Whisky als Anlageform

Vorwort

Seit mehreren Jahren lese ich die Bücher der Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik mit wachsender Begeisterung. Besonders gefreut hat mich, dass Marc Friedrich Whisky als Sachwert schon mehrfach in den Medien zur Sprache gebracht hat. Meist mit einer lustigen Anspielung zwischen Rendite und Alkoholgehalt. "Bei Whisky sind 40% garantiert …"

Zwar muss der Alkoholgehalt von Whisky nach Verordnung (EG) Nr. 110/20081 mindestens 40% vol enthalten. Das heißt aber noch lange nicht, dass man mit diesem Whisky auch eine Ankauf-/Verkaufrendite von 40% erreichen wird. In welchem Zeitraum auch immer. Allerdings zeigt Whisky hier auch seine Stärke. Sollte sich die Rendite eines Wertsammlers (ein Investor, der auf eine Wertsteigerung aus ist) nicht so einstellen wie angenommen, so kann man die Flasche dennoch seiner finalen Bestimmung zuführen und mit mindestens 40% Alkoholstärke konsumieren. Scherzhafterweise spricht man auch von einer hochprozentigen und liquiden Anlageform.

Geschichte

Es gibt keine Spirituose auf der Welt, die über die vergangenen 200 Jahre eine ähnliche globale Verbreitung erfahren hat, wie Whisky. Es gab eine ganze Reihe an Hypes wie Rum und Wodka, die jedoch ihren Höhepunkt bereits überschritten haben. Tequila ist auf dem Peak und Gin befindet sich in einem steilen Aufstieg. Aus Asien, woher auch sonst, stammt die aktuell meistverkaufte Spirituose der Welt. Jinro ist der neue Shooting Star.

Einen konstanten Aufschwung mit nur sehr wenigen Rückschlägen zeigt der schottische Whisky oder kurz Scotch genannt. Aber auch seine Cousins, der US-amerikanische Bourbon und der Irish Whiskey legen kräftig zu. Zusammen stellen sie nach wie vor die Nummer 1 der globalen Spirituosenindustrie noch vor dem Branntwein dar. Doch woran liegt das? Schließlich lassen sich klare, Spirituosen wie Wodka und Gin deutlich billiger und einfacher herstellen. Warum bevorzugen die Menschen weltweit Whisky?

Dafür gibt es aus Sicht des Autors zwei Gründe. Whisky wird aus Bier hergestellt, genauso wie Branntwein das Destillat des Weins ist. Da Bier das am weitesten verbreitete alkoholische Getränk der Welt ist und Wein dicht dahinter folgt, sind auch die Destillate dieser Getränke (Whisky ist destilliertes Bier ohne Hopfen) sehr beliebt. Der Mensch neigt nur begrenzt zu Experimenten.

Der für die Langfristigkeit größte Einfluss ist, aus Sicht des Autors, das kulturelle Erbe des Britischen Empire. Bis Ende des 19. Jahrhunderts, und eingeschränkt bis zum zweiten Weltkrieg, war Großbritannien mit seinen Kolonien die bedeutendste Weltmacht. Nicht umsonst hieß es, dass im Britischen Empire die Sonne niemals unterginge und die Hymne "Rule, Britannia!" von Thomas Arne4 mit dem einprägsamen Refrain "Britannia rule the waves" zeigt beispielhaft die Weltstellung Großbritanniens.

Was weniger bekannt ist, war die Organisation der Kolonien und deren Stützpunkte. Die Verwaltung lag vor allem in englischer Hand. Hier wurden die kolonialen Schätze vereinnahmt und nach London verschifft. Doch das Militär und die Marine oblag im Empire meist den Schotten. Rund die Hälfte der Welthandelsmarine segelte im 19. Jahrhundert unter dem Union Jack. Und rund zwei Drittel dieser Schiffe wurden am schottischen Clyde, dem Meeresarm an dessen östlichen Ende Glasgow liegt, gebaut.

Und all diese Schotten wollten ob dem Kampf und den Entbehrungen in den Kolonien auf eines nicht verzichten: Ihren Whisky! Und so wundert es nicht, dass heute die größten Whiskyproduzenten der Welt aus dem ehemaligen Empire stammen:

1 Case entspricht 12 Flaschen zu je 0,75 Litern Inhalt. Zusammen 9 Liter.

Indien stellt offiziell 120m Cases/Jahr her. Jedoch enthält indischer Whisky einen hohen Anteil an Alkohol aus Melasse, der mit Whisky aus Getreide geblendet (vermischt) wird. Nach unserer westlichen Definition entsprechen diese Destillate nicht unserem Verständnis von Whisky als einem Destillat aus reiner Getreidemaische. Dennoch, die Schotten in den Kolonien versuchten aus den jeweils vorhandenen Zutaten das Beste zu machen. So musste man in USA vor allem auf den endemischen Mais als Basis zurückgreifen.

Die Welt globalisiert mit großen Schritten und Englisch hat es zur Weltsprache gebracht. Das dürfte am Commonwealth of Nations, das aus dem Kolonialreich der Briten hervorging, und der globalen Führungsposition der USA begründet sein. Doch nicht nur die Sprache, auch die alten Gewohnheiten der angelsächsischen Kultur mit warmem Frühstück und Whisky statt Cognac haben zur Festigung des Whiskys als Spirituose No 1 auf dem Weltmarkt beigetragen.

