Korkschmecker

Das Problem mit den schlechten Korken ist von Weinflaschen bekannt. Doch können auch Whiskyflaschen korken wie Weinflaschen? Die Antwort lautet: Ein klares Ja!

Die Sensibilität ist zwar von Genießer zu Genießer unterschiedlich, dennoch tritt das Problem der schlechten Korken auch bei Whisky auf. Von 3000-5000 verkauften Flaschen kommt eine als Korkschmecker zurück. Diese Zahl ist beim Wein mit einem Verhältnis von 1:200 deutlich höher. Da die Menschen unterschiedlich sensibel auf dieses Phänomen reagieren, gibt es sogar Whiskygenießer, die den Korkschmecker gar nicht wahrnehmen und für die der Whisky dann ganz normal schmeckt. 

Was ist eigentlich so ein Korkschmecker?

Der sogenannte Korkschmecker ist eine Substanz namens '2,4,6-Trichloranisol' (abgekürzt TCA), also eine chlorhaltige Verbindung. Da drängt sich direkt die nächste Frage auf: Wie kommt Chlor in einen Korken?

Korken besteht aus der Rinde der Korkeiche, die unter anderem in Portugal wächst. Hin und wieder ist diese, wie andere Pflanzen auch, von Pilzen befallen. Die Eigentümer der Korkeichenwälder wollen jedoch logischerweise den vollen Erlös aus ihrem Anbau haben. Um keine Verluste zu machen und all ihren Kork verkaufen zu können spritzen sie also mit Chlorphenol-haltigen Fungiziden. Bakterien in den Bäumen verdauen nun das Chlorphenol und machen daraus TCA, welches dann aus dem Korken in die Flasche austritt. Und obwohl die Korkrinde in der Korkenproduktion natürlich gründlich gereinigt wird, sind diese Abbauprodukte der Bakterien nicht heraus zu bekommen und beeinflussen den ganzen Inhalt der Flasche.

Abhilfe schafft eine EU-Verordnung: Seit einigen Jahren darf man Korkeichen nicht mehr spritzen. Damit dürfte sich das Problem mit den Jahren von selbst lösen. Uns Whiskyhändlern und unseren Kunden wäre damit gedient: Wir bekommen keine Retouren mehr und auch unsere Kunden müssen sich nicht mehr mit korkendem Whisky und Reklamationen herumschlagen. 

Wie erkennt man einen Korkschmecker?

TCA ist extrem aufdringlich und stark im Geruch. Dieser setzt sich in der Nase oder auch im Gehirn fest, sodass man anschließend wohl kaum noch Whisky genießen kann. Das olfaktorische Erlebnis des Korkschmeckers bekommt man an diesem Abend nicht mehr los.

Dieses Phänomen führt dazu, dass Kunden sich bei uns beschweren, wir hätten ihnen drei Flaschen Whisky geliefert, die alle drei nach Kork schmecken. Dabei ist dies höchst unwahrscheinlich und wohl eher darauf zurück zu führen, dass deren Gedächtnis den Korkgeschmack des ersten verkosteten Whiskys nicht mehr abschütteln konnte. 

Um absolut sicher zu gehen, sollte man stets als erstes am Korken riechen. Wenn man der Meinung ist am Korken irgendetwas zu riechen, so kann dies auch ganz normaler Korkgeruch sein. Manchmal führt uns auch das Aussehen des Korkens in die Irre: Ist der Korken an manchen Stellen dunkler, so muss er nicht automatisch anders riechen. In diesem Fall sollte man sich erst etwas Whisky einschenken und am Glas riechen. Meist stellt sich dann heraus, dass unsere Augen uns einen Streich spielen und der Korken gar nicht zu riechen ist.

Sehr oft führt uns nur das penetrante TCA in unserer Nase an selbiger herum. Gehen Sie mit ein, zwei Tagen Abstand noch einmal an die Sache heran. Und wenn Sie an einem Abend bereits einen Korkschmecker hatten: Hören Sie am Besten für den Tag auf mit dem Whisky! 

Spätestens in ein bis zwei Jahrzehnten sollte das Thema hoffentlich erledigt sein.