Internationaler Whisky

Sind internationale Whiskys genauso gut wie ihre schottischen, irischen und nordamerikanischen Vertreter? Viele Länder produzieren Whisky und vermarkten ihn in die ganze Welt. Werfen Sie mit uns einen Blick auf die internationale Whiskyindustrie. 

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In den hunderten von Videos, die über die Jahre bei Whisky.de und Whisky.com veröffentlicht wurden, dreht es sich in 90 Prozent der Fälle um schottischen Whisky. In den restlichen 10 Prozent der Videos beschäftigen sich Horst und Ben Lüning meist mit Whisky aus Irland, Kanada, den USA, oder hin und wieder mit einer deutschen Abfüllung.

Diese Verteilung kommt nicht von ungefähr. Denn der meiste Whisky auf der Welt wird - ganz klar - in Schottland produziert. Wenn man nun allerdings fragt, wo die zweitgrößte Menge Whisky herstellt wird, mögen die meisten auf Irland oder die USA tippen. Platz 2 in dieser Rangliste belegt jedoch - man mag es kaum glauben - Indien. Obwohl es sich bei diesen internationalen Abfüllungen darüber streiten lässt, ob es sich dabei nach unserem Verständnis überhaupt um Whisky handelt.

'Thai-Whisky'

Horst Lüning hat sich hierfür einmal aus seiner 'Komfortzone' heraus bewegt und sich auch anderen Whiskys als den altbekannten und geschätzten Single Malts aus Schottland angenommen. Da gibt es beispielsweise den Mekhong Whisky - auch genannt ‘The Spirit of Thailand‘. Mekong ist der Name eines Flusses in Asien, der unter anderem zwischen Thailand und Laos fließt. Durch die britische Kolonialisierung in der Vergangenheit hat man in Thailand sozusagen auch britische Wurzeln und somit viel vom Brennen des Whiskys mitbekommen. 1941 wurde dort die Whisky-Brennerei Mekhong gegründet.

Wie verkostet sich nun dieser Thai-Whisky?
Vorab ein paar Daten: Mekhong Whisky hat nur 35% und ist damit nach europäischem Gesetz kein Whisky. Hierzulande muss ein Brand mindestens 40% haben, um als Whisky bezeichnet werden zu dürfen. Hergestellt wird Mekhong aus 95% Melasse, also Sirup, der bei der Zuckergewinnung aus Rohrzucker zurück bleibt. Diese Melasse enthält neben Zucker auch Stärke, die ebenfalls vergoren werden kann. Zusätzlich besteht der Mekhong Whisky aus 5% Reis. Vom Rohstoff her erinnert dies stark an die Rumproduktion, denn Rum wird ebenfalls aus Melasse hergestellt - oder eben an die Herstellung von Reisschnaps. Zusätzlich enthält das Mekhong Rezept eine geheime Mischung aus Kräutern und Gewürzen.

Betrachtet man diese Daten, so handelt es sich nach unseren europäischen Vorstellungen bei Mekhong nicht um Whisky. Auch geschmacklich überzeugt Mekhong eher weniger als Whisky, Horst Lüning bezeichnet den Brand salopp als "Industriesprit". Nach Übernahme der Mekhong Brennerei durch die Thai Beverage Company wird Mekhong nun vermehrt international vermarktet, bekam ein englisches Label verpasst und wird seit 2011 auch in Europa und den USA vertrieben. Man merkt auch hier: Whisky ist auf dem Vormarsch!

Mekong Whisky
Mekong Whisky

Single Malt Whisky aus Pakistan?

Sehr ungewöhnlich ist die Kombination Single Malt Whisky und Pakistan. Doch es gibt die Murree‘s Brewery, eine Bierbrauerei im Nordosten von Pakistan, die auch Single Malt produziert. Dies ist jedoch nur Ausländern gestattet, da Pakistan bekanntlich ein 'trockenes' Land ist. Die Lizenz zur Whiskyproduktion in Pakistan geht also nur an Nicht-Pakistanis, was die Herstellung von 'Murree's Millennium' zu keinem einfachen Unterfangen macht.

