Whisky aus dem Rotweinglas -- und andere Experimente ...

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    Dabei seit: 05.02.2017Beiträge: 0Flaschensammlung:StyrianSpirits SammlungBewertungen: 89
    , letzte Änderung 18. Oktober 2017 um 12:16
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    Liebe Whiskyfreundinnen und Freunde, ich hab' mittlerweile sehr viele Malts nicht nur aus dem Rotweinglas, sondern auch aus allen möglichen anderen Gläsern verkostet.


    Es ist wirklich erstaunlich, wie unterschiedlich dieselbe Grundsubstanz riechen und schmecken kann.


    Warum ist das so?


    Meine bisherigen praktischen Erfahrungen sowie die Infos von Whisky- und Weinkennern kurz zusammengefasst:

    1. Der Geruch oder besser: die Geruchs-Wahrnehmung hängt zuerst einmal von der Glasform und Größe ab. Wie gut kann der Sauerstoff (s.o.) im Glas wirken (Größe, Form) und die jeweiligen Aromen verstärken, anders staffeln o.ä.? Wie stark oder weniger stark kann dieses Aroma an die Umgebung (und die Nasen der Kostenden) weitergegeben werden (Form)?

    2. Die Geschmackswahrnehmung folgt dann einerseits natürlich dem Geruch und andererseits macht auch die Auftreffart auf die Zunge und in den Mundraum einen Unterschied: Die Lippe beim whisky.de-Glas zum Beispiel führt dazu, dass der Malt sofort und intensiv auf die Zungenspitze und den vorderen Mundbereich kommt. Was je nach Mundregion unterschiedliche Geschmacksrezeptoren aktiviert. Bei mir verstärkt das offensichtlich die Wahrnehmung von Salz- und Bitternoten.

    Außerdem können auch Whiskies bei unterschiedlichen Temperaturen unterschiedlich schmecken. So kann sich im Hochsommer der Geschmack ändern: Zeitgleich mit einer Whiskykennerin machte ich die Erfahrung, dass während der heißen Tage im Juli bei einem 12er-Sherry-Macallan plötzlich Schwefelnoten (!) auftraten. Und diese Schwefelnoten konnten wir bei Tastings im kühleren September nicht mehr finden.

    3. Die Abgangs-Wahrnehmung folgt dann wiederum der Geruchs- und Geschmackswahrnehmung.

    Soweit meine bisherigen Erkenntnisse. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die vielen erfahrenen WhiskykennerInnen in unserem Forum noch sehr viel mehr Erkenntnisse, Erfahrungen, Beispiele, Einsichten haben ...

    >> Meine Sample-Liste mit Proben von Standard-, Premium- und Luxus-Whiskys

    Flaschenteilungen (FT): Old Pulteney 1983 [aktiv] | FT 015 | FT 014 | FT 013 | FT 012 | FT 011FT 010 | FT 009 | FT 008 | FT 007FT 006 | FT 005 | FT 004 | FT 003FT 002 | FT 001


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  • Marko_I User, Moderator Marko_I Dabei seit: 11.01.2006Beiträge: 13,701Flaschensammlung:currently quarantinedBewertungen: 1425
    , letzte Änderung 18. Oktober 2017 um 17:36
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    2. Die Geschmackswahrnehmung folgt dann einerseits natürlich dem Geruch und andererseits macht auch die Auftreffart auf die Zunge und in den Mundraum einen Unterschied: Die Lippe beim whisky.de-Glas zum Beispiel führt dazu, dass der Malt sofort und intensiv auf die Zungenspitze und den vorderen Mundbereich kommt.