Gesetze und Verordnungen

Im Gegensatz zu anderen Spirituosen unterliegt Whisky einer starken Regulierung und einer einfachen Ausprägung. Während man sich beim Cognac an merkwürdigen und sich nur dem Insider erschließenden Abkürzungen wie V.S., V.S.O.P., XO etc. orientieren muss, gibt es beim Whisky vor allem eines: Das Alter. Z.B. 12 Jahre … und Schluss. Diese extrem einfache Qualitätsunterscheidung zwischen einzelnen Whiskys über eine einzelne Zahl schafft eine Sicherheit beim Verbraucher, wie sie anderen Spirituosen nicht zu eigen ist. Dass ein Whisky mit 30 Jahren Alter schlechter als einer mit 18 Jahren schmecken kann, steht auf einem anderen Blatt.

Natürlich gibt es unterhalb dieses 'demokratischen', um nicht zu sagen wenig elitären Elements des Alters noch weitere Abstufungen. Sie machen die Whiskys besonders und damit teuer und mitunter wertvoll und werterhaltend oder sogar wertsteigernd. Und genau darum soll es im weiteren Text im Speziellen gehen.

Eine der wenigen Bezeichnungen, die Sie sich beim Investment in guten Whisky merken müssen ist der Typ des Whiskys: Single Malt Scotch Whisky. In diesen vier einfachen Worten liegt der Schlüssel zum Erfolg des Investors. Malt steht englisch für Malz, also gekeimte Gerste. In diesen angekeimten Gerstenkörnern liegt keine Stärke mehr vor. Per enzymatischer, natürlicher Keimung wurde diese Stärke wie beim Bier in Malzzucker verwandelt, der dann zu einem Starkbier (ohne den bitteren Hopfen) mit 8 bis 9% Alkoholgehalt vergoren wird. Anschließend wird auf Destillationsapparaturen zum Whisky gebrannt.

Das Wort Single steht für die Herkunft aus einer einzelnen Brennerei. In solchen Flaschen werden keine Whiskys unterschiedlicher Brennereien miteinander vermählt (geblended), sondern rein aus einer Brennerei abgefüllt. Deshalb setzt man meist auch den Brennereinamen mit auf das Flaschenetikett.

Der richtige globale Whisky-Hype begann mit dem Aufstieg des Internets. Es erlaubte das erste Mal die weite und tiefe Verbreitung des Spezialwissens um den Whisky auf der gesamten Welt. Einige Länder konnten davon in Sachen hochwertigem Whisky mehr profitieren als andere. In Schottland wacht über das Einhalten aller Regularien1 die Scotch Whisky Association, die Industrievereinigung der Whiskyhersteller Schottlands. Sie wachen unter Einsatz sämtlicher international möglicher rechtlicher Mittel, dass Scotch Whisky ausschließlich aus Schottland stammen darf. Sie legt zusammen mit der Regierung in Westminster fest, welche Regularien vorhanden sein sollten und welche nicht. Alles zum Wohle der Industrie und der Steuereinnahmen der Krone. Selten haben Industrievereinigung und Regierung bei solchen Themen gleichmäßiger und vor allem so stark in eine Richtung zusammen gearbeitet.

2009 wurde mit neuen Regularien z.B. festgelegt, dass Single Malt Scotch Whisky ab sofort nur noch auf klassischen Pot Stills, also kupfernen Brennkesseln, hergestellt werden darf. Der Einsatz von industriellen Destillationskolonnen wurde verboten. Der Whisky aus diesen Massenproduktionen darf nur noch in Blended Scotch Whisky Verwendung finden. Ein deutlicher und willkommen angenommener Eingriff in Richtung hoher Qualität des produzierten Whiskys.

Aus Sicht eines Sammlers geht es in 99,9% aller Ankäufe um Single Malt Scotch Whisky. Obwohl die USA mittlerweile abseits der bekannten Megaseller ebenfalls auf hohe Qualitäten wert legen, wurden sie von Sammlern bislang jedoch weitgehend ignoriert. Allein Asien mit Südkorea und Japan konnten bislang erste Erfolge bei teuersten Qualitäten erzielen. Seit rund 10-15 Jahren gibt es einen Sammlermarkt für asiatische Whiskys. Mit steigenden Preisen und steigenden Stückzahlen.

Flaschenkennzeichnung

Allein aus den Informationen auf einer Whiskyflasche, lässt sich die Spreu vom Weizen bzw. Malt hervorragend trennen, wenn man die Grundregeln beherrscht.

Im Folgenden wollen wir auf die einzelnen Elemente des Etiketts eingehen.

Brennereiname

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen echten Brennereinamen (z.B. Balvenie, Lagavulin und Laphroaig) und Handelsmarken. Letztere sind oftmals identisch mit Namen aus dem 19. Jahrhundert, um Eindruck zu schinden. Sehen Sie in einer Whisky-Datenbank1 im Internet nach, ob es eine Brennerei unter diesem Namen tatsächlich gibt. Da es sich meist um alte gälische Namen handelt, erschließt sich das nicht instinktiv. Finden Sie englische Worte und Namen auf der Flasche (z.B. Johnnie Walker, Old Keeper), so handelt es sich in der Regel um Handelsware, die mit wenigen Ausnahmen weitaus geringere Sammlerwerte aufweist.

Whiskybezeichnung

Achten Sie auf die Bezeichnung Single Malt Scotch Whisky. Nur hiernach suchen Sammler wirklich. Ihnen gegenüber stehen die Blended Scotch Whiskys, die auf zwei Arten und Weisen produziert werden. Einmal erfolgt eine Mischung ausgesuchter Malt Whiskys mit Industriewhisky, dem sogenannten Grain Whisky. Die meistverkauften und preiswerten Blended Scotch Whiskys der Welt (z.B.: Johnnie Walker, Chivas Regal, J&B, Dewar's) stammen aus dieser Gattung.

