Brennereischließungen im Spiegel der Jahrhunderte

Vor 200 Jahren produzierten in Schottland Tausende Farmbrennereien. Heute sind davon 100 mehr oder weniger große übrig geblieben. Wir beschreiben die Geschichte der Schließungen und betroffenen Brennereien.

Video
2-Klicks für mehr Datenschutz:
Erst wenn Sie auf den Play-Button klicken, wird das Video aktiv und von YouTube geladen.
Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass nach der Aktivierung Daten an YouTube übermittelt werden.
Mit dem Klick willigen Sie der Übertragung und unseren Datenschutzhinweisen ein.
Bitte beachten Sie auch die Datenschutzhinweise von YouTube.com.

Um sich diesem Thema zu nähern, muss man in schottischer Geschichte graben, die mit der britischen eng verbunden ist. Vor etwa 300 Jahren gab es tausende Brennereien, die alle eher klein waren, versteckt in den Highlands und weit ab vom Schuss.

Grund für die große Anzahl der Brennereien war die Verderblichkeit des Getreides. Um es haltbar zu machen, wurde daraus Alkohol gebrannt. Außerdem war diese Zusatzarbeit rentabel. Man verdiente etwas Geld dazu, da man für Whisky mehr verlangen konnte als für das Getreide allein.

Auch die Familie von George Washington hatte bereits die Whiskybrennerei als lukrative Einnahmequelle in den USA entdeckt. Anfangs brannte seine Familie Whisky, später verlangte er Steuer darauf. Clever! Denn er brauchte nach seinem Befreiungskrieg Geld.

Ab 1820 wurden in Schottland ebenfalls Steuern auf Whisky verlangt und Brenn-Lizenzen ganz offiziell verkauft. Das bewirkte, dass es Schwarzbrenner neben den legalen Brennereien gab. Diese zogen sich in die Highlands zurück. In jeder Brennerei kontrollierte man nun, ob versteuert und keine Fässer abgezweigt wurden. Dieser Job war gut bezahlt und selbst Robert Burns, der große schottische Nationaldichter hat sich tatsächlich auch als Steuereintreiber verdingt, um Geld zu verdienen.

Zum einen kam es so zu einem rasanten Rückgang der Brennereien, zum anderen erlebten die lizenzierten Brennereien einen Aufschwung, da sie einen garantierten Absatzmarkt hatten.

Außerdem gab es bereits etliche Brennereien, die auch schon vor Einführung der Steuer offiziell gearbeitet hatten. Man sieht dies am jeweiligen Gründungsdatum. Bowmore, Littlemill, Glen Garioch, Highland Park sind solche so genannten Farmbrennereien, die bereits vor der Einführung der Steuer existierten und die nach der Lizenzierung auf dem aufstrebenden Ast waren.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam ein großes Problem auf den britischen Staat zu: die Alkoholsucht! Der Whisky-Absatz war geradezu abenteuerlich. 160 Flaschen Whisky pro Jahr konsumierte der durchschnittliche britische Arbeiter. Beinahe wäre es durch den Alkoholmissbrauch auch in Schottland und in Irland zur Prohibition gekommen. Jedoch kam es Gott sei Dank ganz anders und Schottland profitierte von der Prohibition in den USA, indem es zum Lieferanten wurde.

Brennereien während der Kriege

Der 1. Weltkrieg führte zum Umsatzeinbruch, die Ressourcen wurden anderweitig gebraucht. Es wurde mehr anderer, billigerer Alkohol produziert. In Kriegszeiten wurde immer besonders wenig Whisky hergestellt. Somit sind für Sammler Whiskys mit Jahrgängen um die Kriegsjahre herum interessant!

Pünktlich zum 2. Weltkrieg wurde die Prohibition in den USA abgeschafft. Die Kennedys - ursprünglich aus Irland - wollten irischen Whiskey einführen. Leider sind die Iren nicht auf den Vorschlag eingegangen, was letztendlich weitreichende Konsequenzen hatte! Die Schotten standen mit ihrem schottischen Whisky zur Verfügung und 1933 auch in den amerikanischen Häfen bereit.

Die Iren hingegen mussten zum großen Teil nach dem Krieg ihre Destillen schließen. Zum Schluss blieben lediglich zwei Brennereien übrig: Im Norden die Brennerei Bushmills und im Süden Midleton.

