Whisky in Tokajer/Tokaji-Fässern

1. Ursprung

Der Tokajer ist ein Süßwein und gilt als der erste große nach den gesüßten Weinen der Antike. Besonders geschätzt unter Weinkennern sind die Süßweine Tokaji Aszú ('Tokajer Ausbruch'), und Tokaji Eszencia ('Tokajer Essenz'). Diese gelten seit Jahrhunderten als kostbare Edelweine und Klassiker der Weinwelt. Sie entstehen ausschließlich im Weinanbaugebiet Tokajer. Dieses liegt zu etwa 90% in Nord-Ungarn sowie in der Süd-Slowakei. Namensgebend ist die ungarische Stadt Tokaj. Das Weingebiet liegt am Fuße des Tokajer Gebirges zwischen den beiden Flüssen Theiß und Bodrog.

'Tokajer' ist ein geschützter Begriff. Wie die Europäische Union festlegte, dürfen nur bestimmte ungarische Weine aus der Tokajer Weinbauregion den Namen 'Tokaji' oder 'Tokajer', tragen. Die EU erlaubte auch den Herstellern aus der Südslowakei, Weine unter dem Namen zu produzieren und verkaufen, sofern sie sich an die in Ungarn geltenden Qualitätsvorschriften halten.

2. Produktion

Tokajer wird aus Weißweintrauben hergestellt. Es werden verschiedene Verfahren angewendet, die zu unterschiedlichen Süßegraden und Qualitätsstufen beim Tokajer führen. In guten Jahren können im Tokajer Weingebiet jedoch Weinunikate entstehen, die mit zu den besten Süßweinen der Welt zählen.

Tokajer besteht aus den weißen, spät reifenden Rebsorten 'Furmint', 'Lindenblättriger', 'gelber Muskateller' und 'Zéta'. Die Reben wachsen meist auf Tonboden, der aus vulkanischen Gesteinen entstammt. Die Weinbergsböden sind oft steinig und an manchen Stellen auch sandig. Die Herstellung des Tokajers ist aufwändig und kostspielig. Dafür werden die getrockneten Trauben verwendet, die vom Aussehen an Rosinen erinnern. Durch Edelfäule am Rebstock weisen diese eine natürliche Mostkonzentration auf. Die Edelfäule ist jedoch wetterabhängig und tritt nicht in jedem Jahr auf. Das Tokajer Weingebiet liegt klimatisch gut: Der Schutz durch das Gebirge sowie das günstige Mikroklima mit Feuchtigkeit und Nebel sind gute Bedingungen für die Edelfäule 'Botrytis cinerea' und die anschließende Eintrocknung der Beeren. Durch diese Botrytis-Schrumpfung der Trauben erfolgt die Lese sehr spät, in der Regel im November. Die Trauben werden von Hand in zahlreichen Lesevorgängen geerntet. Dabei werden edelfaule und nicht edelfaule Trauben getrennt voneinander weiterverarbeitet.

3. Auswirkung auf den Geschmack

Tokajer an sich bringt durch den Mix der verschiedenen Rebsorten viele Nuancen an Aromen mit. Die Hauptsorten 'Furmint' und 'Lindenblättriger' sorgen für ausgewogen trockene sowie duftige, florale Aromen. Ergänzt werden diese durch die typischen Muskatnoten von 'Muskateller' und 'Zéta'. Insgesamt hat der Tokajer honigartige sowie fruchtige Noten, die auch dem Whisky bei der Reifung im Tokajer-Fass fruchtige Aromen mitgeben.

4. Auswirkung auf die Farbe

Durch die helle Farbe des Weines hat ein Tokajer-Fass keinen Einfluss auf die Farbe des im Fass reifenden Whiskys. Manche im Tokajer-Fass nachgereiften Whiskys weisen eine dunklere Farbe auf, doch diese stammt dann aus dem Fass der Erstreifung, während das Tokajer-Fass den Whisky mit geschmacklichen Noten beeinflusst.