Höherwertiger sind schon die Blended Malt Scotch Whiskys. Hier werden zwar auch Whiskys unterschiedlicher Brennereien miteinander vermischt. Aber bei allen Whiskys handelt es sich um Maltwhisky und keinen industriellen Grainwhisky. Es gibt zwar einige alte und seltene Blended und Blended Malts höchster Qualität, jedoch sind sie bereits beim Händler sehr teuer und zeigen selten weitere Preissteigerungen.

Whiskyregionen

Der Bezeichnung Single Malt Scotch Whisky wird bei den höherwertigen Abfüllungen oft noch eine Region voran gestellt. Die klassischen fünf Regionen sind in alphabetischer Reihenfolge: Campbeltown, Highland, Islay, Lowland und Speyside. Heute dürfen, um nicht Brennereien lokal zu diskriminieren, auch alle weiteren regionalen Bezeichnungen hinzugefügt werden. Jedoch haben die alten fünf Regionen unter Sammlern eine höhere Akzeptanz. Nach subjektiver Einschätzung des Autors ist die Reihenfolge von höchster zur niedrigsten Bedeutung: Islay, Speyside, Highlands und Lowlands. Die kleine Region Campbeltown mit heute nur noch drei Maltwhiskybrennereien sollte man gesondert betrachten. Die Bedeutung der einzelnen Brennerei zählt dort mehr, als die Zuordnung zur Region.

Whiskys aus den Lowlands haben in den vergangenen Jahrzehnten keine große Nachfrage mehr erfahren. Die Anzahl an Brennereien ging rapide zurück. Dennoch sind unter Sammlern Flaschen von einigen wenigen Brennereien nach wie vor gesucht und zeigen Preissteigerungen.

Alkoholgehalt

Die europäischen Verordnungen schreiben einen Mindestalkoholgehalt bei Whisky von 40% im Volumen (Abkürzung vol) vor. Whisky wird bei der Herstellung jedoch weitaus höher destilliert, um die entstandenen Aromen nach der erfolgten Gärung zu konzentrieren. Typischerweise werden Alkoholstärken von 65 bis 70% erreicht. In seltenen Fällen, wenn der Whisky auf drei statt zwei Pot Stills nacheinander destilliert wird, entstehen auch Alkoholgehalte von 80%. Zur erforderlichen Reifung im Fass hat es sich geschichtlich in der Branche mit wenigen Ausnahmen eingebürgert, den Rohwhisky auf einen Alkoholgehalt von 63,5% durch die Zugabe von Originalwasser aus der Brennereiquelle zu verdünnen.

Der Grund war praktischer Natur. Der Malt Whisky ging nach der Reifung zu über 95% in die Blended Whiskyindustrie. Und die einzelnen Firmen lieferten sich gegenseitig Fässer aus ihren Brennereien, um sich eine größere Auswahl an Geschmacksalternativen zu verschaffen. Und statt nun die Alkoholgehalte einzeln pro Fass zu messen, tauschte man Fässer gleicher Größe und gleichen Alters 1:1 untereinander aus. Das lästige Abrechnen entfiel.

Während der Lagerung verliert jedoch der reifende Whisky an alkoholischer Stärke. Eichenholz hat im Gegensatz zu den harzhaltigen Nadelhölzern offene Poren, die einen Austausch mit der Umgebungsluft ermöglichen. Und da Ethanol einen höheren Dampfdruck als Wasser bei den Lagerbedingungen aufweist, verdunstet über diese Poren mehr Alkohol als Wasser und der Alkoholgehalt im Fass sinkt. Das Resultat sind Whiskys, die nach 10 und mehr Jahren deutlich geringere Alkoholgehalte von nur noch 50% bis 60% aufweisen.

Normale Whiskys werden deshalb bei der Abfüllung auf die gewünschte Trinkstärke reduziert. Um teuren Maltwhisky zu sparen, werden die sich stark verkaufenden Whiskys auf das gesetzliche Minimum von 40% verdünnt.

Und hier kann man die ersten Qualitätsmerkmale feststellen. Brennereien, die schon immer auf eine bessere Qualität wert gelegt haben, weisen oft eine Stärke von 43% auf. In der Regel kann man sagen, dass die wenigsten Flaschen mit nur 40% Stärke heute noch ein Wertsteigerungspotential aufweisen.

Ein besonderes Merkmal für einen guten Whisky ist die Abfüllung in Fassstärke. Hier wird der Whisky nicht verdünnt und mit 'krummen' Alkoholgehalten direkt abgefüllt. 56,7% sind genauso möglich wie 40,1% nach extrem langer Lagerzeit. Bitte achten Sie aber darauf, dass auf der Flasche tatsächlich Cask Strength (Fassstärke) angegeben ist. Es gibt durchaus auch hochprozentige Whiskys (z.B. Glenfarclas 105 mit 60%), die dennoch verdünnt sind und ein geringeres Wertsteigerungspotenzial aufweisen.

Diese Cask Strength Whiskys werden besonders von Genießern bevorzugt, weil sie bei ihrem Genuss die Menge an zuzusetzendem stillen Wasser selbst bestimmen können. Das ist vorteilhaft für den Investor. Er hat für seinen späteren Verkauf nicht nur den Sammler, sondern auch den Genießer als Zielgruppe.

