Whisky Fassgrößen

Die Größe des Fasses hat einen wesentlichen Einfluss auf die Geschwindigkeit der Whiskyreifung und damit auf den Geschmack. In einem kleinen Fass ist das Verhältnis von Whisky zu Fasswand höher, als in einem großen Fass. Je größer das Fass, desto weniger Kontakt besteht zwischen Whisky und Holz und desto langsamer reift der Whisky. Jedoch ist eine schnellere Reifung nicht zwingend die bessere. Im Folgenden finden Sie die gängigsten Fassgrößen in der Whiskyindustrie und was die jeweilige Größe des Fasses für die Whiskyreifung bedeutet.

Als Standard gelten die folgenden Fassgrößen:

Bourbon Barrel (American Standard Barrel)

In den USA ist es gesetzlich vorgegeben, dass Bourbon mindestens zwei Jahre in frischen Fässern aus amerikanischer Weißeiche reifen muss. Sind diese einmal zur Bourbonreifung verwendet worden, hat man dafür in den amerikanischen Brennereien logischerweise keine Verwendung mehr. Somit hat es sich in Schottland aus Kostengründen als Standard etabliert, Whisky in diesen gebrauchten Bourbonfässern zu reifen. Typischerweise umfasst ein solches American Standard Barrel (ASB) 53 US Gallonen, also umgerechnet rund 200 Liter. Das ASB gehört also zu den kleineren unter den Fässern.

ASB von Woodford Reserve
ASB von Woodford Reserve

Hogshead

Hogsheads sind Fässer, die aus den Dauben anderer Fässer gefertigt werden. So wird etwa ein Bourbon Barrel mit zusätzlichen Dauben zum ‘American Hogshead‘ oder ‘Bourbon Hogshead‘ und fasst rund 250 Liter. Auch aus den Dauben von früheren Sherryfässern werden Hogsheads hergestellt, die ebenfalls rund 250 Liter umfassen. Das Hogshead ist der meistverwendete Fasstyp. Der Name ‘Hogshead‘ leitet sich höchstwahrscheinlich von dem englischen ‘oxhead‘, also Ochsenkopf, her. Im Bild können Sie im Fässerstapel sehr schön den Unterschied in der Breite eines Hogsheads (Mitte) im Vergleich zu einem Bourbon Barrel erkennen.

Ein Hogshead unter kleineren Bourbon Barrels
Ein Hogshead unter kleineren Bourbon Barrels

Butt

In der Sherryindustrie sind Butts sehr weit verbreitet und geläufig, die ganze 500 Liter umfassen. Der Begriff ‘Butt‘ leitet sich vom italienischen Wort ‘botte‘ ab, was ‘Fass‘ bedeutet. Bei Butts unterscheidet man zwei unterschiedliche Bauweisen: Sherry Butts sind lange, dünne Fässer, die vorher zur Reifung von Sherry eingesetzt wurden und Port Butts, üblicherweise jedoch ‘Port Pipes‘ genannt, sind etwas gedrungenere Fässer aus der Portwein-Herstellung. Früher wurden Sherry und Portwein in diesen Fässern über den Ärmelkanal in das Vereinigte Königreich transportiert. Wie bei den Bourbonfässern ergriffen die Schotten die Gelegenheit beim Schopfe und sparten sich bares Geld indem sie ihren Whisky in den gebrauchten Sherryfässern reiften, die ohnehin schon vor Ort waren. Dadurch erlangte der Whisky zusätzliche fruchtige Aromen.

Sherry Butt bei Glenfarclas
Sherry Butt bei Glenfarclas

Port Pipe

Die Fässer aus der Portweinbranche sind sehr eng verwand mit den Sherry Butts. Port Pipes umfassen ebenfalls 500 Liter, manche sogar bis zu 650 Liter. Im Vergleich zu den Sherry Butts sind Port Pipes etwas gedrungener. Ähnlich wie die Sherry Butts sind Port Pipes durch den Transport von Portwein auf den britischen Inseln gelandet. Dort wurden sie für die Herstellung von Whisky weiter verwertet, um die Kosten und Mühen zu sparen neue Fässer anzufertigen. Die zusätzlichen Aromen, die der Whisky dadurch gewinnt, waren ein netter Nebeneffekt.