    Das finde ich bei Horst schon befremdlich - wie "kippt" ihr denn Whisky? ;-)
    Bei mir liegt das Glas vorn an der Unterlippe auf/an. Mund leicht geöffnet, die Zunge liegt quasi rundherum an den Zähnen an, Glas langsam nach oben neigen, bis der Flüssigkeitsstand die Oberlippe erreicht, dann lässt die Zunge ventilmässig eine kleine Menge durch. Die Flüssigkeit kommt immer gleichermassen auf die Zungespitze, egal ob ich sie aus dem Bugatti, meiner Kaffeetasse, meinem Wasserbecher oder meinem Verdünnungswasserkrug trinke.
    (Es macht lediglich einen gefühlsmäßigen Unterschied, wie das Gefäß außen anliegt, die Lippen müssen das ja abdichten.)
    Und wo sich der Whisky dann im Mund befindet, ist ganz allein die Sache meiner Zunge, da hat das Glas, was sich da vielleicht noch draußen am Mund befindet, vermutlich aber schon nicht mehr, weil das Ventil schon zu ist, nichts zu melden, direkt nach dem Einlaß ist der Whisky üblicherweise vorn oben im Mund, zwischen Rückseite Vorderzähne, vorderem Gaumen und Zungenspitze "eingeklemmt", bevor er dann weiter "herumgeschoben"  wird.
    Ein irgendwie geartetes "Auftreffen" in den Mundraum, was mit einer glasformbedingten Bewegung oder Flussrichtung zu tun haben könnte, findet nicht statt.



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  • Waschbär User Waschbär Dabei seit: 01.05.2014Beiträge: 24,276Bewertungen: 5
    , letzte Änderung 18. Oktober 2017 um 19:29
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    Marko_I schrieb:



    2. Die Geschmackswahrnehmung folgt dann einerseits natürlich dem Geruch und andererseits macht auch die Auftreffart auf die Zunge und in den Mundraum einen Unterschied: Die Lippe beim whisky.de-Glas zum Beispiel führt dazu, dass der Malt sofort und intensiv auf die Zungenspitze und den vorderen Mundbereich kommt.

    Das finde ich bei Horst schon befremdlich - wie "kippt" ihr denn Whisky? ;-)
    (...)
    Unbewusst, würde ich sagen. Das hab ich mich jedenfalls noch nie gefragt. Geschweige denn so genau bei mir oder anderen beobachtet.

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    @Marko_I Ich gehöre offenbar zur Gruppe der "Glasversteher" :wink: Aber vielleicht sollte ich wirklich nicht übertreiben und alle gleich behandeln -- oder mich von allen gleich behandeln lassen ... :lol:

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  • JdH User JdH Dabei seit: 09.12.2016Beiträge: 2,406Bewertungen: 9
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    Marko_I schrieb:



    2. Die Geschmackswahrnehmung folgt dann einerseits natürlich dem Geruch und andererseits macht auch die Auftreffart auf die Zunge und in den Mundraum einen Unterschied: Die Lippe beim whisky.de-Glas zum Beispiel führt dazu, dass der Malt sofort und intensiv auf die Zungenspitze und den vorderen Mundbereich kommt.

    Das finde ich bei Horst schon befremdlich - wie "kippt" ihr denn Whisky? ;-)
    Bei mir liegt das Glas vorn an der Unterlippe auf/an. Mund leicht geöffnet, die Zunge liegt quasi rundherum an den Zähnen an, Glas langsam nach oben neigen, bis der Flüssigkeitsstand die Oberlippe erreicht, dann lässt die Zunge ventilmässig eine kleine Menge durch. Die Flüssigkeit kommt immer gleichermassen auf die Zungespitze, egal ob ich sie aus dem Bugatti, meiner Kaffeetasse, meinem Wasserbecher oder meinem Verdünnungswasserkrug trinke.
    (Es macht lediglich einen gefühlsmäßigen Unterschied, wie das Gefäß außen anliegt, die Lippen müssen das ja abdichten.)
    Und wo sich der Whisky dann im Mund befindet, ist ganz allein die Sache meiner Zunge, da hat das Glas, was sich da vielleicht noch draußen am Mund befindet, vermutlich aber schon nicht mehr, weil das Ventil schon zu ist, nichts zu melden, direkt nach dem Einlaß ist der Whisky üblicherweise vorn oben im Mund, zwischen Rückseite Vorderzähne, vorderem Gaumen und Zungenspitze "eingeklemmt", bevor er dann weiter "herumgeschoben"  wird.
    Ein irgendwie geartetes "Auftreffen" in den Mundraum, was mit einer glasformbedingten Bewegung oder Flussrichtung zu tun haben könnte, findet nicht statt.
    Ich würde mal sagen, bei mir bildet die Oberlippe eine Höhle in die der Whisky dann hineinströmt. Da ist kein Ventil oder sowas und daher kommt dann wohl auch das andere Fließverhalten in den Mundraum. Die Lippe vom whisky.de Glas lässt die Flüssigkeit eben nach unten zur Zungenspitze hin abfallen, während sie beim Glencairn eben weiter nach hinten Strömt.