Alter und Jahrgänge

Das Alter von Whiskys wird meist auf dem Etikett mit angegeben. Es gilt aber nicht, dass ältere Whiskys immer teurer sind oder die größere Wertsteigerung aufweisen. Manches Mal übersteigt die Besonderheit des Inhalts die Wertsteigerung eines besonderen Alters. Alle Whiskys, die keine Altersangabe aufweisen, sind in Europa mindestens 3 Jahre alt. Für USA gelten 2 Jahre.

Doch Whiskys müssen in ihren einzelnen Bestandteilen nicht das gleiche Alter aufweisen. Werden mehrere Fässer in einer Brennerei miteinander vermischt, so bleibt das Ergebnis wegen der Herkunft aus einer Brennerei immer noch ein Single Malt. Auf dem Etikett muss immer das Alter des jüngsten Whiskys angegeben sein. Älter darf der Inhalt sein. Jünger niemals. Alternativ kann jedoch ein Jahrgang angegeben werden. Wenn als 1976 auf einer Flasche steht, so können durchaus Whiskys aus zurück liegenden Jahren aus der selben Brennerei mit eingemischt sein. Der jüngste darf jedoch nicht jünger als 1976 sein. Dennoch zeigen aus der Erfahrung des Autors Whiskys mit Jahrgangsangabe größere Preissteigerungen als solche mit reiner Altersangabe.

Am Interessantesten sind für Sammler Whiskys, die nicht nur ein Alter oder einen Jahrgang sondern exakte Brenn- und Abfülldaten auf dem Etikett zeigen. Oftmals wird auch die Anzahl an abgefüllten Flaschen aus dem einzelnen Fass oder der Charge mit angegeben. Je weniger Flaschen, um so wertvoller kann die Flasche am Ende werden. Doch Achtung! Auch hier gibt es eine gewisse Inflation. Wenn 100 sehr ähnliche Einzelfässer getrennt voneinander abgefüllt wurden, so ergibt sich aus dem scheinbaren Vorteil ein Nachteil. Niemand weiß, wie viele Flaschen es wirklich aus dem Jahrgang gab und ob die Fässer ähnlich oder unterschiedlich ausfielen.

Färbung und Kühlfilterung

Whisky darf nach Gesetzen und Verordnungen Zuckerkulör (karamellisierter Zucker) als Farbstoff zugesetzt werden. Ursprünglich war dieses Vorgehen dazu gedacht, einzelne Chargen, gemischt aus dem Inhalt von Dutzenden an Fässern, zu egalisieren. Fiel nämlich eine Charge auch nur geringfügig heller aus, so wurde dies von den Kunden umgehend bemerkt und bemängelt. Also orientierte man sich an der dunkelsten Charge und färbte die anderen zur einheitlichen Farbgebung ein wenig nach.

Bei billigen Blended Whiskys hat sich diese Färbung jedoch oft verselbstständigt. Und so werden aus kurz gelagerten und damit weißwein-hellen Whiskys dann recht dunkle Vertreter. Die Gesetzgeber in Deutschland und Dänemark haben als einzige Staaten reagiert und schreiben zwingend die Nennung eines eventuellen Zusatzes dieses geschmacksneutralen, natürlichen Färbungsmittels vor. Jedoch steckt der Teufel im Detail. Da sich die EU nicht auf eine einheitliche Regelung festlegen wollte und ein freier Warenverkehr zwischen den Staaten der EU erwünscht ist, kann man sich auf diese Kennzeichnung nicht verlassen. Gute Shops im Internet geben deshalb eine eventuelle Färbung von Whiskys, soweit der Hersteller dies bekannt gibt, bei den Flaschen mit an. Zwei Flaschen mit gleichem leicht gefärbtem Inhalt, abgefüllt auf der selben Anlage, erhalten damit einmal Etiketten ohne und einmal mit dem Hinweis auf Färbung.

Seit etwa der Jahrtausendwende finden wir vermehrt Flaschen mit einem Alkoholgehalt von 46% im Angebot. Dieser spezielle Alkoholgehalt hat eine besondere Bedeutung. In der Vergangenheit war es üblich, seinen Whisky auf Eis zu trinken. Das hatte zahlreiche Nachteile. Auf Eis verdampfen aus dem Whisky, wegen des mit sinkender Temperatur abnehmenden Dampfdrucks der Flüssigkeiten, immer weniger Aromastoffe. Ein richtig eiskalter Whisky ist geschmacklich tot. Nun ja, manche Menschen wollen Whisky trinken und nicht genießen. Die Wirkung geht in solchen Fällen wohl vor den Genuss.

Doch wenn man Whisky auf Eis abkühlt, dann bilden sich aus den im Whisky gelösten Aromastoffen sogenannte Mizelle. Das sind zusammengelagerte Molekülkomplexe, die sehr kleine Klümpchen bilden. Diese Form von Selbstassemblierung durch Abkühlung bildet im Whisky einen trüben Niederschlag. Verstärkt wird er noch durch die Verdünnung des Whiskys durch das schmelzende Eis. Weniger Alkohol bedeutet weniger Lösungsfähigkeit für diese Stoffe.

Doch wer will schon einen trüben Whisky genießen? Es gibt dazu zwei Abhilfen. Das erste Verfahren ist die Abkühlung des Whiskys auf Temperaturen zwischen 0°C und -4°C. Anschließend werden die sich zusammenballenden Mizelle durch mehrschichtige Filter mit Kieselgurplatten herausgezogen. Wird nun der Whisky anschließend erneut vom Konsumenten auf Eis gekühlt, erscheint dieser trübe Niederschlag nicht mehr im Whisky, da die dafür verantwortlichen Stoffe nicht mehr im Whisky vorhanden sind. Allerdings, und das ist für Sammler und Genießer interessant, werden dem Whisky auch Aromastoffe entzogen. Whiskys, die nicht kühlgefiltert und damit naturbelassen sind, erzielen in der Regel höhere Preise am Markt.

