Whisky in Deutschland

Die Anfänge

In den 60er Jahren kannten die Deutschen Whisky meist nur aus Filmen, wenn Cowboys in Western im Saloon Whisky tranken.

Erst In den 70er Jahren wurden Jim Beam, Teacher’s und andere Marken durch die amerikanischen Truppen in Deutschland populär. Bald fand sich amerikanischer Whiskey in deutschen Supermarktregalen. Nach dem Krieg lag der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Spirituosen noch bei mehr als 10 Litern und Whisky hatte seinen Anteil daran!

Erste Begegnungen mit Whisky

In die frühen 70er datieren viele heutige Whisky-Liebhaber ihren ersten harten "Zusammenstoß" mit einer Flasche Whisky. Diese oft von lang anhaltender Übelkeit, Brechreiz und Kopfschmerz begleitete Begegnung der ersten Art war für viele auch die letzte für die kommenden Jahre. Tagelange Übelkeit und Kopfschmerz vergisst der Mensch so schnell nicht und das billige Aroma von einfachem Bourbon und Scotch wurde in unserem Kopf zum Frühwarnsystem für Übelkeit und Kopfweh.

Bereits 1959 begann die deutsche Firma Racke seinen Racke Rauzart herzustellen. Die unter uns, ohne Verbindungen zu amerikanischen oder britischen Soldaten, hatten ihren ersten "Zusammenstoß" mit diesem Whisky, der ein hohes Verkaufsniveau ebenfalls in den 70ern erreichte. Aber auch der amerikanische Medley's und vermehrt Johnnie Walker sorgten in dieser Zeit für einprägsame Erlebnisse unter den Teenagern.

Gleichzeitig und zu unserer aller Ärger brachten die Amerikaner den Ausstoß der PX-Läden wieder unter Kontrolle und Whisky geriet beim jugendlichen Durchschnitts-Menschen wieder in Vergessenheit. Als Schuss in der Cola fristete er ein Schattendasein.

Hochwertiges Bier war im Aufwind und dieser erfasste auch bald den Wein. Mit zunehmendem Wohlstand sank der pro Kopf Verbrauch von Spirituosen zu Gunsten der leichteren Getränke. Ende der 70er lag er bei nur noch 8 Litern pro Erwachsenem und Jahr.

Die Geburtsstunde des Malt Whiskys

Diese Zeit dürfte die heimliche Geburtsstunde des Malt Whiskys in Deutschland gewesen sein. Der gewachsene Wohlstand nach dem Wirtschaftswunder und der Beginn des Massen-Tourismus führte die Deutschen verstärkt in die Nachbarländer. Und das nicht nur nach Österreich und in die Schweiz, die whiskytechnisch ähnlich zu uns entwickelt waren. Immer mehr Menschen reisten nach Italien, Frankreich und Großbritannien.
Nach Hause brachten sie immer öfter Malt Whisky mit. Doch pro Kopf war es nur ein einziger Liter. Mehr erlaubten die strengen Zollkontrollen nicht. Da der Bedarf deutlich oberhalb der Einfuhrgrenze lag, konnte sich der heimische Markt in diese Richtung entwickeln.

Die Ehre der internationalen Malt Whisky Verbreitung gehört Glenfiddich. Schon vor 1980 konnte man die Brennerei besichtigen und Flaschen im kleinen Shop nebenan erwerben. Auch wenn die Flaschen in Deutschland schnell leer waren - Schöne Erinnerungen hingen an ihnen, während sie langsam im Regal Staub ansetzten. Die negativen Erinnerungen an die ersten "Zusammenstöße" verblassten gegenüber der neuen Qualität dieses tollen Getränks.

Einzug in die deutschen Supermärkte

Während der 80er verdrängten Scotch Whisky und Malt Whisky langsam die heimischen Kornbrände und deutschen Whiskys aus den Supermarkt-Regalen. Racke folgte dem Trend und stellte seinen Rauchzart von deutschem Whisky auf Blended Scotch um. Glenfiddich expandierte und wurde weiträumig in nahezu allen Supermärkten verfügbar.
Parallel dazu begannen die ersten spezialisierten Groß- und Einzelhändler in kleinem Umfang seltene Malt Whiskys direkt aus Schottland zu importieren. Wie viel Malt Whisky Anfang der 80er nach Deutschland importiert wurde, lässt sich heute nur grob schätzen. Mehr als ein paar zehntausend Flaschen waren es bestimmt nicht pro Jahr.