    Deine Trinkweise habe ich eben auch kurz probiert - ich glaub' die ist mir auf dauer zu anstrengend.
  • Oldie61 User Oldie61 Dabei seit: 28.01.2014Beiträge: 5,624Bewertungen: 1
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    @Marko_I Ich gehöre offenbar zur Gruppe der "Glasversteher" :wink: Aber vielleicht sollte ich wirklich nicht übertreiben und alle gleich behandeln -- oder mich von allen gleich behandeln lassen ... :lol:


    @StyrianSpirit726 

    Du bist der "Whisky-Flüsterer" und das ist nicht despektierlich!


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  • Marko_I User, Moderator Marko_I Dabei seit: 11.01.2006Beiträge: 13,701Flaschensammlung:currently quarantinedBewertungen: 1425
    , letzte Änderung 19. Oktober 2017 um 17:43
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    @Marko_I Ich gehöre offenbar zur Gruppe der "Glasversteher" :wink: Aber vielleicht sollte ich wirklich nicht übertreiben und alle gleich behandeln -- oder mich von allen gleich behandeln lassen ... :lol:

    Noe. Das mit dem Aroma ist ja klar. Gehe ich mit. Auch grossen Respekt fuer deine Vergleiche! Aber dann...
    Als Horst das mit der Lippe zum ersten mal brachte (bei der "Konstruktion" seines Nosingglases), habe ich mich selbst "beobachtet". (Und heute auch ein paar Leute, die aehnlich wie ich ein Dram ueber 30-45 Minutewn geniessen). Und da "ergiesst" sich nix oder "fliesst ueber die Zunge". Bei Whisky (oder heissem Zeug, Kaffe, Tee) steht die Fluessigkeit quasi bis auf Hoehe Oberkante Unterlippe und wird dann in kleinen Portionen per Oeffnung des Zungenventils hereingelassen bzw. sogar per Unterdruck eingesaugt. Wie das draussenhaengende Gefaess aussieht, ist dafuer egal. Das beeinflusst nur die Lippenformung oder stoert an der Nase, wenn ich zu stark ankippen muss. ;-) Und die weitere Verteilung bestimme ich selbst. Fliessen und auf der Zunge ergiessen habe ich vielleicht, wenn ich mir durstig und schnelle ein grosses Glas Wasser oder Milch oder Bier reinhelfe. Dann ist es aber geschmacklich auch egal, ob da Flasche oder Eimer draussen dranhaengt, bei der Menge oder Fliessgeschwindigkeit.
    Ich denke, fuer die Nase sind Oberflaeche des Whiskys, Groesse der Oeffnung, Volumen an Luft im Glas und "Tiefe" (Entfernung Nase-Whisky) schon wichtig. Geschmackliche Unterschiede durch die Glasform halte ich hingegen fuer Voodoo. Zumindest bei meiner "Trinktechnik". Der Whisky schmeckt direkt aus der Sampleflasche genauso wie aus dem Tumbler oder dem Bugatti.

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  • pianoman User pianoman Dabei seit: 27.02.2014Beiträge: 5,148Bewertungen: 0
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    Marko_I schrieb:
    (...)
    Ich denke, fuer die Nase sind Oberflaeche des Whiskys, Groesse der Oeffnung, Volumen an Luft im Glas und "Tiefe" (Entfernung Nase-Whisky) schon wichtig. Geschmackliche Unterschiede durch die Glasform halte ich hingegen fuer Voodoo. Zumindest bei meiner "Trinktechnik". Der Whisky schmeckt direkt aus der Sampleflasche genauso wie aus dem Tumbler oder dem Bugatti.