Allerdings unterliegen diese Whiskys der Gefahr, dass über Jahrzehnte der Aufbewahrung der Flasche ein Niederschlag auch ohne Abkühlung entsteht, was den möglichen Verkaufspreis einer Flasche massiv reduziert. Alternativ kann man die Lösungsfähigkeit des Whiskys für diese zur Trübung neigenden Stoffe erhöhen. Und das geht am besten mit einem leicht erhöhten Alkoholgehalt. 46% hat sich als eine ziemlich sichere Hausnummer erwiesen.

Finden Sie als Investor die Angabe 'unchillfiltered' auf einem Whisky, so ist dies positiv für die zukünftige Wertentwicklung.

Flaschengröße

2009 entfielen in unserer Fertigpackungsverordnung die festen Füllmengen für Lebensmittel. Für Milch galt z.B. bislang eine Füllmenge von 1 Liter oder einem geraden Bruchteil oder Vielfachen. Heute darf man Milch auch in 0,375 Liter Packungen abfüllen. Allerdings schaffte es die Lobby der Alkoholindustrie, ihre Flaschengrößen weiterhin als verpflichtend bei uns zu halten. So haben wir es in der Whiskyszene mit abstrusen Ausnahmen zu tun. Weltweit haben Wein- und Sektflaschen einen Füllinhalt von 0,75 Litern oder einem Vielfachen oder geraden Bruchteil davon. In USA gilt für die Standard-Whiskyflasche dasselbe. Nicht jedoch in der EU. Hier hält man verpflichtend an 0,7 Litern Füllmenge fest.

Der europäische Sammler findet also vor allem 0,7 Liter Flaschen vor. Doch keine künstliche Marktbarriere ist völlig undurchlässig und so bereichern ungewöhnliche 0,75 Liter Flaschen den Sammlermarkt. Doch Achtung! Manche Sammler sammeln halt nur eine von beiden Sorten. Ein weltweites Anbieten dieser Sammlerstücke führt aus diesem Grund nicht immer zum gewünschten Erfolg.

Äußeres Erscheinungsbild

Der Volksmund sagt: "Das Auge isst mit!" Das gilt auch für Whisky. Das Erscheinungsbild einer Flasche hängt nicht nur von der Farbe des Whiskys und den Angaben auf dem Etikett ab. Auch die Umverpackung zählt. Einfache Whiskys werden in der sogenannten Standard Liquor Bottle ohne Umverpackung verkauft. Dies ist eine schlichte farblose Flasche, die häufig mit einem Schraubverschluss aus Metall ausgeführt ist. Der Schraubverschluss ist fast immer Anzeichen für eine billige Massenware. Hochwertige Ware wird mit Korken verschlossen.

Es gibt aber Ausnahmen. Im 20. Jahrhundert war die Empfindlichkeit der Verbraucher in Sachen Natürlichkeit noch nicht so hoch wie heute. Ein Metallverschluss hat zudem noch den Vorteil, dass er wegen der eingelegten Dichtung den Geschmack eines Whiskys nicht verändern kann. Denn Whisky kann, nicht ganz so häufig wie wie Wein, anfangen zu korken.

Metallverschlüsse mit Kunststoffdichtung verhindern dies zuverlässig. Ein Abfüller der hochwertigsten Whiskys überhaupt (Gordon & MacPhail aus Elgin, Schottland) verschloss seine Flaschen bis vor ein paar Jahrzehnten aus diesen Gründen grundsätzlich mit Schraubverschlüssen. Man sollte also solche Verschlussarten nicht grundsätzlich ablehnen. Allerdings muss man aufpassen, dass der Flüssigkeitsstand in der Flasche durch Verdunstung nicht zu weit abgesunken ist. Denn das Metall hält über die Jahre die Vorspannung auf der Dichtung nicht und der Whisky beginnt zu verdunsten. Kundige Sammler drehen die Metallverschlüsse ihrer Whiskys deshalb im Jahresabstand etwas nach. Doch Achtung! Bitte nicht überdrehen.

Je hochwertiger ein Whisky ist, um so mehr legt der Hersteller auch wert auf eine ansprechende Verpackung. Die einfachste Form besteht aus gefalteter, farbig bedruckter Pappe. Sie schützt die Flasche vor dem Verkratzen. Allerdings neigt auch sie selbst über die Jahre zu einem gewissen Verschleiß. Soll heißen es zeigen sich feine Kratzer auf den Farbflächen und die Ecken sind mitunter abgestoßen und die blanke Pappe scheint durch. Lagerte ein Whisky in einem feuchten Keller, so leidet diese Art der Umverpackung besonders und kann den Wert einer Whiskyflasche massiv reduzieren.

Neben der Pappverpackung mit quadratischer Grundfläche gibt es häufiger zylindrische Dosen mit metallenen Deckeln. Sie werden seltener verwendet, sind jedoch kein Anzeichen für einen höheren Flaschenwert.

Herausragende Flaschen werden von den Herstellern mit Holzkisten versehen. Mitunter findet man feinste Schachteln aus Wurzelholz, die sicherlich zwischen 50 und 100€ in der Herstellung kosten. Diese werden nur verwendet, um die Hochwertigkeit einer Flasche besonders hervorzuheben. Doch Achtung! Manches Mal versteckt sich hinter so einer extremen Verpackung nur ein durchschnittlicher Whisky, der von Sammlern nicht akzeptiert wird.