Die Beschreibung der Herstellung, die sich auf der Umverpackung des Whiskys findet, liest sich jedoch so, wie wir es aus unserer europäischen Perspektive gewohnt sind: Er besteht aus Gerstenmalz und Quellwasser, wird langsam auf traditionellen schottischen Pot Stills destilliert und anschließend mindestens 12 Jahre in nordamerikanischen, australischen oder spanischen Eichenfässern oder '-behältern' im Keller der Destillierie - wo es kühler ist als in Pakistan üblich ist - gereift. Abgefüllt wird er mit 43% - Murree's hat also auch hierzulande den Namen Single Malt Whisky eindeutig verdient. Nicht ohne Grund setzen sich die Hersteller qualitätstechnisch mit den besten schottischen Whiskys gleich: "much better than a lesser Scotch Malt" liest sich das Zitat von Jim Murray, Autor des 'Complete Book of Whisky', auf der Flasche. Zusätzlich ist der Flasche noch ein detailliertes Zertifikat von Murray beigelegt. Man merkt, die Hersteller von Murree's müssen zeigen was sie haben, um ihren Standortnachteil wett zu machen.

Murree's Millennium
Murree's Millennium

Diese beiden Vertreter der internationalen Whiskybranche zeigen, sie haben einen lokalen Spirit, verfolgen jedoch verschiedene Ansätze in der Whiskyproduktion und -vermarktung: Mekhong Whisky definiert den Begriff Whisky neu, Murree's auf der anderen Seite orientiert sich stark nach schottischem Vorbild.

Interessant ist auch Indien, das mit seinen sehr hohen Whisky-Verkaufs- und Produktionszahlen international auf dem Vormarsch ist. In den Top 10 der 2017 meistverkauften Whiskys sind neben Jonnie Walker (Schottland), Jack Daniel's und Jim Beam (USA) sieben Produkte aus Indien vertreten. Meist handelt es sich dabei um Blends aus indischen Grain Whiskys und einem kleinen Anteil importiertem schottischem Malt. Auch in Indien wird bei der Whisky-Herstellung viel mit Melasse, die bei der Zuckerherstellung übrig bleibt, gearbeitet. Dieses Produkt wird dann mit, für unser Verständnis, 'normalem' Whisky aus Getreide verschnitten (Blend).

Ist das wirklich Whisky?

Oder besser gesagt haben wir das Recht zu definieren, was irgendwo auf der Welt Whisky ist? Die EU und die USA haben gesetzlich definiert was Whisky ist. Warum darf man in Asien nicht auch mit der eigenen Definition um die Ecke kommen? Sind wir wie früher die Kolonialmacht, die bestimmt, was global Whisky und nicht Whisky ist? Das könnten wir Europäer durchaus hinterfragen!

Diese Debatte erinnert an den Disput zwischen irischen und schottischen Whiskyherstellern. Es ging dabei um die 'richtige' Art und Weise, Whisky zu produzieren: mit Coffey Stills oder Pot Stills. Mit der Erfindung der Destillationskolonne (Coffey Still) in Schottland (übrigens von einem Iren!) wurde die Whiskyproduktion einfacher und günstiger, da für diese kontinuierliche Destillation kein Mälzen nötig ist. In Irland folgerte man daraus, dass dieses Destillat nicht mehr Whisky genannt werden darf. Damals wurde sogar eine königliche Kommission einberufen, die prüfte ob das Destillat aus dieser neue Art der Whiskyproduktion auch Whisky genannt werden darf. Man kam zu dem Ergebnis, dass dies sehr wohl Whisky ist, woraufhin man in Irland empört war und seit 1909 die Schreibweise des Wortes in Whiskey änderte, um sich abzuheben.

Damals hat die königliche Kommission diese Meinungsverschiedenheit über die Ländergrenzen hinweg geregelt. Soll nun die UN entscheiden ob Mekhong sich Whisky nennen darf? Oder ist eine dritte Schreibweise von Whisky/Whiskey nötig?

Wir wollen uns kein Urteil erlauben, daher belassen wir es bei diesen beiden - bei uns sehr unbekannten - Whisky-Abfüllungen. Bei uns im Shop werden Sie diese nicht finden; Zu groß ist die Konkurrenz durch die hervorragenden schottischen Whiskys in unserem Sortiment. Doch vielleicht ergibt sich ja einmal im Urlaub die Chance eine der unbekannteren Abfüllungen zu probieren - egal ob diese nun nach unserer Definition 'Whiskys' sind.

Unser Tipp: Besser erst einmal an der Bar probieren, bevor Sie eine ganze Flasche davon mit nach Hause nehmen!