Das richtige Wasser zur Whisky-Verkostung

Ein wichtiger Zusatz zum Single Malt Whisky 

Oft höre ich diesen Satz bei Whiskyliebhabern: 'Ich trinke meinen Whisky nur pur'. Sollte man diesen Satz so stehen lassen? Sicher nicht. Aber dieser Satz drückt eine positive Grundeinstellung zum Genießen von Whisky aus: 'Ich werde meinen kostbaren Whisky doch nicht verwässern!'

Warum man seinen Whisky vielleicht doch einmal mit etwas Wasser verdünnen sollte und welches käufliche Wasser man dazu am besten verwendet, ist in diesem Artikel beschrieben.

Highland Spring Wasser aus Schottland
Highland Spring Wasser aus Schottland

Ohne Wasser geht im Leben nichts. Wir können zwar 10 Wochen lang ohne Nahrung überleben, da der Körper Nahrungsreserven angelegt hat. Aber nach wenigen Tagen ohne Wasser steht unser Leben auf der Kippe. Unser Körper besteht im Wesentlichen aus Wasser, von dem wir ständig große Mengen durch Atmung und Schwitzen verlieren. Der Durchschnittsmensch verbraucht zwischen 1,5 und 2,5 Liter pro Tag, die er möglichst schnell wieder auffüllen muß. Strengt man sich zusätzlich an oder treibt Sport, kann dieser Bedarf sich leicht verdoppeln. Neben unserem Leitungswasser deckt einen Teil dieses Wasserbedarfs der westliche Mensch mit Mineralwasser. Pro Jahr trinkt im Durchschnitt jeder Deutsche knapp 100 Liter Mineralwasser.

Wasser ist in unserem Körper das Allroundmittel, das sämtliche Lebensfunktionen reguliert. Wasser ist das Lösungsmittel, mit dem der Transport der Nährstoffe und der Abfallstoffe bewerkstelligt wird. Wasser reguliert weiterhin die Körpertemperatur. Die Verdunstungskälte des Schweiß auf der Haut kühlt den überhitzten Körper.

Wasserfall (Arran)

Der Mineraliengehalt in Wasser

Mineralwasser ist eines der natürlichsten Lebensmittel. Der Geschmack des Mineralwassers reicht von völlig neutral bis zu stark sauer oder salzig. Woher kommt dieser Geschmack? Es sind die gelösten Mineralien und anderen anorganischen Substanzen, die das Wasser auf seinem Weg an die Erdoberfläche mitbringt.

Füllt man einen Behälter mit Mineralwasser und taucht zwei Metallplatten hinein, so kann man mit einer angelegten Spannung die Ionen im Wasser zu einer geordneten Bewegung anregen. Die positiven Ionen scheiden sich an der negativ geladenen Metallplatte ab (Kathode). Man nennt sie deshalb auch Kationen. Mit den negativen Ionen (Anionen) geschieht das gleiche an der positiv geladenen Anode.

Die am häufigsten anzutreffenden Ionen sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.

KationenAnionen
NatriumChlorid
CalciumSulfat
MagnesiumHydrogencarbonat

Man teilt die Mineralwasser entsprechend Ihrem Mineralgehalt in 'arme' und 'reiche' Sorten, je nachdem wieviel mineralischen Inhalt das Wasser mit sich führt. Höchstwerte der 'reichen' Mineralwasser betragen mehr als 40 Gramm Mineralien je Liter (g/l). Zu den 'ärmsten' Sorten gehört das Wasser aus Hawaii mit nur 5mg/l (5-Tausendstel Gramm je Liter).

Zu den Mineralwassern mit weniger als 1g/l gehören die bekannten 'Franzosen' Volvic, Evian, Perier und Vittel.

Die häufigsten Kationen- und Anionenkombinationen in Mineralwässern ergeben sich aus den Gesteinsschichten, durch die das Wasser floß.

Kalksteinschichten Hydrogencarbonat-WässerGipsschichten Sulfat-WässerKochsalzlager Chlorid-Wässer
Natrium-Calcium-HydrogencarbonatNatrium-SulfatNatrium-Calcium-  Chlorid
Calcium-Magnesium-HydrogencarbonatCalcium-SulfatNatrium-Calcium-Magnesium-Chlorid

Natriumionen und Chloridionen ergeben zusammen Kochsalz. Mineralwässer mit vorwiegend diesen Bestandteilen werden also salzig schmecken. Salz besteht zu 60 Gewichtsprozenten aus Chloridionen und zu 40 Gewichtsprozent aus Natriumionen. Man muß also nur die Chloridmenge in einem Wasser durch 0,6 teilen und bekommt so die Menge Kochsalz, die im Wasser gelöst ist. Dies stimmt aber nur solange, wie die Natrium-Menge im Wasser für die Salzbildung ausreicht. Andernfalls muß man die Natrium-Menge durch 0,4 teilen, um die Kochsalzmenge zu erhalten.