    Dem würde ich zustimmen -- wenn man "direkt" trinkt, also vorher nicht daran riecht.


    Wenn man vorher am Whisky riecht, wäre es schon möglich, dass das Gehirn "vorkonditioniert" ist, also je nach Glas ein bisschen anders. Ich würde es nicht ausschließen, dass dies auch zu leicht unterschiedlichen Geschmackswahrnehmungen führen könnte.

    Aktuelle Teilung(en): -

    Samples aus der Piano Bar (inkl. abgeschlossene Teilungen)


    Suche Family Casks Jahrgänge 1978, 1982, 1983, 1984

    WaschbärJdH2 gefällt das
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    @pianoman und

    @Marko_I Ich denke, fuer die Nase sind Oberflaeche des Whiskys, Groesse der Oeffnung, Volumen an Luft im Glas und "Tiefe" (Entfernung Nase-Whisky) schon wichtig. Geschmackliche Unterschiede durch die Glasform halte ich hingegen fuer Voodoo. Zumindest bei meiner "Trinktechnik". Der Whisky schmeckt direkt aus der Sampleflasche genauso wie aus dem Tumbler oder dem Bugatti.

    Liebe Leute, das ist ja spannend, wie unterschiedlich die Wahrnehmung ist! Das, was wir "Geschmack" nennen, ist aber immer eine Kombination aus dem Riechen mit der Nase und dem Schmecken mit der Zunge im Mund, darin sind sich Theoretiker wie Praktiker der Geschmackswahrnehmung ziemlich einig. Wer verkühlt ist oder gar nichts riechen kann, wird anders oder gar nichts schmecken. Wessen Geschmacksnerven in der Zunge gestört (etwa durch große Hitze oder starke Schärfe) oder (durch Krankheit) abgestorben sind, wird den Geschmack ebenfalls anders oder gar nicht wahrnehmen.


    Aber darum geht's ja nicht nur. Offensichtlich gibt es unterschiedliche Wahrnehmungsweisen und v.a. auch mechanische Umsetzungsweisen im Übergang eines Getränkes aus einem Glas in den Mund. Marko gleicht offenbar mit seinen Lippen vorhandene Glasrandunterschiede weitestgehend aus.


    Ich hab' mich jetzt extra nochmal genau -- mit einem Dalmore Dominium in beiden Gläsern -- beobachtet. Ich gehöre zu jenen, die den Glasrand ungefähr in der Mitte der Unterlippe auflegen und sich so "vom Glasrand führen lassen". Aus dem "Hotte-Glas" führt das dazu, dass der Mund (Ober- und Unterlippe) etwas mehr "angespitzt" wird, auch die Zunge etwas spitzer wird und der Malt dann tatsächlich konzentrierter vorne auftrifft. Liegt übrigens auch daran, dass das Hotte-Glas ja nach außen gebogen ist und die Flüssigkeit dann "von etwas höher oben" und damit etwas konzentrierter auf die Zunge kommt.


    Mein "Standard-Stölzle-Nosingglas" liegt breiter in der Mitte der Unterlippe auf, der Mund ist damit etwas "entspannter" und auch ein wenig mehr geöffnet und der Malt verteilt sich etwas langsamer und breiter in den Mundraum, was dann offenbar zur unterschiedlichen Initial-Geschmackswahrnehmung führt. Das anschließende Verteilen des Whiskies im Mundraum verändert dann diesen Ersteindruck (aus der Kombination Geruch im Glas, Kippgefühl, Glasrandfeeling, Übregang und Ersteindruck der Flüssigkeit im Mundraum) nicht grundlegend. Ich hoffe, das war jetzt halbwegs nachvollziehbar.