Geschenkpackungen mit zwei Gläsern, Taschenflaschen und andere Accessoires eignen sich so gut wie nie zur Geldanlage. Sie sind als Geschenke gedacht.

Die Wertsteigerung

Sammeln von Whisky ist sehr vergleichbar mit dem Aktienmarkt. Erscheint eine Flasche das erste Mal auf dem Markt (entspricht dem IPO), so gibt der Handel, beeinflusst vom Großhandelspreis der Herstellers, den ersten Verkaufspreis vor. Handelt es sich bei der Flasche um eine normale Erweiterung des Sortiments einer Brennerei, so sind keine Preissteigerungen zu erwarten. Im Gegenteil. Da die Hersteller mit jeder neuen Flasche versuchen die Preise anzuheben, kommen die Preise im Handel bald unter Druck. Preisreduktionen von rund 10% im ersten Jahr sind nicht selten. Über die Jahre versucht man die Preise der Inflation anzupassen, was nicht immer gelingt. Es gibt mehrere Dutzend bekannte Flaschen, die über die vergangenen 25 Jahre im Preis stabil geblieben sind.

Anders und besser für den Sammler ist, wenn Whiskys mit einer stark limitierten Anzahl an Flaschen erscheinen. Wenn z.B. eine Brennerei einen Whisky eines speziellen Alters, gereift in besonderen Fässern wie beispielhaft von der Atlantikinsel Madeira, anbietet. Besonders gut ist es, wenn sich die Preise noch unter 100€ pro Flasche bewegen. Denn von einem niedrigen Preisniveau fallen die Preissteigerungen in der Regel prozentual höher aus. Da die Anzahl der Flaschen begrenzt ist und es oftmals mehr Kaufwillige als Flaschen gibt, wandern die ersten so verkauften Flaschen unmittelbar auf die Versteigerungsplattformen im Internet und werden dort mit einem Arbitrage-Gewinn verkauft. Schon am ersten Tag nach diesem 'Pseudo-IPO' können die Flaschenpreise sich verdoppeln.

Worin liegt dies begründet? Die überregionalen Händler wie Whisky.de erhalten je nach Verfügbarkeit nur einige Dutzend bis zu wenigen Hundert von diesen Flaschen. Sie haben jedoch weitaus mehr Kunden für die Ware. Also werden besondere Kunden (z.B. eigene Clubkunden) bevorzugt und gleichzeitig die Abgabe auf eine Flasche pro Kunde begrenzt. Wer sich nun einen Stock an diesen Flaschen anlegen will, der muss versuchen bei mehreren Händlern Stammkunde zu werden. Doch wer seine Kaufkraft auf mehrere Händler verteilt, der wir ob des gesunkenen Umsatzes mit einem Händler nicht den Status eines Stamm- oder Clubkunden erreichen.

Also besteht eine rege Nachfrage nach den ersten weiterverkauften Flaschen. Sehr vergleichbar zu interessanten IPOs, bei denen man bei der Zuteilung von Aktien zu kurz kam und man am ersten Handelstag an der Börse nachkaufen musste.

Die Wertsteigerung einer Flasche lässt sich schwer vorhersagen. Verdoppelt sich der Preis einer solchen Flaschen von z.B. 70€ am ersten Tag auf 140€ in der folgenden Woche, so hat man eine Wertsteigerung von 100% erfahren. Schafft man jede Woche so einen Deal, so erreichen die Gewinne astronomische Höhen. Doch leider gibt es nicht jede Woche solche Deals. Am Ende dieses Kapitels gebe ich einen Ausblick, bei welchen Brennereien die Chancen für solche Wertsteigerungen am größten sind.

Ist die Nachfrage nicht ganz so groß, so kämpfen die Sammlerpreise mit den Verkaufspreisen der Händler. Um diese extremen Preissteigerungen nicht in den Taschen der Sammler 'versickern' zu lassen, haben sich im Umfeld der Hersteller/Großhandel-Distribution/Einzelhändler interessante Spielchen entwickelt. Flaschen werden dabei zunächst vorsichtig in den Markt gebracht, um die Preise nicht zu entwerten. Wenn die Preise dann anziehen, folgen weitere Flaschen zu höheren Preisen, bis dann die letzten gehorteten Flaschen zu Sammlerpreisen verkauft werden. Geht der Hersteller so vor, bleiben die Gewinne der Arbitrage-Jäger begrenzt.

Hat ein Hersteller nur wenige Flaschen mit extremer Qualität bzw. Seltenheit, so beginnt der Verkauf gleich in astronomischer Höhe. Mehrere Tausend Euro Einstiegspreis für eine 40 Jahre alte Flasche einer herausragenden Brennerei sind heute üblich. Von New York bis Singapur finden sich leicht die Hundert Kunden, die keinen Preis zu beachten haben. Doch Achtung! Für den Wertsammler sind diese Flaschen meist nicht interessant. Der Hersteller hat den Preis bereits so extrem eingestellt, dass sich diese extremen Flaschen trotz geringer Auflage nur über Jahre hinweg abverkaufen. Preissteigerungen sind so nicht möglich. Also … Finger weg von extrem teuren Flaschen. Ein kleines Rechenbeispiel hilft: Wenn sich eine Flasche für 3.000€ über 5 Jahre auf 3.300€ im Wert erhöht, so haben Sie eine Rendite von nur 10% über 5 Jahre eingefahren (1,92%/Jahr). Da bringt sogar Gold im Jahr 2019 schon mehr.