Die qualitative Spitzenpositionen im Scotch Blended Whisky Segment erarbeiteten sich Chivas Regal und Johnnie Walker Black Label. Und der Single Malt Erfolg von Glenfiddich ließ manch anderen nicht ruhen. 
Neben Glenfiddich als einzigem Malt erschien noch genügend Platz für eine zweite Marke. Viele heute berühmte Malt Whiskys versuchten sich in der zweiten Hälfte der 80er in dieser Nische. Cardhu und Royal Lochnagar waren die berühmtesten unter ihnen. Doch sie scheiterten alle. Der Durchbruch wollte nicht gelingen. Cardhu war zu teuer und Royal Lochnagar geschmacklich zu intensiv für die Masse.

Um 1990 hatte es dann Glen Grant geschafft. 25% preiswerter als Glenfiddich und mit dem passenden "Glen" im Namen, konnte auch er sich einen Stammplatz im Supermarktregal erarbeiten.

Mit dem Mauerfall erhielt deutscher Whisky, diesmal aus dem Osten, eine zweite Chance. Doch der Traum hielt nicht lange. Der Spirituosenverbrauch lag 1989 im Osten mit 12 Litern noch so hoch, wie im Westen in der Zeit nach dem Krieg. Binnen weniger Jahre stürzte der Verbrauch auf westliches Niveau mit 6 Litern pro Kopf und Jahr ab und so wurde vielen Ost-Brennereien die Existenzgrundlage entzogen.

Seit dem Beginn der Malt Whisky Importe Ende der 70er bis Anfang der 90er tat sich neben der explosionsartigen Verbreitung von Glenfiddich und Glen Grant fast nichts an der heimischen Malt Whisky Front.

Mit verstärkter Suche und im Duty-Free konnte man Glenlivet und Glenmorangie finden, doch die seltenen und auflagenschwachen hochwertigen Malts blieben im Verborgenen.

Die Amerikaner entdecken den deutschen Markt

Gleichzeitig begannen die Amerikaner den deutschen Markt zu entdecken. Anfangs war es nur Jim Beam, doch mit Jack Daniel's betrat Ende der 80er ein zweiter, bedeutender Anbieter die Bühne. Jim Beam und Jack Daniel‘s waren die Vorhut. Vom hochwertigen Kentucky Straight Bourbon war, wie vormals beim schottischen Single Malt Whisky, noch nicht viel zu sehen.

Die Geschichte von Whisky.de beginnt erst 1993. Aus zahlreichen Schottlandreisen in den Jahren 1990 bis 1992 wurden zwar einige seltene Stücke, wie z.B. ein Strathisla 15 Jahre oder ein Isle of Jura mitgebracht, doch der eigentliche Start begann erst 1993 - gerade noch rechtzeitig zum weltweit einsetzenden Malt Whisky Boom.

Wie geht es weiter? Was erwartet die Whisky-Szene in Deutschland? Die gedrückte wirtschaftliche Stimmung wird nicht ewig dauern. Und jede Rezession hat auch Ihre guten Seiten. Marken wie Unternehmen die auf Sand gebaut haben, werden von den Herbst- und Winterstürmen hinweggefegt. Die Blended Whiskys abseits der großen, beworbenen Marken werden zu den größten Verlierern in Deutschland gehören.

Malt Whisky und Kentucky Straight Bourbon wird zu Lasten dieser Blends den Marktanteil weiter erhöhen. Wirkliche Mengen werden nur die großen Marken wie Johnnie Walker und Co. mit viel Werbung absetzen. Bei den Genießern wird vor allem die Qualität der einzelnen Malts und der Straight Bourbons für den Erfolg sorgen.

Premium-Whisky hat die deutschen Herzen erobert. Er ist fester Bestandteil des Warenangebots in diesem Teil Europas. Im internationalen Vergleich haben wir noch aufzuholen bzw. fallen weiter zurück. Auch die großen Schwellenländer in Südamerika und Asien haben hochwertigen Whisky als Bereicherung ihres Genusses entdeckt.

November 2002

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