Port Pipes
Port Pipes

Quarter Cask

Quarter Casks sind kleinere Fässer, in denen Whisky häufig reift um mehr Aroma zu erhalten. Denn je kleiner das Fass, desto höher der Kontakt zwischen Whisky und Fasswand und desto mehr Aromen kann der Whisky absorbieren. Mit ‘Quarter‘ kann entweder ein Viertel von einem Butt gemeint sein, also 125 Liter oder ein Viertel von einem American Standard Barrel, also 50 Liter. Diese Fassgrößen waren früher sehr beliebt, da sich so Flüssigkeiten leichter transportieren ließen. Heute ist es vor allem der Vorteil der schnelleren Reifung, der Quarter Casks - vor allem für Nachreifungen - so beliebt macht.

Octave

Nur etwa ein achtel eines Butts, also rund 50 Liter umfasst ein Octave Fass. Davon leitet sich auch der Name ‘Octave‘ ab, denn sowohl in der Musik als auch in der Poesie hat Oktave immer mit der Zahl acht zu tun. Wie beim Quarter Cask gibt es auch im Octave viel Interaktion zwischen dem Whisky und dem Eichenholz, wodurch der Malt vergleichsweise schnell viel Aroma aufnimmt. Ein Octave ist jedoch etwas runder geformt als ein Quarter Cask.

Weitere, nicht allzu weit verbreitete Größen von Whiskyfässern sind die folgenden:

Kleine Octave Fässer
Kleine Octave Fässer

Blood Tub

Das kleinste unter den Whiskyfässern umfasst gerade einmal 30-50 Liter. Früher wurde das Blood Tub aufgrund der Vorteile für den Transport durch die kleine Größe genutzt. Heute kommt es nicht mehr in der kommerziellen Whiskyreifung zum Einsatz. Oft bieten Brennereien die kleinen Fässer für Kunden an, die gerne ihr eigenes Fass Whisky kaufen möchten.

Barrique

Barrique ist Französisch für Fass. Denn Barriques kommen ursprünglich aus Frankreich und wurden für den Transport von Wein verwendet. Dementsprechend sind die meisten Barriques aus französischer Weißeiche gefertigt und etwas größer als Hogsheads. Rund 225 Liter Whisky finden Platz in einem Barrique. Dieser nimmt natürlich durch die Vorbefüllung zusätzlich die Aromen des Weins aus dem Fass auf.

Port Charlotte Barrique bei Bruichladdich
Port Charlotte Barrique bei Bruichladdich

Bordeaux

Ein Bordeaux Fass ist ebenfalls ein Barrique, nur eben speziell eines das vorher mit Bordeaux befüllt war. Es kann ebenfalls mit 225 Litern Wein oder Whisky befüllt werden.  

Cognac

Ähnlich wie Sherry- und Weinfässer waren auch Cognacfässer durch den Import zur Genüge in Schottland vorhanden. Die Verwendung von Cognacfässern zur Reifung von Whisky ist nicht so geläufig wie die Verwendung von Weinfässern. Hier und da findet man aber auch einen Whisky mit einem Finish im Cognac Fass. In diesen Fässern finden rund 300 Liter Platz.  

Puncheon

Das Puncheon ist eine alte englische Maßeinheit, nach der irgendwann diese Art von Fass benannt wurde. Puncheons sind in der Reifung von Sherry weit verbreitet. Wie ein Butt fasst ein Puncheon ebenfalls 500 Liter, jedoch ist es etwas anders geformt. Es ist breiter und gedrungener. Manche Puncheons sind auch größer gebaut als andere - oder kleiner, wenn sie für die Reifung von Rum eingesetzt werden. In der Whiskyherstellung ist das gängige Puncheon jedoch das Sherry Puncheon, das rund 500 Liter umfasst.

Madeira Drum

Von der portugiesischen Insel Madeira stammt der gleichnamige Starkwein. Dieser reift in den sogenannten ‘Madeira Drums‘, die 650 Liter fassen. Diese Drums sind noch etwas kompakter als die ähnlichen Sherry Butts oder Port Pipes. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fasstypen, die aus europäischer oder amerikanischer Weißeiche hergestellt werden, besteht das Madeira Drum aus der sogenannten Traubeneiche. In der Whiskyreifung sind Madeira Drums vor allem für Finishes beliebt, um dem Whisky vor der Abfüllung noch die Aromen des Madeira Weins mitzugeben.  

Madeira Drum bei Glen Moray
Madeira Drum bei Glen Moray