Ein Extrembeispiel

Welcher Sammler kennt die legendäre Black Bowmore Flasche nicht? 1964 kam die namhafte Bowmore Brennerei auf der wohl berühmtesten Whiskyinsel Islay vor der Westküste Schottlands in finanzielle Schieflage und wurde verkauft. Der neue Eigentümer befüllte bereits im selben Jahr herausragende Ex-Sherryfässer mit seinem Whisky. 30 Jahre später wurde dieser extrem dunkle Whisky auf die Flaschen gezogen und zu 150DM (heute 77€) pro Flasche verkauft. Insgesamt erschienen drei Chargen. Wir von Whisky.de kaufen eine halbe Palette der Final Edition um das Jahr 1998 und warteten ab.

Über die folgenden Jahre verkaufen wir Flaschen zu steigenden Preisen bis wir bei Stand von rund 700€/Flasche fast ausverkauft waren. Die letzte Flasche versteigerten wir dann zu 2.805€ im Jahr 2002. Das entsprach für diese einzelne Flasche einer jährlichen Wertsteigerung von 67,2%.

In den Jahren danach sank der Preis der Flaschen auf dem Sammlermarkt. Zu viele wollten den Preis nun realisieren und der Preis verfiel bis auf 1.500$. In der Zwischenzeit haben viele Sammler und Genießer der Verlockung nicht widerstehen können und haben ihre Flaschen geleert. Die letzten von mir beobachteten Preise lagen bei 10.000$.

Auch der Hersteller ist auf den Zug aufgesprungen und hat seine letzten beiden Fässer aus den ersten Jahren jetzt mit einem Alter von 50 Jahren abgefüllt und verlangt pro Flasche in extremer Verpackung 16.000GBP (17.670€ 2019).

Jedem der Nachrechnet wird sehr schnell klar, dass die größten prozentualen Preissteigerungen auf niedrigem Preisniveau stattfinden.

Fälschungen

Auf den einschlägigen Versteigerungsplattformen werden hin und wieder auch leere Flaschen angeboten. Das hat seinen Ursprung in den USA, wo der Transport von gefüllten Whiskeyflaschen in Nachprohibitionszeiten nur wenigen Transporteuren vorbehalten war. So wurde der US-Whiskey mitunter in Sammelkaraffen abgefüllt und vor dem Versand der Flasche wieder vom Inhalt befreit. Der US-amerikanische Sammler war 'Trockenheit' noch aus der Prohibition gewöhnt und konnte sich auch an den leeren Karaffen optisch erfreuen.

Heute werden leere Flaschen wertvoller Whiskys im Internet an den Meistbietenden verkauft. Und die Gefahr ist groß, dass diese Flasche wieder befüllt ihren Weg in den Sammlermarkt findet. Meist werden diese erneut befüllten Flaschen zu Schnäppchenpreisen angeboten. Nach dem alten Motto: "Gier frisst Hirn" findet sich dann auch immer ein Käufer, der ein Vielfaches des wahren Wertes des Inhalts bezahlt. Prominentestes Opfer war die Brennerei Macallan selbst, die sehr alte Flaschen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts vor allem aus dem italienischen Markt zurück kaufte. Hausinterne Zweifel an der Echtheit dieser Flaschen führten zu einer Untersuchung in einem Radioisotopen-Labor einer britischen Universität. Und tatsächlich fand man in der Mehrzahl der Whiskyflaschen minimale Mengen an Radioisotopen der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki. Bestes Anzeichen, dass der Whisky in der Flasche aus Getreide gebrannt wurde, das erst nach dem zweiten Weltkrieg geerntet wurde.

Falls Sie sich als Sammler auf diesen Sekundärmarkt begeben wollen, so lassen Sie sich unbedingt die Originalrechnung des renommierten Händlers des ursprünglichen Kaufs zeigen. Falls er diese Rechnung im Original nicht weitergeben kann, weil noch andere Flaschen aus seiner Sammlung darauf vermerkt sind, so lassen Sie sich wenigstes eine Kopie aushändigen. Kann man den Lebenslauf einer Flasche nachweisen, um so sicherer wird ein zukünftiger Weiterverkauf. Sparen also auch Sie Ihre Kaufbelege auf.

Praktische Tipps zur Lagerung

Whiskyflaschen können sehr schnell an Wert verlieren, wenn Schachteln und Etiketten unter Umweltbedingungen leiden. Ein Absinken des Füllstands lässt sich über sehr lange Zeiten nicht immer vermeiden. Metallverschlüsse lockern sich und natürlicher Korken ist immer etwas luftdurchlässig. Doch man sollte darauf achten, dass nicht zu viel an Füllstand verloren geht. Der Fachmann spricht von (three quarter neck, half neck, usw.). Solange sich der Füllstand im oberen, zylindrischen Hals der Flasche oberhalb des 'Necks' befindet und nicht mehr als 2cm abgesunken ist, ist alles ok.

Ganz wichtig ist die Lagerung des Whiskys. Der Korken in der Flasche ist ein Gebrauchskorken, ganz im Gegensatz zum Einmalkorken in einer Weinflasche. Während Wein in der Flasche reift und bis zu einem gewissen Punkt auch besser wird, bleibt Whisky bis auf feinste Nuancen im Geschmack so, wie er beim Entleeren des Fasses war. Deshalb zählen auch die Jahre der Lagerung eines Whiskys nicht zum Alter hinzu. Ein 12-jähriger Whisky, den Sie vor 10 Jahren gekauft haben, ist und bleibt ein 12-jähriger Whisky.