    Ich hab' da eine Trinkpraxis, die offenbar eher jener von @JdH entspricht. @Marko_I wiederum hat  eine Trinktechnik wie vielleicht @pianoman oder andere Kollegen, die die Glasrandform eben weitgehend durch die eigene Mundstellung ausgleichen. Wie @Waschbär hab' ich meine Glasrandtechnik bisher aber unbewusst ausgeführt. Bin ich durch das Forum und die geballte und verschiedenartige Erfahrung der Foren-Kollegen also wieder bewusster und gescheiter geworden ... Das Forenleben bildet :-))


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    Der Verführer
    Old Pulteney 23y Sherry Casks 43% (WID:11414)


    image
    Was für eine schöne Abfüllung ...

    Geruch: Eine sehr feine, frische Nase. Helle Früchte erwarten mich auf einem morgendlich-feuchten Wiesenboden. Es gesellen sich dazu: Etwas Erde, feine Kräuter und ein paar dunkle Beeren. Die Nase würde ich jetzt eher einem Bourbonfass zuordnen, so leicht und frisch mit etwas Minze fühlt sie sich an, eigentlich ungewöhnlich für 23 Jahre Sherryfassreifung. Die Pulteney-Aromen grüßen von Ferne.

    Aus dem Rotweinglas: Im Riedel Vinum Bordeuax ist der Sherry gleich viel präsenter, der Duft wirkt dunkler, tiefer, reifer. Das "Pulteney-Maritime" ist hier weniger durch Kräuternoten wie aus dem Nosinngglas vertreten, hier präsentiert sich eine leichte Salzgischt vor dem Korb dunkler Beeren-Früchte. Dieser Pulteney verspricht sehr viel.

    Geschmack: Holla, der prickelt ordentlich -- erstaunlich für die im Pulteney-Vergleich zurückhaltenden 43% -- und nun ist auch der Sherry sofort präsent ebenso wie reife Schwarzbeeren und Ribisel. Und die Kräuter ebenso wie Salzgischt. Willkommen. Die Aromen stehen erfreulich klar nebeneinander.

    Aus dem Bordeauxglas: Auch hier ist ein schönes Prickeln sofort präsent, eine angenehme Beerensüße (Heidelbeeren, Schwarzbeeren) folgt, der Sherry meldet sich ebenfalls, etwas Zimt. Der Salzgischtnebel ist nun mit Waldkräutern angereichert, die Aromen-Staffelung aus diesem Glas ist nochmal klarer, intensiver; naturgemäß.

    Abgang: Der Ausklang ist mittellang bis lang, hier nun übernehmen nach den Sherry- und Fruchtnoten die Salz-, Kräuter- und Seetangnoten, ehe zum Schluss etwas Eiche dazukommt und sich dann wieder der Sherry meldet.

    Aus dem Rotweinglas: Nun bleiben Dunkelfrucht und Sherry noch länger präsent, ergänzt um Kräuter und Salznoten, die Eiche ist diesmal nicht zu spüren. Ein sehr kräftiger, runder Abgang.

    Fazit: Sehr schön, sehr rund, sehr angenehm. Kein Malt, der sofort seine ganze Vielgestaltigkeit offenbart. Auf den ersten Eindruck "bourbonhaft", doch die 23 Jahre dauernde Reifung in Sherryfässern meldet sich bald -- nach einer Weile im Nosingglas und viel rascher und unmittelbarer im Rotweinglas. Das ist kein Sherrymonster, das ist ein Sherryverführer. Trotz seiner "nur" 43% erstaunlich kräftig in m.E. bester Trinkstärke, ist das der perfekte Single Malt für lange sonnige Herbst-Nachmittage.

    Aus dem Stölzle Nosingglas ergibt das bei der Erstbeurteilung 93 Punkte. Aus dem Bordeauxglas steigert sich der Genuss für mich nochmal auf 94 Punkte. Ein ungewöhnlicher und doch wieder ganz typischer Pulteney. Was bin ich froh, dass dieser Malt den Weg zu mir gefunden hat. Das werden noch viele schöne gemeinsame Stunden ... :-))


    _______________________________________________

    Ein Zitat zum österreichischen Nationalfeiertag:


    "Solange der Österreicher

    Bier und Würstel hat,

    revoltiert er nicht."
    (Ludwig van Beethoven, Musiker/Komponist)


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