Verdünnung mit Wasser

Whisky wird in der Regel mit 63,5 %Vol Alkohol in die Fässer zur Lagerung abgefüllt. Mit der Lagerung über viele Jahre verliert der Whisky in der Regel an Alkoholstärke, da der Alkohol durch die Faßwand entweicht. Gleichzeitig nimmt der Whisky Inhaltsstoffe aus dem Holz auf, was ihm einen Teil seines Aromas verleiht. Jedes Jahr verliert der Whisky im Faß zwischen einem halben und einem Prozentpunkt an Alkoholstärke. Bei der Abfüllung hat der Whisky in der Regel nur noch 50 bis 60% Alkohol. Dennoch würde in dieser Stärke der Alkohol unsere Geschmacksknospen auf der Zunge und im Mundraum immer noch betäuben. Unser Geschmacksempfinden wäre massiv beeinträchtigt. Wir müssen also verdünnen.

Hochwertige Whiskys werden immer öfter in Faßstärke abgefüllt, um es dem Genießer selbst zu überlassen, in welcher Verdünnung der Whisky genossen sein will. Beginnen Sie mit einer geringen Stärke (starken Verdünnung) und steigern Sie sie, wenn sich Ihr Gaumen an den Geschmack gewöhnt hat.

Die Auswahl des Wassers

Welches Wasser sollten wir für die Verdünnung des Whiskys zu Hause verwenden? Sollen wir ein ‘gesundes, reiches’ Heilwasser verwenden? Oder nehmen wir besser ein ‘armes’ bzw. deionisiertes Wasser, das nach rein gar nichts schmeckt? Sollen wir Sodawasser nehmen, wie wir es im Fernsehen in den zahlreichen Agentenfilmen immer wieder vorgespielt bekommen, oder wird der Whisky interessanter mit einem kräftigen Sprudel?

Aus meiner Sicht gibt es zwei Argumentationen, die einer kritischen Überprüfung standhalten:

1) Verwenden Sie zur Reduktion Ihres Whiskys auf Trinkstärke destilliertes bzw. deionisiertes Wasser, da der neutrale Geschmack des Wassers den Eigengeschmack des Whiskys nicht verfälscht. Schottische Whiskys, die mit 50 bis 60%Vol Alkohol aus dem Fass kommen, werden mit eben diesem Wasser auf die geforderte Flaschenstärke reduziert. Das schottische Whisky Gesetz schreibt diese Vorgehensweise zwingend für die Flaschenabfüllung außerhalb der Brennereien vor.

2) Schotten verwenden für die Verdünnung Ihres meistgeliebten Getränkes ausschließlich frisches Quellwasser aus heimischer Herkunft. Wer in einem schottischen Pub einen Whisky bestellt, erhält gleichzeitig einen Krug mit Quellwasser direkt aus dem Wasserhahn. Was ist also stilechter als das Nationalgetränk der Schotten mit dem heimischen Wasser zu verdünnen

Schottland besteht zum überwiegenden Teil aus Granitfelsen und Sandstein. Regenwasser, das über oder durch diese Gesteinsschichten fließt, enthält sehr wenig Mineralien.

Die große Vielzahl der im Handel erhältlichen Mineralwasser weist leider einen viel größeren Mineralgehalt auf, als das Leitungswasser in den schottischen Highlands und auf den Inseln. Achten Sie bei der Auswahl Ihres Wasser auf die Analyseergebnisse auf der Flasche. Verwenden Sie auch bitte ausschließlich stille Mineralwasser, da sprudelnde Wasser den Whisky unruhig auf der Zunge machen und mit ihrer gelösten Kohlensäule den Geschmack negativ beeinflussen.

Den größten Einfluß auf den Geschmack eines Mineralwassers hat das Salz und das Hydrogencarbonat. Vermeiden Sie Wasser die hohe Gehalte davon aufweisen.

Am Besten eignen sich original schottische oder die bekannten französischen stillen und armen Mineralwasser und natürlich destilliertes bzw. Deionisiertes Wasser. 

UngeeignetGeeignet
ApolinarisEvian
GerolsteinerVolvic
FachingerVittel
OberseltersHighland Spring
Überkinger

 Warnung: Trinken Sie nie größere Mengen reines, destilliertes Wasser. Der Mangel an Ionen kann Ihren körpereigenen Mineralhaushalt gravierend stören und sogar lebensbedrohend wirken.

Fügen Sie Ihrem destillierten Wasser aus diesem Grund immer eine entsprechende Menge Single Malt Whisky hinzu. ;-)