Doch kommen wir zum Korken zurück. Ein Gebrauchskorken muss weitaus lockerer in einer Flasche sitzen, als ein Einmalkorken. Denn wie wollte man die Flasche während des über Monate andauernden Genusses bis zu 35 Mal wieder verschließen? Und da der Korken nicht so fest sitzt, darf man die Flaschen NIEMALS über längere Zeit legen und den Korken dem Whisky aussetzen. Der Whisky dränge in den natürlichen Korken ein und würde seinen Weg nach draußen finden. Nach dem ersten Jahr sehen Sie einen Tropfen, dann ein paar mehr und ehe Sie es sich versehen haben sie einen aufgelösten Korken und ein verschmutztes Etikett.

Auch größere Temperaturwechsel schaden dem Inhalt. Ein Gemisch aus Alkohol und Wasser - und Whisky besteht zu mehr als 95% daraus - dehnt sich deutlich mit einem Wechsel der Temperatur aus. Eine Abkühlung des Whiskys von 25°C auf 0°C kann den Flüssigkeitsspiegel im Flaschenhals um mehr als 1cm absenken. Dieser neue Raum bleibt nicht ungefüllt und so drückt Luft von außen über die Poren des Korkens in die Flasche. Diese Luft reichert sich mit Alkoholdämpfen an, die beim nächsten Erwärmen wieder nach außen gedrückt werden.

Extremsammler haben verschiedensten Konservierungsformen entwickelt, die ich hier nur anreißen und nicht empfehlen möchte. Wie bei einer Aktie sind Sie höchstpersönlich für Ihre Entscheidungen selbst verantwortlich.

Die einen umwickeln den Kopf der Flasche mit einer speziellen, sehr neutralen und gut dehnbaren Folie aus dem Chemielaborbedarf. Das nicht ganz billige Produkt nennt sich Parafilm und ist im Internetversandhandel verfügbar. Mit einer Rolle kommt man schon sehr weit, so dass der Preis einen nicht reuen muss.

Andere packen die gesamte Flasche nebst Umverpackung in einen hermetisch verschließbaren, lebensmittelechten Kunststoffbeutel. So wird nicht nur die Flasche sondern auch das Etikett und die Schachtel geschützt.

Was Sie auch tun. Sie sollten auf eine konstante Temperatur mit moderater aber nicht zu niedriger Luftfeuchtigkeit am Lagerort achten. Damit haben Sie das Problem an der Wurzel minimiert.

Whisky in der Krise

Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dass wir in den kommenden Jahren in eine massive, wirtschaftliche Krise stürzen. Der Autor dieser Zeilen glaubt fest daran, dass wir zum Erscheinungszeitpunkt des Buchs bereits in einer Rezession stecken werden und dass wir in der zweiten Hälfte 2020 in eine Krise stürzen werden, die die Finanzkrise von 2008 im Nachhinein zu einem Zuckerschlecken verklären wird. Was wird unser Whisky dabei machen? Seine Preise werden ebenfalls abstürzen. Genau wie Aktien, Immobilien, Kunst, Oldtimer und Gold. Denn in einer riesigen Wirtschaftskrise fehlt es an Liquidität. Wie heißt es so schön? Cash ist in der Krise King! D.h. die Nachfrage nach diesen Luxusgütern lässt massiv nach, was die Preise verfallen lässt. Doch keine Angst. Genauso wie nach der Weltwirtschaftskrise in den 30ern und der vergangenen Finanzkrise erholen sich die Preise mittelfristig wieder. Whisky ist also ein Vehikel, um ihren Wohlstand über Jahrzehnte hinweg zu sichern.

Natürlich mag der eine oder andere auf den Gedanken kommen, dass man in der größten Not auch Whisky gegen Brot tauschen kann und wenn alle Stricke reißen auch selbst verzehren kann. Denn Whisky enthält Alkohol und der enthält 7kcal Energie pro Gramm reinem Alkohol. Doch Achtung! Hier konsumieren Sie an der falschen Stelle.

Legen Sie sich für die Krise einen größeren Vorrat an preiswertem Whisky an. Ein Single Malt Scotch Whisky für 25€/Flasche tauscht sich genauso gegen ein Brot, wie eine Highend-Flasche zu 250€. Sorgen Sie also dafür, dass Sie sich 'kurz vor Schluss' noch einen Vorrat von rund 100 Flaschen einfachen aber guten Single Malt Whiskys auf Lager legen. Wegen der Präferenz der Menschen für Whisky (statt billigem Wodka), werden Sie beim Bäcker der beliebtere Kunde sein.

Gute Whiskybrennereien

Zum Abschluss möchte ich noch eine Liste an herausragenden Whiskybrennereien nennen. Von dieser Liste an Brennereien ausgehend, können Sie sich im Markt umsehen. Ich teile sie in zwei Gruppen Tier 1 und 2 ein. (engl. Tier = Stufe, Klasse). Tier 1 sind die alten, extrem renommierten Brennereien, von denen es bereits extreme Sammlerflaschen gibt. Tier 2 sind dagegen die Brennereien, die noch keine lange Erfolgsstrecke aufzuweisen haben, jedoch vom Markt aus meiner persönlichen Sicht seit wenigen Jahrzehnten akzeptiert wurden. Fragen Sie unterschiedliche Experten, so werden Sie unterschiedliche Einordnungen erhalten. Sie werden indes einen Großteil der Namen wiederfinden.

Tier 1Tier 2
ArdbegAberlour
BowmoreBalvenie
DalmoreBenriach
Highland ParkBruichladdich
GlenfarclasCaol Ila
GlenfiddichEdradour
GlenlivetGlendronach
GlenmorangieGlengoyne
LaphroaigTalisker
Lagavulin
Macallan
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