Außerdem kam nach dem 2. Weltkrieg eine große Welle der Modernisierung und Konsolidierung auf die Brennereien zu. Es kam zum wirtschaftlichen Aufschwung in Großbritannien und davon profitierten auch die Whiskybrennereien in Schottland. Hier gab es - im Gegensatz zu Irland - kein großes Brennerei-Sterben. Ganz im Gegenteil: die Absatzmengen stiegen.

Dann jedoch kam der großer Wendepunkt 1979 bis 1982: die große britische Rezession, die dramatische Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft hatte. Löhne wurden einmal wöchentlich in bar ausgezahlt und man zahlte Dinge des täglichen Lebens, wie beispielsweise Kleidung, sogar in Raten. Es herrschte eine hohe Arbeitslosigkeit - es waren unsägliche Zeiten mit sehr wenig Geld, auch für die Whiskyindustrie. Hier gingen die Malt Whisky Brennereien vor die Hunde! Um ein paar Beispiele zu nennen: 1981 bis 1985 waren Glen Elgin, Glen Mhor, St. Magdalen, Springbank, Ardbeg, Port Ellen, selbst Glenfiddich und viele mehr betroffen. Andere reduzierten die Produktion. Das zog sich hin bis 1988. Dann kamen Brennereien wie Springbank und Ardbeg wieder auf den Plan. Allerdings gaben viele Brennereien die eigene Mälzerei auf, denn das Mälzen ist der teuerste Produktionsschritt und man sparte Kosten, indem man zentrale Mälzereien nutzte. Es ging langsam voran und schließlich ab 1991/92 wieder bergauf. Ein erster Boom begann ab 1995. Das Gründungsdatum unserer Firma - damals noch 'The Whisky Store' fiel in das Jahr 1993. Es stellte sich heraus, dass Whiskys aus den Highlands eher gefragt waren, sodass letzte Brennereien in den Lowlands leider schließen mussten, wie beispielsweise Rosebank und Littlemill. Aber auch Bruichladdich auf Islay und Glendronach in den Highlands waren betroffen.

Lagerhäuser der alten Port Ellen Brennerei
Lagerhäuser der alten Port Ellen Brennerei

Nachwirkungen der Brennereischließungen

Der Steigerungsprozess beschleunigte sich bis 2001. Dann platzte die sogenannte Internet Blase. Hier handelte es sich um Gewinnerwartungen und Spekulation auf steigende Aktienkurse im technologischen Bereich. Es führte dazu, dass erneut weniger Geld für die Malt Whisky Brennereien vorhanden war. Dieses Auf und Ab spürt man noch Jahrzehnte später, da der Whisky ja seine Lagerjahre erreichen muss! Beispielsweise war Lagavulin mit seinen typischen 16 Jahren Lagerzeit im Jahr 2000 schwer zu haben.

Heute nach 25 bis 30 Jahren sind alte Whiskys sehr knapp gesät. Und Whiskys die vor den 1980er Jahren abgefüllt wurden haben astronomisch hohe Preise. Nur private Brennereien wie Glenfarclas können alte Flaschen vorhalten und anbieten. Hier war wohl genügend Kapital vorhanden.

Im Zuge von Brennereischließungen - egal aus welchem Grunde - wurden Brennereien auch umgewidmet. So wurden zum Beispiel Apartements in St. Magdalen, oder ein Supermarkt auf der Fläche von Glen Elgin, Glen Mhor und North Port gebaut. In Glen Ugy entstanden Büros und in Rosebank zum Teil Restaurants. Rosebank wird von Ian Macleod Distillers wiederbelebt und neu aufgebaut, um dort nach 26 geschlossenen Jahren wieder Whisky zu produzieren.

Hier nun einige Flaschen aus den geschlossenen Brennereien:

Port Ellen wird in den Himmel gehoben, wobei Horst Lüning diese Einschätzung nicht unbedingt teilt. Loch Dhu ist unserer Meinung nach auch nicht unbedingt eine Trinkempfehlung. Solche Flaschen sind also eher für Sammler wegen Ihres Wertzuwachses interessant nicht unbedingt wegen ihres Geschmacks. Also Vorsicht! Wenn die Bestände versiegen, wird gerne eine letzte 'Spezialabfüllung' auf den Markt gebracht, um noch einmal richtig Geld zu machen. Beispiele hierfür sind Ardbeg und Bowmore. Doch der Wiederverkauf von Sammlerflaschen ist ein eigenes Thema.

Und hier noch ein Filmtipp: In 'Angels' Share - Ein Schluck für die Engel' geht es um ein altes letztes Fass, dass versteigert werden soll.