainfektion vorzubeugen. Weil das damalige Tonic Water aufgrund seines hohen Chiningehaltes sehr bitter schmeckte, begannen die Soldaten dieses mit Gin aus der Heimat zu mischen, um es abzumildern. Ein Fun Fact am Rande: Das Chinin ist auch dafür verantwortlich, dass Tonic Water im Schwarzlicht leuchtet. Garniert wird Gin Tonic meist mit einer Gurkenscheibe, Zitrusfrüchten oder Beeren.

Gin & Tonic
Gin & Tonic

Simpel und zugleich unvergesslich gut ist der Gin Fizz, weshalb er auch zu den 'Unforgettables' der International Bartenders Association zählt. Dabei handelt es sich um einen gut geschüttelten Sour aus Gin, Zitronensaft und Zuckersirup, der mit einem Schuss spritzigem Sodawasser aufgefüllt und mit einer frischen Zitronenscheibe serviert wird.

Analog zum Gin Fizz liest sich auch die Zutatenliste des erfrischenden Nachmittagsdrinks Tom Collins: Gin, Zitronensaft, Zuckersirup und Sodawasser. Die Unterschiede zwischen den beiden Gin Cocktails sind klein aber fein und spalten auch heute noch die Barszene. Während der Gin Fizz ohne Eis in einem kleineren Tumbler oder Fizz-Glas serviert wird, genießt man den Tom Collins aus einem etwas größeren mit Eiswürfeln gefüllten 'Collins-Glas'. Seinen Namen hat der Tom Collins wohl dem im 19. Jahrhundert oft dafür verwendeten Old Tom Gin zu verdanken.

Ein weltbekannter Before-Dinner-Drink ist der Gimlet. Der gerührte Cocktail aus Gin, Limettensirup und einer Limettenscheibe ist genauso einfach wie effektiv. Im Gimlet ist der Ginanteil größer als der Sirupanteil, während der sogenannte Marlowe's Gin Gimlet zu gleichen Teilen Gin und Sirup enthält. Diese Abwandlung ist nach der Romanfigur Philip Marlowe benannt, der unter anderem von Humphrey Bogart in 'Tote schlafen fest' verkörpert wurde. Der englische Flottenarzt Sir Thomas Desmond Gimmlette (1857-1943) erfand den Cocktail angeblich, um die tägliche Ration Marinemedizin "navy strength Gin mit 57% vol" angenehmer zu gestalten, die unter anderem Skorbut abwehren sollte.

Ein sahniger Drink für den Abend ist der Gin Alexander: Er wird geschüttelt aus Gin, weißem Crème de Cacao Schokoladenlikör und Sahne. Der Digestif wurde erstmals 1916 in den Aufzeichnungen eines New Yorker Barkeepers erwähnt, die heute bekanntere Variante mit Brandy oder Cognac statt Gin entstand erst wesentlich später. In den 1920er Jahren waren mit der Prohibition in den USA die Herstellung, der Transport und der Verkauf von jeglichen Alkoholika verboten, sodass in vielen Privathaushalten Gin illegal zusammen gepanscht wurde. Folglich ließ auch die Qualität des in den Vereinigten Staaten erhältlichen Gins nach. Schokolikör und Sahne eigneten sich gut, um im Cocktail den weniger überzeugenden Geschmack des günstigen Gins zu übertünchen. Die Prohibition ging vorüber, der Gin wurde besser und der Cocktail Alexander blieb weiterhin beliebt. So ist er auch heute noch ein Klassiker und ein süßer Genuss.

Der Singapore Sling wurde zwar in Singapur erfunden, ist mittlerweile jedoch ein weltbekannter Klassiker in der internationalen Barszene. Der Longdrink besteht aus Gin, Kirschlikör und Bénédictine Kräuterlikör. Je nach Rezept kommen noch süße und saure Säfte und Sirupe, wie Zitronen- oder Limettensaft, Ananassaft, Grenadine, Angostura Bitter oder auch Sodawasser hinzu. Zum ersten Mal serviert wurde der Drink in einem Singapurer Luxushotel zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Barkeeper Ngiam Tong Boon entwickelte verschiedene Rezepte des Singapore Slings und bewahrte diese in seinem Safe auf, der heute noch zusammen mit einer handschriftlich gekritzelten Rezeptnotiz in einem Museum zu besichtigen ist.