Blindverkostung zweier Whiskyproben

Horst Lüning verkostet zwei unbekannte Whiskyproben. Lernen Sie, wie man sich so einem angenehmen Problem nähert.

Von einer Blindverkostung spricht man, wenn man nicht weiß, welchen Whisky man im Glas zum Probieren vor sich hat. So kann man unvoreingenommen an den Whisky herangehen. Es fehlen einem die sonst üblichen und auch entscheidenden Informationen von Flasche, Marke, Sorte, Image, Alkoholgehalt und Lagerung. Und ohne diese vielen Informationen - noch vor dem ersten Schluck - ist es wesentlich schwerer einen Whisky zu kategorisieren.

Die Hälfte des Urteils bei einer Verkostung wird bereits vor dem Probieren im Kopf gefällt.
Wir müssen uns jedoch allein auf das Aussehen, den Geruch und den Geschmack konzentrieren.
Somit sind Augen, Nase und Mund gefordert. Ohne weitere eingrenzende Hinweise - wie zum Beispiel Destillerie - wird es richtig schwierig!

So kann man bei einer Blindverkostung vorgehen

Zunächst betrachten wir die Farbe des Whiskys und können erste Einschätzungen über Alter und Fasslagerung abgeben. Normalerweise heißt es, je heller ein Whisky ist, um so jünger ist er und dementsprechend je dunkler er ist, um so älter. Hier muss allerdings noch ins Kalkül gezogen werden, dass eine bestimmte Fassnachlagerung auch einen dunkleren Whisky hervorbringt.
Eine eventuelle Kühlfilterung kann auch über das Betrachten wahr genommen werden. Ohne Kühlfilterung können sich Schlieren oder Schwebeteilchen im Whisky zeigen.

Den Alkoholgehalt des Whiskys können wir ganz einfach im Alkoholmeter bestimmen. Dafür wird der Whisky in die Spindel eingefüllt und der Alkoholgehalt abgelesen. Hier zeigt sich auch gleich, ob wir eventuell Wasser zur Verdünnung brauchen.

Danach kommt die Nase zum Zug … take a nose!

Rauch und Schärfe wird wahrscheinlich am schnellsten und besten gerochen. Andere Noten wie Holz, frische Früchte, reife Früchte, Vanille, Gewürze und so weiter sind sicher schwerer wahrzunehmen und bedürfen einiger Übung. Riechen wir Noten von Sherry, Rum oder Wein, können wir auf eine Fassnachlagerung schließen.

Als nächstes kommt der Geschmack an die Reihe … take a sip!

Der Geschmack gibt uns weitere Hinweise. Hier achten wir auf die Alkoholschärfe, um dem Alter des Whiskys näher zu kommen. Der Geschmack nach Früchten, Holz, Vanille, Gewürzen hilft uns weiter auf der Spur nach dem Whisky im Glas.

Und dann beginnt das große Raten. In der Gruppe ist das Rätseln sicher ein großer Spaß. Ohne Hinweise kann man jedoch nicht genau bestimmen, um welchen Whisky es sich handelt, nur die Richtung. Ein Blind Tasting kann noch gesteigert werden, indem man einen 'Ausreißer' zum Beispiel einen Rum unter die Whiskys mischt. Oder man verwendet ein farbiges Glas, sodass man die Farbe des Whiskys nicht erkennen kann.

Ob nun 'blind' oder nicht - viel Spaß beim Verkosten!